Seit Jahresbeginn wird in die Busse der Stuttgarter Beförderungsgesellschaft (SSB) kein Diesel mehr getankt. Stattdessen setzt das Unternehmen auf synthetischen Kraftstoff, der auf Erdgas basiert (siehe Info). Angeblich werden damit die Stickoxidemissionen vor Ort um bis zu 20 Prozent reduziert, teilt das Unternehmen dem Südwestrundfunk mit.

Ist das auch in Schwäbisch Hall möglich? Der Synthetikkraftstoff wird bereits eingesetzt. Feuerwehrautos tanken ihn, ebenso wie Wagen der Stadtbetriebe. „Die Erfahrungen mit dem synthetischen Diesel bei den Stadtbetrieben Schwäbisch Hall sind nach rund einem halben Jahr positiv“, teilt Pressesprecherin Pia Reiser mit. Seit der Umstellung gebe es zum Beispiel keine Schwierigkeiten mehr mit den Rußpartikelfiltern in den Fahrzeugen, denn der synthetische Diesel verursache erfahrungsgemäß nur rund ein Viertel so viel Ruß wie herkömmlicher Diesel.

Städtische Tankstelle ist nicht für Privatautos

Reiser: „Da die Fahrzeuge des städtischen Fuhrparks häufig in niedrigem Drehzahlbereich unterwegs sind und oft nur kurze Strecken zurücklegen, mussten die Dieselpartikelfilter zuvor häufiger gereinigt werden. Zudem werden durch den synthetischen Diesel große Mengen an CO2 kompensiert: Pro Auffüllung der Tanks auf dem Werkhof – je 20.000 bis 22.000 Liter – sind es rund 50 Tonnen CO2 weniger.“ Warum sollten nicht alle Fahrzeuge in Hall davon profitieren? Reiser: „An der Tankstelle der Stadtbetriebe können keine privaten Autos tanken.“

Was die Nachfrage nach dem Treibstoff dämpfen könnte: Er ist je nach Angebot rund zehn Prozent teurer als herkömmlicher Diesel. Das ist aber nicht allein der Grund, warum der Stadtbus Schwäbisch Hall seine Flotte nicht mit dem Synthetik-Diesel betankt. Stadtbus-Geschäftführer Michael Dalhof sagt auf Nachfrage: „Wir haben das Thema genau geprüft, setzen aber synthetischen Kraftstoff derzeit nicht ein.“ In einem kleinen Gutachten über die Kraftstoffe unter dem Namen „Gas zu Flüssigkeit“ (Gas-to-Liquids – GtL) hat das Busunternehmen, das zu dem großen Transdev-Konzern gehört, herausgefunden: „Die Fahrzeughersteller schreiben vor, die Motoren mit Diesel nach DIN-EN-590 zu betreiben. Sollten wir alternative Kraftstoffe verwenden, entfallen mögliche Garantie- oder Kulanzregelungen im Schadensfall. Zudem kommt noch hinzu, dass GtL nur lokal emissionsarm ist, da bei der Produktion aus Erdgas auch CO2 anfällt – dies verhält sich so ähnlich wie bei der Wasserstoffproduktion.“

Es gibt aber beim Stadtbus eine Ausnahme. Die drei neuen E-Busse erzeugen weniger Hitze als die Diesel-Busse. Daher muss bei sehr niedrigen Temperaturen eine Heizung für den Innenraum zugeschaltet werden. „Der Heizbetrieb soll nicht über die Batterie erfolgen, da das die Reichweite des Fahrzeugs verringern würde“, erläutert Dalhof. Das System, das eine angenehme Temperatur für den Innenraum schaffen soll, werde mit dem synthetischen Kraftstoff betrieben.

Es wird also ein E-Bus eingesetzt, um Emissionen zu vermeiden. Da der aber weniger Wärme produziert, wird eine extra Heizung installiert, die wiederum zu einem gewissen CO2-Ausstoß führt. Dalhof räumt ein: „Das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.

Keine Störungen am E-Antrieb der neuen Busse

Die Einführung der drei Elektrobusse sei aber insgesamt sehr positiv verlaufen. „Wir sind sehr zufrieden mit den Fahrzeugen“, sagt er. Falls es zu Störungen komme, lägen diese nicht im E-Antrieb, sondern bei den herkömmlichen Fahrzeugteilen. Dalhof: „Der Elektroantrieb macht eine gute Figur.“ Die Busse könnten regulär im Betrieb eingesetzt werden und laden Ökostrom. Beim Thema Anschaffungskosten, Akkulaufzeit (prognostiziert sind sechs Jahre), Batterie-Recycling und weiteren Punkten rund um die E-Mobilität gebe es Verbesserungsbedarf. Dalhof ist sich aber sicher: „Die Industrie wird Lösungen finden.“ Innovationssprünge seien zu erwarten.

Das müsse sie auch. Denn auf Deutschland rolle eine riesige Herausforderung zu: Laut der überarbeiteten „Clean Vehicles Directive“ muss ein Viertel der öffentlich beschafften Busse im Jahr 2025 und ein Drittel im Jahr 2030 „sauber“ sein. Was genau darunter zu verstehen ist, wird gerade bei der Umsetzung der EU-Vorgabe in nationales Recht verhandelt.

Synthetische Kraftstoffe aus Erdgas


GtL-Kraftstoffe („Gas-to-Liquids“) werden aus Erdgas hergestellt, das als Nebenprodukt der Ölförderung entsteht. Eine Nutzung des Erdgases ist wegen der hohen Transportkosten häufig unwirtschaftlich, sodass es häufig abgefackelt wird. Durch eine Umwandlung in GtL wird ein Transport ermöglicht.