Michelbach Kleinodien mit großer Stimme vorgetragen

Der Michelbacher Klavierlehrer Ralf Schneider musiziert gemeinsam mit seiner ehemaligen Schülerin Paula Sophie Bohnet, die kurz vor dem Abschluss ihres Gesangsstudiums steht.
Der Michelbacher Klavierlehrer Ralf Schneider musiziert gemeinsam mit seiner ehemaligen Schülerin Paula Sophie Bohnet, die kurz vor dem Abschluss ihres Gesangsstudiums steht. © Foto: privat
Michelbach / Monika Everling 11.07.2018
Paula Sophie Bohnet und Ralf Schneider überraschen beim Michelbacher Schlossforum mit Liedern von Aaron Copland.

„Did I sing too loud?“, fragt der Titel eines Liederabends am vergangenen Donnerstag, der in der Reihe „Michelbacher Schlossforum“ stand. Laut singen kann sie jedenfalls, die frühere Michelbacher Schülerin Paula Sophie Bohnet, die derzeit im Masterstudium Liedgesang am Mozarteum in Salzburg steht und eine Opernkarriere anstrebt. Sie kann aber auch sehr gut leise singen, sie kann hoch und tief singen. All das ist gefragt im Liederzyklus „Twelve Poems of Emily Dickinson“ von Aaron Copland, mit dem das Duo Paula Bohnet/Ralf Schneider gleich am Anfang des Programms überrascht.

Die weitgehend unbekannten Lieder sind ausgesprochen reizvoll und sie haben berührende Texte. Paula Bohnet führt ihre Sopranstimme gekonnt durch alle Lagen, sie gestaltet aufgewühlte und dramatische Passagen ebenso souverän wie ruhige und zarte. Zum Teil werden ihr große Intervallsprünge zugemutet – auch das bereitet ihr anscheinend keine Probleme. Etwas gewöhnungsbedürftig ist ihr stets präsentes schnelles Vibrato, das sie aber nicht an genauer Intonation hindert. Einmal fällt besonders auf, wie präzise sie die Tonhöhe trifft: als am Schluss des Liedes „Sleep is supposed to be“ die Klaviersaiten durch den im Raum stehenden Gesangston in Schwingung geraten und lange nachklingen. Das passiert nur, wenn die Frequenz genau übereinstimmt.

Ralf Schneider ist ihr ein kongenialer Klavierbegleiter. Die Stücke sind auch für den Pianisten sehr schwierig. Aber Ralf Schneider bewältigt nicht nur die technischen Herausforderungen, sondern er kann nebenher noch hervorragend auf die Sängerin eingehen und ihrem gekonnt freien Umgang mit dem Tempo folgen.

Im zweiten Konzertteil folgen – in dieser Reihenfolge ungewöhnlich – die sängerisch und pianistisch leichteren und weitaus bekannteren Stücke: „Der Zauberer“ und „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“ von Mozart erheitern die etwa 100 Zuhörer im voll besetzten Saal. Ralf Schneider steuert solistisch einen Satz aus einer Schumann-Klaviersonate bei, es folgen Schumann-Lieder. Für den reichen Beifall bedanken sich die Künstler mit zwei kessen Zugaben, in denen Paula Bohnet auch ihr darstellerisches Talent zur Geltung bringen kann.

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