Schwäbisch Hall Kleine Sympathieträger aus Hall

Schwäbisch Hall / MARGITTA SCHMIDT 28.11.2014
Viele Touristen erstehen Souvenirs, damit die Erinnerung an eine schöne Reise lange erhalten bleibt. Seit dem Sommer fertigt Carmen Gerstner aus Gschlachtenbretzingen kleine Siedersfiguren aus Gips.

Eine Werkstatt hat Carmen Gerstner nicht. "Brauche ich auch nicht", sagt sie. Für ihr Hobby benötige sie nur ganz wenig Platz. Der Weg führt in die Küche. Neben der Spüle liegen fünf rechteckige Formen auf einer alten Ausgabe des Haller Tagblatts. "Die sind aus Kautschuk", erklärt die 44-Jährige, die bei Recaro beschäftigt ist. Weich und elastisch liegen sie in der Hand.

Figuren werden auf Kuchengitter getrocknet

Wie bei einem Backmodel sind zarte Figuren sichtbar. Auf den zweiten Blick sind sie erkennbar, die Siederspärchen. In einer kleinen Schüssel rührt Gerstner Gips mit Wasser an. Den flüssigen Brei füllt sie in die Formen, klopft etwaige Luftlöcher raus und streicht die Masse glatt. Nach 45 Minuten löst sie die Figuren aus ihrer Form, glättet die Ränder mit einem Messer und breitet sie zur vollständigen Trocknung auf einem Kuchengitter aus. "Ich habe verschiedene Materialien ausprobiert, aber Gips ist am angenehmsten, der stinkt nicht wie beispielsweise Gießharz".

Wie eine Miniaturausgabe der chinesischen Terrakotta-Armee liegen die weißen Püppchen später säuberlich aufgereiht in einer Schachtel. Frühestens am nächsten Tag erhalten sie eine Grundierung und dann ihre typische Tracht. Detailgetreu, vom geschnürten Mieder bis zum zweifarbigen Hutband, malt Gerstner Kleider und Gesichter mit einem dünnen Pinsel auf.

"Das mache ich nur, wenn ich alleine bin, dazu brauche ich eine ruhige Hand", erzählt die Mutter der sechs und zehn Jahre alten Söhne Patrick und Philip. Im Sommer malte sie draußen im Garten: "Mit dem Blick über die Felder und fröhlichem Vogelgezwitscher im Ohr war das richtig meditativ." Mit einem Zweikomponentenkleber befestigt sie die Magneten auf der Rückseite. Dann verstaut sie je ein Pärchen, zusammen mit einer Fotoansicht der Haller Altstadt, in einer Folie und fixiert die Figuren mit einem Metallstreifen. Zum Verkauf angeboten werden die Sieder in der Touristeninformation, im HT- Shop, in ausgesuchten Haller Geschäften und im Regionalmarkt in Wolpertshausen.

Das Gießen und Bemalen hat Carmen Gerstner bereits als Kind gelernt. "Meine Mutter und meine Tante hatten ein Wachsfiguren-Kleinkunstgewerbe. Zehntausende von unterschiedlichen Engeln, Schaukelpferdchen und Teddys aus Wachs fertigte unsere Familie jährlich für den Weihnachtsmarkt von Käthe Wohlfahrt in Rothenburg. Hier wurden sie als Christbaumschmuck verkauft. Ich bekam eine Mark pro Stück und lernte schnell, wenn ich etwas tue, mangelt es nicht an Taschengeld", erinnert sie sich lächelnd und freut sich, dass ihr älterer Sohn Philip schon in ihre Fußstapfen getreten ist und handgemalte Wachssterne verkauft.

Aus bayerischer Tracht wurde Sieder-Outfit

Die Idee für die Siedersfiguren stammt von Carmen Gerstners Ehemann Uwe. Ein ganzes Jahr lang überlegten die Eheleute, woher sie die Urform bekommen könnten. Erfolglos fragten sie bei Töpfern, Schreinern und den Siedern nach, bis sie schließlich in Bayern ähnliche Püppchen entdeckten und eine Schnitzerin fanden, die aus der bayerischen Tracht das typische Outfit der Sieder gestaltete: "Das war ein echter Glücksfall." Endlich konnten die Urformen aus Kautschuk gegossen werden.

Eine berufliche Auszeit nutzte die Michelbacherin für erste Versuche. Seit Juni 2013 fertigt ihre Familie nun Magnet-Sieder. "Ich mache etwa 20 Paare wöchentlich. Das ist ein Hobby und das soll es auch bleiben. Ich denke aber, dass wir da in eine kleine Marktlücke gestoßen sind, denn Mitbringsel um die zehn Euro sind in Hall rar."

Carmen Gerstner ist stolz auf ihre kleinen, handgemachten Sympathieträger: "Sie haben eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Ich finde sie sehr nett und stehe voll dahinter."

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