Auch fertig" - diesen Satz hört man von Klaus Stolz oft, als er die Fotos aus Nepal zeigt. Zu sehen sind kaputte Häuser, kaputte Tempel, kaputte Straßen - alles Folgen der Erdbebenkatastrophe vom 25. April dieses Jahres und der zahlreichen Nachbeben, die bis heute anhalten. Stolz, 66 Jahre alt, kommt gerade aus Nepal zurück. Drei Wochen war er dort. Und was er dort gesehen hat, kann er immer noch nicht so richtig fassen. "Das sieht schon brutal aus", sagt er.

Nepal, das wird schnell klar, ist nicht mehr das Land, das Stolz seit 1973 bereist. Seine Liebe zu Nepal hat ihren Niederschlag aber auch in dem Himalaya-Shop gefunden, den er in Langenburg betreibt. Zudem vermittelt er Touren für die Firma "Royal Mountain Trekking". Und dann ist da ja noch seine Frau Padam Kumari Sherpa, 49, die er 1996 in Nepal kennenlernte. Seit vielen Jahren sammeln sie nun schon gemeinsam Geld für ein Altersheim in der Stadt Pashupatinath. Nach dem Erdbeben riefen sie noch eine Spendenaktion ins Leben, die brachte bisher 4000 Euro ein. Davon kamen 750 Euro anonym rein. Die lagen auf einmal in dem Briefkasten seines Shops. Ein Kunde aus Stuttgart gab 400 Euro, die er bei einem Straßenfest sammelte.

Für die 4000 Euro organisierte der Langenburger in Nepal nun Wellbleche, Holzbalken und Wolldecken - und einen Truck für den Transport. Es sei gerade schwierig, Material zu kriegen, berichtet Stolz. Die Preise allein für Wellblech seien um das Zehnfache gestiegen. Aus der Not wird eben auch Kapital geschlagen. Aber wo das Material verteilen? Stolz entschied sich für ein abgelegenes Bergdorf namens Borlang im sogenannten Ghorka-District. "Die Menschen waren vorher schon arm und sind jetzt noch ärmer. Sie haben viele Tiere verloren und damit ihre Existenz", betont Stolz. "Da, wo Touristen hinkommen, fließt genug Geld." Während in der Kapitale Kathmandu schon wieder Straßen gepflastert würden, hätten die Menschen in Borlang außer einem Hubschrauber nichts von der Regierung gesehen. "Man sieht nicht, dass den Leuten geholfen wird", sagt Stolz, und dann: "Die schieben einen ganz schönen Hass auf die Regierung."

Als Stolz in Borlang eintrifft, singt eine Schulklasse zur Begrüßung ein Lied. Viele hätten ihm die Hände geküsst, sagt Stolz. "Die Dankbarkeit kommt von Herzen, die Leute waren so happy. Mir standen die Tränen in den Augen." Stolz verteilt nicht nur, er packt auch selbst mit an. Zusammen bauen sie einen Unterstand, unten für Büffel und Ziegen, oben für Reis. Beim Anblick der zerstörten Schule denkt sich Stolz: "Da müssen wir noch was machen."

Als Dank für seine bisherige Hilfe schenkten ihm die Menschen eine Tüte voller Mangos. Zudem erreichte ihn kürzlich ein Dankesschreiben des Dorfes. Im Oktober geht es für Klaus Stolz erneut nach Nepal, das steht schon jetzt fest. Nicht nur wegen der Mangos. Er ist, wenn man so will, noch lange nicht fertig.

Auch in Weckelweiler wird gesammelt

Hilfe Bei den Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler arbeiten sieben Nepalesen. Einen internen Spendenaufruf in deren Hausmitteilungen brachte bisher rund stolze 7000 Euro ein. 1000 Euro davon gingen an den Verein "Nepal-Hilfe direkt". 4500 Euro hat Yang Sung Sherpa, eine Angestellte, vor Kurzem mit in den Heimaturlaub nach Nepal genommen, wobei von Urlaub sicherlich nicht die Rede sein kann. Mit dem Geld soll ein junger Politiker namens Gagan Thapa unterstützt werden, der ein Projekt zum Wiederaufbau von Schulen initiiert hat. Was Bernhard Baumann-Ickes, der sich in Weckelweiler ums Personal kümmert, bemerkenswert findet, ist, dass "seine" Nepalesen Hilfe ablehnen - mit der Begründung:"Da gibt es Menschen, denen es wesentlich schlechter geht." Das Restgeld soll nun Kindern zugutekommen, die bei der Erdbebenkatastrophe ihre Eltern verloren haben, so sagt es Khimananda Bhandari, der bei den Sozialtherapeutischen Gemeinschaften als Koch arbeitet.

JS