Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle Die Vorstellungen des Circus Busch werden oftmals von Aktivisten boykottiert. „Unseren Tieren geht es gut“, sagt Direktor Henry Frank. Dies würden amtliche Kontrollen belegen.

Die Tierrechtsorganisation Peta und der Circus Busch werden in diesem Leben vermutlich keine Freunde mehr. Schon in der Presseeinladung weisen die Zirkusleute darauf hin, dass die „People for Ethical Treatment of Animals“ („Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren“) in der Kritik stehen, weil sie in den USA die Einschläferung von Hunden und Katzen in Tierheimen unterstützen — aus Platzmangel, wie die Organisation selbst offiziell einräumt.

Aktivisten gegen Zirkus

Vor zwei Jahren hätten Peta-Anhänger bei einem Gastspiel des Circus Busch im Rheinland die Werbeplakate des Zirkusunternehmens zerstört oder mit dem Hinweis „Die Vorstellung fällt wegen Tierquälerei aus“ überklebt, berichtet Henry Frank. In der Nacht seien dann Unbekannte in die Ställe eingebrochen und hätten Kamele, Pferde und andere Tiere laufen lassen. „Es sind weder Menschen noch Tiere zu Schaden gekommen, aber die Schuldigen wurden von der Polizei nie gefasst.“ Immer wieder würden Aktivisten vor dem Zirkus Flyer verteilen, in denen sie die angebliche Misshandlung der Zirkustiere anprangern.

„Alles Unsinn“, sagt der Zirkusdirektor, dessen Familie schon seit sieben Generationen in der Welt der Clowns, Artisten und dressierten Vierbeiner zuhause ist. „Wir und unsere Kollegen sind in der heutigen Zeit die am meisten kontrollierten Tierbetriebe überhaupt.“ Woche für Woche überprüfe das am jeweiligen Ort zuständige Veterinäramt die Unterbringung und die Befindlichkeit jedes einzelnen Tieres.

Die Kontrolleure würden unangemeldet bei den Proben erscheinen, um sicherzustellen, dass alles mit rechten Dingen zugehe. Im Tierbestandsbuch seien alle Tiere mit Chipnummern registriert: „Wenn es da Beanstandungen gibt, ist man sofort die Lizenz los.“ Die Fotos von misshandelten Zirkustieren, wie sie im Internet kursieren, kämen aus Osteuropa, niemals aber aus Deutschland.

Die oft kritisierte Dressur laufe auf einem humanen Weg, nämlich mit Geduld und Belohnungen ab: „Das ist nichts anderes, als wenn jemand seinem Hund beibringt, ‚bei Fuß‘ zu laufen, auf Anweisung sitzen zu bleiben oder das Tier zum Jagdhund ausbildet. Da hat doch auch niemand was dagegen.“ Mit Gewalt gehe grundsätzlich nichts: „Die Dressuren basieren auf einem Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier.“

Neben Pferden, Ponys, Kamelen und drei witzigen Hündchen hat der Circus Busch ungewöhnliche tierische Mitarbeiter zu bieten: Wenn die mächtigen Hörner der afrikanischen Watussi-Rinder in der Manege auftauchen, geht ein Raunen durch die Menge. Schlecht gelaunt wirkt keiner der haarigen Künstler. „Bei uns haben sie Auslauf, viel Kontakt mit ihren Besitzern und immer etwas zu tun“, sagt Frank.

Kunststücke im „Todesrad“

Etwa 55 Gastspiele in ganz Deutschland gibt der Zirkus pro Jahr. In Schwäbisch Hall halten sich die Tierschützer bisher zurück. Die Kinder aus dem Publikum reißen sich in der Pause darum, auf Ponys und Kamelen reiten zu dürfen, und die stolzen Eltern filmen sie dabei mit ihren Handykameras.

Viel gefährlicher als die Tiere leben die menschlichen Artisten. So stapelt sich Martino Scholl mit neun Stühlen ungesichert bis unter die Zirkuskuppel hoch, zwei junge Männer vollführen waghalsige Kunststücke im riesigen „Todesrad“, und schöne Frauen schweben ohne Netz durch die Zirkusluft oder verbiegen ihre Körper auf besorgniserregende Weise. Clown Bruno hat es leichter: Er bewirft das Publikum mit Popcorn und holt für seine Scherze mehrfach Zuschauer in die Manege.

„Was wir zu bieten haben, ist Nostalgie und klassische Zirkusromantik im Zeitalter des Internets“, unterstreicht der 43-jährige Henry Frank. Am meisten freue es ihn, die leuchtenden Augen der jüngsten Zirkusgäste zu sehen. Das Geldverdienen sei für ihn und seine Familiencrew nicht vorrangig: „Wenn es uns darum ginge, hätten wir sicher einen anderen Beruf ergriffen.“

Weitere Vorstellungen bis Montag

Weitere Vorstellungen in Steinbach auf den Kocherwiesen gibt der Circus Busch am Samstag um 16 und um 19.30 Uhr, am Sonntag um 11 und 15 Uhr, am Montag, 12. Juni, um 15 Uhr. In den Pausen dürfen die Tiere in ihren Gehegen besucht werden — gegen einen Obolus von drei Euro. „Dieses Geld kommt ausschließlich dem Unterhalt unserer Tiere zugute“, betont Henry Frank. cito