Obersteinach Kirche ohne Glockenklang

Die Bauarbeiter haben einen Teil des Obersteinacher Kirchturmdachs abgedeckt. Vorerst wird nur der Turm saniert. Durch die ausbleibenden Fördermittel muss die Instandsetzung des Kirchenschiffs vertagt werden.
Die Bauarbeiter haben einen Teil des Obersteinacher Kirchturmdachs abgedeckt. Vorerst wird nur der Turm saniert. Durch die ausbleibenden Fördermittel muss die Instandsetzung des Kirchenschiffs vertagt werden. © Foto: Ute Schäfer
Obersteinach / UTE SCHÄFER 06.10.2015
Noch wird im Kirchturm in Obersteinach die Stunde angeschlagen. Doch bald wird's still im Dorf. Dann ziehen die Glocken um. Der Glockenstuhl wird saniert - und der Turm gleich mit.

Für die Obersteinacher schier unfassbar: Das Denkmalamt beteiligt sich nicht an den Kosten der Sanierung ihrer Kirche, der endgültige Bescheid ist unlängst eingegangen. Die Kirche stehe zwar unter Denkmalschutz, erläutert Pfarrerin Susanne Meyer. Sie befinde sich aber nicht auf der Liste der erhaltenswerten Denkmäler. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. "Warum gerade wir nicht auf der Liste sind, weiß keiner", sagt Pfarrerin Susanne Meyer. Kirchen stünden meist automatisch drauf. Und gerade die Obersteinacher Kirche sei alt, habe einen romanischen Kern, was die rundbogigen Fenster im Turm beweisen. Außerdem sei das Ensemble mit Pfarrhaus, Pfarrscheuer und Wächterhaus ein gutes Beispiel für dörflichen Barock. Nicht zuletzt präge die Kirche das Dorf. Auf einem kleinen Hügel sitzt sie wie eine Glucke über ihren alten Bauernhäusern. Dafür wird sie geliebt. "Für die Obersteinacher ist ihre Kirche der Inbegriff von Heimat", sagt Pfarrerin Meyer, "auch wenn sie nicht immer in den Gottesdienst kommen. Aber die Kirche ist doch der Ort, am dem sie getauft, getraut und beerdigt werden."

Jetzt muss das Gebäude saniert werden. Zuerst allerdings nur der Kirchturm. "Für das Langhaus reicht das Geld erst einmal nicht", sagt Pfarrerin Meyer. Leider, denn marode ist das auch (das HT berichtete). Vor allem das Gebälk, und zwar genau dort, wo der Stuhl auf der Pfette aufsitzt - diese Fachbegriffe gehen Pfarrerin Meyer und ihrer Kirchenpflegerin Ute Dierolf mittlerweile locker über die Lippen. Die beiden Frauen beobachten auch die Risse über den Fenstern mit Sorge. Sie vermuten, dass das morsche Gestühl keinen Halt mehr hat und auf die Mauern drückt.

Seit einer Woche steht das Gerüst am Kirchturm. In schwindelnder Höhe sind die Zimmerleute zu finden. Pause machen sie unten in der Sakristei. Sie haben in den letzten Tagen einen Teil des Turmdachs abgedeckt. Und siehe da: "Die Schäden an den Balken sind massiv", sagt Pfarrerin Meyer. Dabei ist das noch nicht einmal das vordringliche Problem der Obersteinacher Kirche, erläutert Kirchenpflegerin Dierolf. Denn das ist der Glockenstuhl. Dessen Holz ist so marode, dass es wohl nicht mehr lange hält. Bereits jetzt dürfen die großen Glocken nicht mehr läuten. Nur für die Uhrzeit werden die Glocken leicht angeschlagen.

Die Sanierung beginnt deshalb am Glockenstuhl. Und dafür müssen die Glocken weichen. In den nächsten Tagen ziehen sie um - ein schwieriges Unterfangen. Im Turm steht gerade Zimmerer Galogero Di Franco und bereitet alles dafür vor. Er verstärkt den Boden dort, wohin die Glocken herabgesenkt und gelagert werden. Pfarrerin Meyer: "Dann haben wir eine Kirche ohne Glockenklang. Ein komisches Gefühl."

Hoffen auf Unterstützung

Auch wenn das Landesdenkmalamt nicht fördert: Allein steht die Obersteinacher Kirchengemeinde mit der Sanierung ihrer Kirche nicht da. Die Gesamtkosten für Turm und Langhaus betragen knapp 500 000 Euro, die Kirchengemeinde rechnet mit Unterstützung aus dem Ausgleichstock, vom Kirchenbezirk und nicht zuletzt von der bürgerlichen Gemeinde.

Wenn alles wie geplant läuft, bleiben dennoch für die Obersteinacher 200 000 Euro übrig. Ein ziemlicher Batzen, wenn man bedenkt, dass die Kirchengemeinde nur 500 Mitglieder hat, aber drei alte Dorfkirchen (Obersteinach, Haßfelden und Altenberg) unterhalten muss - dazu ein Gemeindehaus, ein Pfarrhaus und zwei Friedhöfe. uts

SWP

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