Obersontheim Kompostierungsanlage: Vergärung soll Gestank verhindern

Der Vergärungsprozess von Biomüll und holzfreien Gartenabfällen könnte im Fermenter einer vergleichbaren Biogasanlage stattfinden. Mit dem Gas lassen sich Strom und Wärme erzeugen.
Der Vergärungsprozess von Biomüll und holzfreien Gartenabfällen könnte im Fermenter einer vergleichbaren Biogasanlage stattfinden. Mit dem Gas lassen sich Strom und Wärme erzeugen. © Foto: Inge Braun/Archiv
Obersontheim / JOCHEN KORTE 26.07.2014
Die Bürger aus Obersontheim riechen es immer wieder, wenn der Wind für sie ungünstig weht: Bei der Kompostierung von Biomüll werden unangenehme Gerüche frei. Eine Vergärung könnte das verhindern.

Es ist noch relatives Neuland, das Grüne/ÖDP betreten wollen. Richtig gut funktionierende Anlagen, in denen Biomüll vor der Kompostierung vergoren wird, gibt es in der Region kaum. Bislang wird der Bioabfall, 2012 waren es 6613 Tonnen, im Humuswerk in Bechhofen (Landkreis Ansbach) und bei der KGH Umweltservice in Obersontheim kompostiert.

"Das ist nicht mehr Stand der Technik. Mit einer vorgeschalteten Vergärung kann der Geruch, der beim Zersetzen des Biomülls frei wird, deutlich reduziert werden", versichert Kreistagsfraktionschef Hans-Joachim Feuchter. Seine Fraktion habe die Vergärung schon 2006 vor der letzten Vertragsverlängerung mit den Kompostwerken angesprochen, doch damals sei es wohl zu kurzfristig gewesen. Das soll diesmal, die Verträge laufen Ende 2015 aus, nicht wieder geschehen.

Vergärung nicht billiger

Die Fraktion hat aus dem ihr zur Verfügung stehenden Etat eine Expertise erstellen lassen, die den Titel "Bioabfälle im Landkreis Schwäbisch Hall - Vergärung als Verwertungsweg" trägt, erstellen lassen. Und zwar von der Rückert Naturgas GmbH. Die stellt unter anderem fest, dass Vergären besser ist als nur Kompostieren und dass die im Biomüll enthaltene Energie zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden kann. Kohlendioxid gelange so erst gar nicht in die Atmosphäre. Billiger sei das Vergären nicht, aber durch die Energienutzung etwa kostengleich.

Mitglied der Fraktion im neuen Kreistag, die von sieben auf neun Mitglieder wächst, ist auch Gottfried Gronbach aus Wolpertshausen. Er gilt als einer der Biogaspioniere im Landkreis Hall und hat zahlreiche Anlagen konzipiert. "Der Biomüll wird von Fremdstoffen getrennt und gärt im Fermenter. Dabei wird Biogas erzeugt, aus dem im Blockheizkraftwerk Strom und Wärme erzeugt werden", erklärt Gronbach. Die bisher angewandte Kompostierung nennt er eine "primitive Technologie".

Ein Fermenter könne ähnlich aussehen wie bei herkömmlichen Biogasanlagen. Das Dach sorge dafür, dass Gerüche innen blieben. Der Reststoff werde kompostiert - bei deutlich geringeren Geruchsemissionen.

Feuchter und Gronbach sind optimistisch, dass die Landkreisverwaltung diesen Weg mitgeht. Landrat Gerhard Bauer und Kämmerer Werner Schmidt hätten das signalisiert. Werner Schmidt bestätigt das ausdrücklich. Auch, dass das Energiezentrum Wolpertshausen die Ausschreibung für ein weitergehendes Gutachten vorbereitet, das nach der Sommerpause vom Kreistag vergeben werden könne.

10.000 Tonnen Biomüll pro Jahr

Da der Landkreis für eine eigene Anlage nicht genügend Biomüll sammele, böte sich aus Sicht der Grünen eine Kooperation mit dem Hohenlohekreis an. "Die Anlage darf nicht zu groß und nicht zu klein sein", erläutert Gronbach. Im ersten Fall könne sie unbeherrschbar werden. Außerdem würden die An- und Abfahrtswege zu lang. Als schlechtes Beispiel nennt er das Millionengrab Klärschlamm-Verwertungsanlage bei Dinkelsbühl. Zu klein dürfe die Vergärungsanlage nicht sein, damit die Wirtschaftlichkeit gegeben sei. 10.000 Tonnen Biomüll im Jahr sollten es schon sein.

Mit dem Biogas könne ein Kraftwerk mit 250 Kilowatt elektrischer und 265 Kilowatt thermischer Leistung betrieben werden. Mit der Einspeisevergütung für Strom nach dem reformierten Erneuerbare Energien-Gesetz, die für mit Biomüll gefütterte Anlagen nicht gesenkt worden sei, rechne sich das. "Ganz grob" beziffert Gronbach die Kosten für die Anlage auf rund fünf Millionen Euro. Finanziell verheben würde sich der Landkreis damit nicht. An einen Billiganbieter wollen weder Feuchter noch Gronbach die Anlage vergeben. Für die Akzeptanz bei den Bürgern seien hohe Standards von Bedeutung.

Feuchter setzt bei der politischen Umsetzung auf breite Zustimmung im Kreistag. Freien-Kreisrat Siegfried Trittner, der Bürgermeister von Obersontheim, habe vor seiner jüngsten Wiederwahl ganz ähnliche Pläne geäußert. Ein möglicher Standort sei beispielsweise bei Beltersrot. Das liege so ziemlich in der Mitte der beiden Landkreise.

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Möglicher Zeitplan

Biomüll-Vergärungsanlage Geht es nach den Vorstellungen von Grünen/ÖDP, könnte das Gutachten nach der Sommerpause vergeben werden. Dieses könne bis zum Frühjahr 2015 vorliegen. Vor der Sommerpause 2015 könne der Kreistag über den Standort entscheiden, dann stehe das Genehmigungsverfahren an. 2016 könne im besten Fall gebaut werden. "Wenn es zeitlich zu eng wird, kann man den Vertrag mit den Kompostwerken ja um ein Jahr verlängern", sagt Fraktionschef Feuchter.

KOR

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