Schwäbisch Hall Knochenjob mit Spaßfaktor

Am Pfannenstand wird gratuliert (von links): Miran Mehemti, Dieter Schenk, Ehrenvorsitzender des Landesverbands der Schausteller und Marktkaufleute, Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim sowie die beiden Geehrten Margret Kosek-Mehmeti und Gisbert Wolf.
Am Pfannenstand wird gratuliert (von links): Miran Mehemti, Dieter Schenk, Ehrenvorsitzender des Landesverbands der Schausteller und Marktkaufleute, Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim sowie die beiden Geehrten Margret Kosek-Mehmeti und Gisbert Wolf. © Foto: Foto: Bettina Lober
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 24.07.2018
Seit 40 Jahren kommen Margarete Kosek-Mehmeti und Gisbert Wolf mit ihren Ständen zum Jakobimarkt nach Schwäbisch Hall.

Dass sie einmal leidenschaftliche Händler und Verkäufer werden würden, das hätten sich Margret Kosek-Mehmeti und Gisbert Wolf wohl selbst nicht gedacht. Die 70-Jährige aus Plüderhausen bei Schorndorf bietet ein breites Sortiment von Töpfen und Pfannen an. Einige Meter weiter ist der Stand des 67-jährigen Fichtenauers, der dort gemeinsam mit seiner Frau Brigitte (66) Trikotwaren und Unterwäsche anbietet – „für die ländliche und die ältere Bevölkerung“. So zitiert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim aus seinen Unterlagen, als er die beiden Händler gestern Mittag auf dem Haalplatz ehrt und ihnen für ihre Treue zum Haller Jakobimarkt dankt. Seit 40 Jahren sind Margret Kosek-Mehmeti und die Wolfs Händler auf dem Krämermarkt – „und ich hab nie gefehlt“, ergänzt die Plüderhausenerin fröhlich.

Obwohl ihr Knieprobleme ziemlich zu schaffen machen, beim Jakobimarkt ist Margret Kosek-Mehmeti immer dabei. Von ihrem Mann Miran Mehmeti wird sie tatkräftig unterstützt: „Ich dirigiere ihn, wie er was aufbauen und am Ende abbauen soll“, meint sie augenzwinkernd. Am Wochenende war auch eine Enkelin bei ihr auf dem Haalplatz – und hat ein Schieferherz mit der Aufschrift „Jubiläum 40 Jahre in Schwäbisch Hall“ mitgebracht, das jetzt gut sichtbar zwischen den Töpfen hängt.

Kunden aus Japan und den USA

Schon als fünf- oder sechsjähriges Mädchen war Kosek-Mehmeti auf dem Haller Jakobimarkt – weil ihr Vater das Geschäft mit Emailgeschirr, Töpfen und Pfannen nämlich einst begründete und sie am Wochenende mit durfte. Später machte sie in Schwäbisch Gmünd eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete 25 Jahre lang in Schorndorf in dem Beruf. Die Eltern hat sie natürlich unterstützt am Marktstand. Schließlich hat sie ihn übernommen. „Früher waren wir sicher auf 40 Märkten, mittlerweile haben wir reduziert auf etwa 15“, sagt die Händlerin und erzählt vom Pferdemarkt Bietigheim oder dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Dort habe sie auch Kunden aus Japan und Amerika gehabt. „Und ein Chefarzt vom Katharinenhospital mit acht Kindern hat  auch bei mir eingekauft.“

Auch in Hall habe sie fast nur Stammkundschaft – und auf die freut sich Margret Kosek-Mehmeti jedesmal riesig. „Vorhin war eine 89-jährige Dame hier, die hat schon bei meinem Vater eingekauft.“ Sicherlich, die Arbeit auf dem Markt sei ein Knochenjob, „aber es gibt so viele tolle Begegnungen, man kann die Leute beraten und kommt miteinander ins Gespräch.“ Ideales Gehirnjogging: „Neulich meinte mein Arzt, dass ich vor Alzheimer und Demenz keine Angst haben müsse“, erzählt sie lachend.

70 bis 80 Märkte im Jahr

Der Umgang mit den Kunden, das ist es auch, was auch Gisbert Wolf an dem Marktgeschäft fasziniert: „Das gefällt mir: mit den Leuten sprechen und sie beraten, sagt Gisbert Wolf, der auch Fachbereichsvorsitzender für die Marktkaufleute im Schausteller-Landesverband ist.

Ursprünglich kommt er aus der Nähe von Pforzheim, ist aber schon lange in Matzenbach zu Hause. Wolf war Automechaniker und arbeitete bei einer Straßenbaufirma. Aber sein Herz schlägt doch für das Markttreiben. „Das Geschäft haben wir einst von der Großmutter meiner Frau übernommen“, erzählt er.

Die Wolfs fahren mit ihrem Unterwäsche-Sortiment auf rund 70 bis 80 Märkte im Jahr – „bis nach Dingolfing in Niederbayern und bis kurz vor Gießen in Hessen“, erklärt der 67-Jährige.

Und warum hat ihr Angebot das vom Haller OB zitierte Prädikat „für die ältere und ländliche Bevölkerung“? Weil die Wolfs nicht auf modische Farben oder kurzlebige Trends setzen, sondern auf Klassiker: „Bei uns gibt es die Herrenunterhose mit Eingriff“, erklärt Brigitte Wolf. Und wenn sie im Oktober auf der Muswiese aufbauen, haben sie auch wärmende Plüschware im Sortiment.

Vier Kinder, sieben Enkel und einen Urenkel haben die Wolfs. Ob die den Marktstand einmal weiterbetreiben werden? „Nein, sicher nicht“, schüttelt Brigitte Wolf den Kopf. „Aber wir machen das schon noch ein paar Jahre“, ergänzt ihr Mann lachend: „Es macht halt wahnsinnig Spaß.“

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