Die Flammen lodern im Dachstuhl, verbrennen dort das trockene Holz. Das historische Haus wird vernichtet. Während die Scheune des Heimbacher Hofs am 11. Mai 2018 ganz niederbrennt, stehen von der großen Kirche in Paris noch die Steinmauern. Was lernt man nun daraus?

Das Problem: „Man kann es nie zu 100 Prozent ausschließen. So was kann bei uns auch passieren“, sagt Kirchenpfleger Martin Egner. „Es gibt keine Brandmeldeanlagen in den Haller Kirchen“, berichtet er. Auch Sprinkleranlagen, wie zum Beispiel im Aachener Dom, sucht man in Hall vergeblich. „Der Aufwand dafür wäre einfach zu groß.“ Kirchen unterliegen nicht der vor wenigen Jahren deutlich verschärften Versammlungsstättenverordnung. Daher sei bei den Rundgängen mit Feuerwehrleuten und Versicherungsvertretern nie etwas bemängelt worden.

Man könnte mehr tun. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zitiert den Brandschutzingenieur Sylwester Kabat: Die „absolut erste Maßnahme“ sollte der Einbau von Brandschutztüren zwischen Turm, Kircheninnerem und Dachboden sein.

In St. Michael gebe es immerhin ausgeschilderte Fluchtwege, der Mesner mache Kontrollgänge, Kerzen erhielten eine Unterlage, Feuerlöscher seien vorhanden und bei Sanierungen würde auf die Sicherheit geachtet, betont Egner.

Der Schwäbisch Haller Neubau hingegen verfügt über eine Brandmeldeanlage, da er als profaner Bau der Versammlungsstättenverordnung unterliegt. Das trifft ebenso auf Teile der Comburg im Bereich der Verwaltung und des Restaurants zu. Zusätzlich wird an der Comburg ein Löschwasserbehälter mit 150 000 Liter vorgehalten. Das teilt Stadtbrandmeister Peter Schneider auf Nachfrage mit. „Die Feuerwehr ist natürlich mit den Gegebenheiten in den historischen Kirchen in der Stadt vertraut. Konkrete Notfallpläne für den Brandfall existieren nicht.“

In Paris sicherte die Feuerwehr Reliquien und Kunstschätze, bevor Löschwasser eingesetzt wurde. Kirchenpfleger Egner will daher beim nächsten Zusammentreffen mit den Denkmalschützern über ein Vorgehen im Brandfall in Bezug auf die Kunstschätze sprechen. Am Kocher wie an der Seine könnte das Feuer auf nahestehende Gebäude übergreifen. Ein Brand in der Innenstadt hat im Jahr 1728 Hall fast komplett vernichtet. Das ist heute noch eine Gefahr. Falls es im Stadtkern brennt, werden beide Wachen im Osten wie im Westen alarmiert.

Hall ist aber nicht Paris: Die größte Drehleiter hat eine Einsatzhöhe von 23 Metern. Je nach abgegebener Wassermenge kommt noch eine Wurfweite von 15 bis 25 Metern dazu, rechnet Schneider vor. Der Dachstuhl von St. Michael wäre damit weitestgehend für Löscharbeiten von außen erreichbar.

Die Kirche St. Michael sieht zwar auf den ersten Blick so aus, als bestünde sie nur aus Stein und Ziegeln. Doch der Schein trügt. „Im Dachstuhl sind Tausende Kubikmeter Holz verbaut“, sagt Architekt Georg Schuch, der in Hall Kirchen saniert. Besonders viel Holz befindet sich über dem Chor, also dem erhöhten östlichen Teil der Kirche. Schuch: „Rauchen ist verboten und der Dachstuhl wohlweislich nicht offen zugänglich.“ Die obersten Stockwerke des Turms sind nur wenige Jahrzehnte jung und bestehen aus Beton. „Mit ziemlicher Sicherheit würde bei einem Feuer der Turm stehen bleiben“, sagt Schuch. Unten bestehe er aber aus Sandstein. Und dieser Baustoff gebe bei großer Hitzeeinwirkung nach. Immerhin gebe es keinen Holzofen mehr in St. Michael.

Hall verfügt über noch einen Trumpf: eine Steigleitung an der Außenseite des Treppentürmchens. Diese leitet Wasser von unten nach oben und kann zum Löschen verwendet werden – vo­rausgesetzt, dass der Turm noch betretbar ist.

Ein Wiederaufbau nach einem potenziellen Brand sei schwierig. Denn ähnlich wie in Frankreich fehlt es an extrem langen und dicken Hölzern. „Der Holzeinschlag erfolgt heute früher als im Mittelalter.“ Daher musste Schuch bereits bei der Sanierung der Urbanskirche zu einem Trick greifen: Statt Eichenholz wurde Weißtanne verwendet.

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