Schwäbisch Hall Lotto: Glückspieler unterstützen Kirchen-Sanierung

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 14.02.2019
Zimmerleute verstärken den Dachstuhl. Die Katholiken weichen in die evangelische Kirche aus.

Ein Riss geht durch die Kirche. Architekt Werner Schuch deutet mit einem Meterstab darauf. „Die regelmäßige Bauschau ergab: Eine umfangreiche Sanierung wird nötig“, berichtet Pastoralreferent Wolfram Rösch. Die Gemeinde feierte den letzten Gottesdienst in der Kirche in Steinbach unten am Kocher. Arbeiter hausen die Orgel ein, tragen Bänke und Statuen heraus. Die katholischen Christen feiern bis Oktober den Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Steinbach und in Michelbach.

Lotto Baden-Württemberg gibt 89.000 Euro

Vorgestern wurde das finanzielle Füllhorn über der Kirche ausgeschüttet. „Wer Lotto spielt, gewinnt, oder er wird Mäzen“, bringt es Christoph Grüber von Lotto Baden-Württemberg auf den Punkt. 28 Millionen Euro aus dem 132 Millionen Euro starken Wettmittelfonds und der Glücksspirale werden in die Denkmalpflege gesteckt. Ein Teil der Einnahmen aus dem Lotto-Fonds wandert nach Steinbach: Es sind 89.000 Euro.

„Das Geld ist für die Zimmererarbeiten bestimmt“, berichtet Gisela Lasartzyk, Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ein wissenschaftlicher Beirat würde die 320 Projekte auswählen, die unterstützt werden. „Die Kirche ist ein sehr, sehr wichtiges Gotteshaus“, sagt sie. Entscheidend für den Förderbescheid: „Nur genutzte Denkmale haben eine Chance, auf Dauer zu überleben.“

Wie die Kirche genutzt wird, erläutert Evelyn Schickner vom Kirchengemeinderat: „Mit 1500 Katholiken sind wir die kleinste Gemeinde in der Gesamtkirchengemeinde.“ Rund ein Drittel der Mitglieder stammt aus Steinbach, der weit größere Teil aus Michelbach/Bilz, wo es keine katholische Kirche gibt.

„Die Kirche wurde ums Jahr 1000 auf einem Vorgängerbauwerk errichtet“, erläutert Architekt Werner Schuch. Zwei Jahre lang wurde das Bauwerk nun untersucht. Es weist ein buntes Gemisch aus Baustilen auf. Ursprünglich handelt es sich um einen romanischen Bau mit runden Fensterbögen und einer halbrunden Apsis.

1717 wird die Kirche barockisiert. Dieser Baustil ist von vielen Ornamenten geprägt. Die Kirche erhielt große Fenster. Doch damit nicht genug. Das Kirchlein machte eine neogotische Phase durch. Sie wurde also künstlich auf Mittelalter getrimmt. In den 1930ern erhielt sie zur Stabilität Stahlträger. 1934 kam eine absolute Kuriosität hinzu: Hinter den Alter wurden die Apostel an die Wand gemalt. Allerdings als germanisierte Verkünder des Christentums mit deutschen Namen wie Franz und Konrad. 1965 wurden die großen Fenster wieder verkleinert. Eine Treppe, die überhaupt nicht zum Stil der restlichen Kirche gehört, führt zur Empore hoch.

Schwerer Schutt drückt Kirche auseinander

„Das Denkmalamt hat entschieden, dass der jetzige Zustand erhalten bleiben soll“, sagt Schuch. Was wird nun getan? Da die Last des Daches die Seitenwände um bis zu 25 Zentimeter nach außen gedrückt hat, wird es erneuert. Zimmerleute ziehen einige Balken ein. Sie sollen die bestehende Holzkonstruktion entlasten. Steinschutt, der aus vorherigen Bauphasen auf dem Dachboden lagert, wird herausgeholt. Das sei immerhin eine Tonne Schutt pro Quadratmeter an jeder Seite des Daches. Risse würden verpresst, Fugen erneuert. Wenn alles klappt, dauert das bis Oktober.

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