Gemeinderat Ilshofen Klares Votum gegen eine Freileitung

Das Vorkommen seltener Vögel wie der Storch müssen beim Planen für Hochspannungsleitungen und auch Windkraftgebiete aus Gründen des Naturschutzes berücksichtigt werden.
Das Vorkommen seltener Vögel wie der Storch müssen beim Planen für Hochspannungsleitungen und auch Windkraftgebiete aus Gründen des Naturschutzes berücksichtigt werden. © Foto: Archiv
Ilshofen / Ute Bartels 11.08.2018
Der Gemeinderat in Ilshofen ist einmütig gegen eine Freileitung. Er befürwortet ein Erdkabel und einen solidarischen Hohenloher Raum. Von Ute Schäfer

Der Schwarzstorch ist ein verschwiegener Geselle. Nicht so wie sein weißer Kollege, der sich mitten in den Ort setzt mit lautem Klappern auf sich aufmerksam macht.

Wo die scheuen Schwarzstörche ihren Horst bauen ­– gerne tief im Wald – weiß man also nicht so genau. Und selbst wenn man es weiß, sagt man es nicht, weil Schwarzstörche scheu sind und streng geschützt.

Mit anderen Worten: Ein Schwarzstorch ist der Gau für jeden, der im Wald etwas bauen will. Das gilt auch für die Netze BW, die derzeit Trassenvarianten für eine Hochspannungsleitung plant, die Kupferzell und Rot am See verbinden soll.

Erst beim „Vorgeplänkel“

Zwei der Varianten der Freileitungstrasse verlaufen durch das Gemeindegebiet von Ilshofen. Im Vorgriff auf ein Raumordnungsverfahren wurde die Stadt um eine Stellungnahme gebeten. Die lag nun auf dem Tisch der Gemeinderäte.

„Aber wir befinden uns erst im nicht-förmlichen Verfahren“, sagte Bürgermeister Martin Blessing. „Das ist jetzt sozusagen nur ein Vorgeplänkel.“ Dennoch stellte er die Pläne vor – und die Schwierigkeiten, die es bei den Trassen gibt.

Die eine davon verläuft über Brettach- und Jagsttal und das sei, so Blessing, ein sensibles Gebiet. Nicht zuletzt, weil der Schwarzstorch dort vorkommen könnte. Außerdem sei das Kulturgut Stauferruine Burg Leofels tangiert.

Die zweite Trasse verläuft südlich von Ruppertshofen in Richtung Kirchberg. Und damit durch ein Gebiet, das voller Windräder steht und das von einer bereits bestehenden Hochspannungsleitung durchquert wird. Dies würde zu Beeinträchtigungen führen, was die zukünftige Entwicklung des Orts angehe, meinte Blessing. Außerdem könne in Ruppertshofen jetzt schon eine „räumlichen Überlastung“ festgestellt werden, sagte Gemeinderat Oliver Paul aus Ruppertshofen. „Bei uns in der Gegend gibt es mittlerweile 18 Windräder.“

Diese Nachteile hätten die ebenfalls angedachten Erdleitungen alle nicht. Deshalb beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Netze BW aufzufordern, die Erdkabelvarianten genau zu prüfen und dann zu realisieren.

Auch der Bau einer Erdkabeltrasse greife in einen Wald ein, gab Blessing, ehemals Förster, zu. „Allerdings entstehen dabei Waldinnenränder, das sind gute Biotope.“

Dass Ilshofen alleine dem Projekt Erdkabel genügend Dringlichkeit geben könnte, bezweifelten Bürgermeister und Gemeinderäte allerdings. „Das Erdkabel ist teurer. Es wird nur über politischen Druck gehen“, sagte etwa Gemeinderat Klaus-Dieter Ziegler.

Blessing sei bereits im Kontakt mit den anderen Bürgermeistern, teilte er mit. Unter Umständen gebe es eine gemeinsame Versammlung im September. Blessing: „Wir müssen Gemeinsamkeit für das vernünftigste Konzept demonstrieren und das kann nur das Erdkabel sein.“

Und selbst wenn Netze BW eigentlich eine Trasse befürworte, die gar nicht über das Ilshofener Gebiet führe, „sollten wir trotzdem solidarisch sein“, sagte Gemeinderat Klaus Fischer. „Wenn es eine gemeinsame Versammlung gibt, sollten wir da hin und die Geschlossenheit des Hohenloher Raums demonstrieren.“

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