Matinee Sommerkonzert: Musikschüler zeigen ihr bestes

Steffen Pfundmaier leitet die „Streichhölzchen“, das Streichorchester der jüngsten Musikschüler.
Steffen Pfundmaier leitet die „Streichhölzchen“, das Streichorchester der jüngsten Musikschüler. © Foto: Achim Köpf
Schwäbisch Hall / Rainer Ellinger 18.07.2018
Drei Musikschul-Orchester in verschiedenen Altersstufen zeigen am Sonntagvormittag beachtliche Leistungen. Die Kulturscheune der Haller Waldorfschule ist mit etwa 350 Zuhörern gut besucht.

Fast 30 „Streichhölzchen“ nehmen zu Beginn des Musikschul-Sommerkonzerts auf der Bühne der Haller Waldorfschule Platz. Es sind dies die jüngsten Musikschüler in den Streicherklassen, also das Unterstufenorchester. Unter der Leitung von Steffen Pfundmaier beginnen sie mit einer Variante des altenglischen Volksliedes „Greensleeves“ im Satz von Robert Smith. Die baritonale Melodie wird von den Violinen im Diskant umspielt. Eine sehr gute Leistung, vor allem hinsichtlich des Zusammenspiels, ist ein Kanon „Come, follow me“ von John Hilton.

Sehr melodiös gestaltet ist das von einer gewissen Sehnsucht getragene Hauptthema der Filmmusik zu „Forrest Gump“ von Alan Silvestri. Den ostinaten Begleitsatz orchestrierte John Higgins. Im Arrangement des Dirigenten Steffen Pfundmaier folgt „I got rhythm“ nach George Gershwin. Hier treten noch Klavier, Kontrabass und Schlagzeug hinzu; sehr sicher und klanglich einfühlend gespielt.

Kraftvolles Unisono

Unter der Leitung von Jochen Narciß-Sing kommt die Mittelstufe, also die „Kleinen Haller Sinfoniker“ zum Zuge. Kraftvolles Unisono aller Streicher leitet die Sinfonia Nr. 1 von Antonio Vivaldi ein. Sequenzenreich geht es weiter und es erklingt ein terrassendynamisch gut durchgestalteter Satz „Allegro non troppo“.

Gemeinsam im Tempo erklingt die elegische Melodie „Games for Strings“ von Joachim Johow. Lebhafter, tänzerischer und reich an Echowirkungen ist Béla Bartóks „Poco Allegretto“ aus „Zehn leichte Stücke“. Harmonisch „molliger“, aber noch lebhafter und von Stimmungswechseln getragen ist das „Allegretto“ aus derselben Sammlung. Ein emotional aufgeladenes Unisono der Geigen und dynamische Steigerungen, durch Generalpausen unterbrochen, sind beim „Czardas“ von Andrea Holzer-Rhomberg zu hören, dessen Anforderungen an das rhythmische Zusammenspiel gut gemeistert werden.

Das große Orchester, die „Junge Philharmonie Schwäbisch Hall“, das alle Altersstufen umfasst, auch einige Instrumentallehrer, ist ein veritables großes Sinfonieorchester. Zu den 24 Streichern treten noch fast 20 Bläser, Harfe und Pauke hinzu.

Um der Leistung dieses Klangkörpers unter dem Dirigat von Musikschulleiter Florian Schellhaas gerecht zu werden, muss man schon zu professionellen Maßstäben greifen. Kleine Ungenauigkeiten muss man suchen und wird kaum fündig; gerade mal bei exponierten Piano-Unisoni in großer Tonhöhe. Die Atmosphäre der insgesamt eher grüblerischen, dunklen bis dramatischen Werke ist emotional höchst expressiv. Auch Petrus muss dies vernommen haben, denn er ließ draußen den Donner grollen.

Die düsteren Tremoli der Violoncelli und die sehnsüchtige Intensität des Themas von Franz Schuberts „Unvollendeter“ stehen im genau richtigen dynamischen Verhältnis. Der zweite Satz „Andante con moto“ ist zwar etwas freundlicher, heiterer, aber auch nicht ohne schwermütigen Hintergrund.

Bei Niels Wilhelm Gades (1817-1890) Ouvertüre op. 1 „Nachklänge von Ossian“ ist die Einfühlung des Orchesters in eine romantische Klangwelt nicht weniger ausdrucksstark. Das umfangreiche Werk ist eine sinfonische Dichtung, szenenhaft angelegt, und hat eine große emotionale Spannweite. Da ist die Inbrunst, mit der die drei Posaunisten mit großem Klang das Hauptthema heroisch verkünden; da sind aber auch weiche pastorale Klangbilder, gefühlstief vorgetragen. Aus einer geheimnisvollen Anfangsstimmung erwächst ein turbulentes Geschehen in spätromantischer Klanglichkeit, die in ihrer skandinavischen Eigenart sehr an Edvard Griegs Musik erinnert.

Mit Jacques Offenbachs beliebtem „Can Can“ bedankt sich das Orchester für den begeisterten Beifall der etwa 350 Zuhörer.

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