ABGELEHNT Knappe Gemeinderatsmehrheit gegen Lindachbrücke zum Unterwöhrd

An dieser Stelle Im Lindach sollte die Brücke über den Kocher zum Unterwöhrd führen.
An dieser Stelle Im Lindach sollte die Brücke über den Kocher zum Unterwöhrd führen. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / THUMILAN SELVAKUMARAN 12.12.2015
Die geplante Brücke vom Lindach zum Unterwöhrd wird vorerst nicht gebaut. Der Gemeinderat lehnte das Vorhaben bei den Haushaltsberatungen mit einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme ab.

Es hätte eine Holz-Beton-Verbund-Brücke werden sollen, 35 Meter lang und 3,5 Meter breit. Der erste Entwurf, an dem auch die Sulzdorfer Firma Schaffitzel beteiligt war, liegt der Stadtverwaltung seit Monaten vor.

Das Vorhaben, zu dem Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim gedrängt hatte, sollte eine neue Zufahrt und Versorgungsmöglichkeit für den Unterwöhrd schaffen. Derzeit rollen Fahrzeuge des Werkhofs sowie von Freilichtspiele und Biergarten-Betreiber über den denkmalgeschützten Steinernen Steg.

Das Vorhaben wurde allerdings bereits 2013 in einer nichtöffentlichen Debatte im Gemeinderat mit einem Sperrvermerk versehen. Nun ist das Vorhaben vorerst ganz vom Tisch. 18 Stadträte stimmten vergangene Woche den Anträgen von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD zu, die 500000 Euro im Finanzhaushalt für 2016 ganz zu streichen. Zusammen mit Martin Lindner und Uta Rabe (beide CDU) sowie der fraktionslosen Damiana Koch bekamen die Anträge eine hauchdünne Mehrheit bei 18 zu 17 Stimmen. Der Oberbürgermeister, die FDP und Freien Wähler sowie der Rest der CDU hätten dagegen die Brücke gerne gebaut.

Helmut Kaiser, Fraktions-Chef der SPD, sieht keine hohe Priorität in der Brücke, "insbesondere, weil die Mittel knapp sind und wir in den kommenden Jahren eine Vielzahl an Investitionen stemmen müssen". Zudem wolle seine Fraktion erst wissen, wie sich das Areal insgesamt entwickelt. Damit spricht er auch die Zukunft des Globe-Theaters an: Wird es saniert oder ein neues Gebäude gebaut? "Wir wollen erst alle Alternativen prüfen." Kaiser betont aber, dass die SPD mit dem Veto zur Brücke nicht über ein Hintertürchen den Theater-Neubau gänzlich blockieren wollte.

Die Grünen allerdings argumentieren vor allem mit dem Theater. "Wir gehen davon aus, dass man das Globe sanieren kann", sagt Fraktionssprecherin Andrea Herrmann. Für den dafür nötigen Verkehr sei eine neue Brücke nicht nötig. Wenn doch ein Theater-Neubau komme, könne für die Bauzeit eine temporäre Brücke errichtet werden.

Ludger Graf von Westerholt (CDU) sieht das Brückenprojekt in einem größeren Zusammenhang. "Es geht um die Verkehrsführung der Innenstadt." Der Versorgungsverkehr müsse sich derzeit durch die engen Gassen schlängeln, um über "den ohnehin belasteten Steg zu fahren, der auch von Fußgängern genutzt wird". Die neue Lindachbrücke hätte das Areal entlastet.

So argumentiert auch Hartmut Baumann, Sprecher der Freien Wählervereinigung. Dafür hätte aber der sanierungsbedürftige Theatersteg 30 Meter südlich der geplanten Brücke wegfallen müssen. "Das wäre für Fußgänger nicht von Nachteil und hätte das Gesamtbild deutlich verschönert", meint Baumann.

Thomas Preisendanz (FDP) wollte das Brücken-Projekt, weil auch Vorteile für den Rettungsdienst entstanden wären. "Das Rote Kreuz etwa hätte über die Bahnhofsstraße direkt in die Innenstadt fahren können." Für die Brücke würde er sich aber nicht verkämpfen.

Pelgrim spricht dagegen von "keiner klugen Entscheidung". Die Haller hätten sich mit der Brücke "das Leben in der Innenstadt erleichtern können". Der OB will langfristig den Lieferverkehr aus der Innenstadt verbannen, "um die Lebensqualität dort zu steigern". Zudem müsse in absehbarer Zeit die Schwatzbühlgasse saniert werden. Dafür seien aber alternative Zufahrtsmöglichkeiten nötig - auch für den Unterwöhrd. Ein möglicher Globe-Nachfolger sei allerdings nicht von der Brücke abhängig.

Westerholt ist überzeugt, dass die Thematik ohnehin wieder aufs Tableau kommt, wenn die Planungen für das Bahnhofsareal voranschreiten. Denn von dort entstehe über eine zusätzliche Brücke am Lindach "eine Achse in die Innenstadt". Andrea Herrmann hält diesen Bereich insgesamt für ungeeignet. "Ich tue mich schwer, an der beengten Stelle LKW-Verkehr durchzuleiten." Schließlich gebe es neben dem Seniorenstift Lindach keinen Fußgängerweg. Der Haushalt wird am Mittwoch im Gemeinderat verabschiedet.

Streit um Theatersteg

Entbehrlich Der heute sanierungsbedürftige Theatersteg wurde am 11. November 1955 eingeweiht. 1983 sollte das Bauwerk abgerissen werden. Der Gemeinderat entschied das damals mit 20 zu 11 Stimmen, weil der Steg "entbehrlich" sei. Zu dieser Zeit war bereits die steinerne Furt nebenan für die Landesgartenschau gebaut, die ebenfalls heute noch existiert.

Protest Die Entscheidung über den Abriss löste einen Sturm der Entrüstung bei der Bevölkerung aus. 372 Haller machten im "Entwidmungsverfahren" schriftliche Eingaben, forderten den Erhalt der Brücke. Der Gemeinderat nahm darauf seinen Beschluss, den Theatersteg abzureißen, zurück.

SWP

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