Eines vorab: Nur drei der vier Gesprächskreise – so werden die Gruppierungen innerhalb der Landessynode genannt – schicken im Wahlbezirk Gaildorf/Hall/Künzelsau Kandidaten für die Synodalwahl ins Rennen. Die derzeit kleinste Gruppierung, die „Kirche für morgen“, fehlt.

Und so saßen am Donnerstagabend die Kandidaten der drei verbleibenden Gesprächskreise im Gemeindesaal Eckartshausen und führten den 35 Zuhörern gleich mal vor, wie es in der vergangenen Synode so abging bei einem Thema, das zwar beileibe nicht das wichtigste ist, aber doch das am emotionalsten diskutierte. Der Umgang mit Homosexualität. Denn es gibt Stimmen in der Landeskirche – und das sind nicht wenige – die den Standpunkt vertreten, den ein Zuhörer aus dem Publikum formulierte: „Ehe gibt es nur zwischen Mann und Frau. Alles andere hat in der Kirche nichts verloren.“

Freilich: Bei der Offenen Kirche saß mit Falk Sulek der Leiter des evangelischen Kindergartens in Hessenau, der mit einem Mann verheiratet ist. Und neben ihm ein Pfarrer, Holger Stähle aus Steinbach-Tullau, der damit kein Problem hat. Auf der anderen Seite, bei der Lebendigen Gemeinde, saßen die Landessynodalin Andrea Bleher aus Untermünkheim und Pfarrer Matthias Bilger aus Rosengarten, die Schwule und Lesben zwar „willkommen heißen“, sie aber keinesfalls kirchlich trauen würden.

Zwischen ihnen saßen die Kandidaten des Gesprächskreises Kirche und Evangelium – Politikerin Annette Sawade aus Wackershofen und Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz aus Schwäbisch Hall. Sie taten das, was die Synodalen dieses Gesprächskreises immer tun: Sie vermittelten. Sie versuchten, Kompromisse zu finden und die Wogen zu glätten.

Denn immerhin hatte sich die Synode in der vergangenen Saison auf einen Kompromiss einigen können: Gleichgeschlechtliche Paare werden nicht getraut. Aber anlässlich einer standesamtlichen Trauung immerhin gesegnet. Wobei ein Pfarrer das auch ablehnen kann, wenn er sich dazu nicht in der Lage sieht.

Unterschiede zwischen den Gesprächskreisen

Auch sonst traten die Unterschiede der Gesprächskreise und damit ihrer Protagonisten zutage: Den Kandidaten der Offenen Kirche ist die Verantwortung der Christen für die Mitmenschen, aber auch für die Gesellschaft und die Schöpfung wichtig. Sie engagieren sich für eine Kirche, die alle wahr und ernst nimmt und willkommen heißt. Die Kandidaten der Lebendigen Gemeinde legen den Fokus auf die Nachfolge Jesu und auf ihn als Zentrum der Gemeinde. Sie vertreten eine missionarische Kirche.

Die Kandidaten von Kirche und Evangelium betonen ihrerseits die Vielfalt, die die Kirche stark macht. Für sie ist Kirche ein Ort für alle Generationen und alle Frömmigkeiten.

Auch der Pfarrplan war Thema sowohl in der Synode als auch im Gespräch in Eckartshausen. Dabei herrschte zu diesem Thema grundsätzlich Einigkeit: Die Landeskirche muss Pfarrstellen streichen, weil sie einen großen Theologenmangel auf sich zukommen sieht. Doch die Lebendige Gemeinde will die Kürzungen abmildern und Menschen für den Pfarrberuf zulassen, die keine klassische theologische Ausbildung haben.

Dem widersprachen die Kandidaten von Evangelium und Kirche vehement, für die eine theologisch fundierte Ausbildung wichtig ist. „Eine existenzielle Frage“, sagte auch der Moderator des Abends, Dekan im Ruhestand Reinhard Tröster, der die Kandidaten am Schluss fragte, wofür sie sich engagieren wollten. „Ich setze mich für eine Kirche des weltoffenen Dialogs ein, in der die Liebe Gottes für alle zu spüren ist“, sagte Falk Sulek.

Pfarrer Holger Stähle will sich für eine Kirche engagieren, „die lebt, was sie sonntags predigt“, und die mit guten Angeboten um die jüngere Generation kämpft.

Annette Sawade will die Kirche „mitmachwert“ machen, Strukturen hinterfragen und ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen.

Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz möchte, dass urchristliches Handeln gefördert wird, dass Menschen vom Evangelium berührt werden und dass theologisch fundierte und musikalisch ansprechende Gottesdienste gefeiert werden.

Andrea Bleher will sich für eine missionarische Kirche einsetzen, die ein „klares evangelisches Profil“ auf der Grundlage von Jesus zeigt. Pfarrer Matthias Bilger indes steht für „klare Verkündigung“, die zum Glauben an Jesus einladen will und zeigen möchte, „warum es wichtig ist, dass wir nachfolgen“.

Info Die Kandidaten präsentieren sich am morgigen Donnerstag erneut: Die Veranstaltung im Haller Brenzhaus beginnt um 20 Uhr.

Stimmabgabe in der Kirche


Wahlberechtigte im Wahlbezirk Künzelsau­­­­­­Hall-Gaildorf haben für die Landessynode drei Stimmen – zwei Stimmen für die Nicht-Theologen (Laien) und eine für die Theologen. Die Synode hat 90 Mitglieder, die sich aus 60 Laien und 30 Theologen zusammensetzen. Am kommenden Sonntag,
1. Advent, können in den einzelnen Kirchengemeinden auch die Kirchengemeinderäte gewählt werden. Wer sich für die Wahlen, für die Vorstellungen der Kandidaten und für weitere Details interessiert, findet diese auf: www.kirchenwahl.de