Betreuung Kindertagesstätten: Neues Gebührenmodell geplant

Amos Renke (4) spielt mit seiner kleinen Schwester Jemima (2) im städtischen Kindergarten Badtorweg eine Kinder-Variation von Tischfußball.
Amos Renke (4) spielt mit seiner kleinen Schwester Jemima (2) im städtischen Kindergarten Badtorweg eine Kinder-Variation von Tischfußball. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / THUMILAN SELVAKUMARAN 25.11.2014
Die Elternbeiträge für Kindertageseinrichtungen sollen zum neuen Kindergartenjahr angepasst werden. Damit versprechen sich kommunale, freie und kirchliche Träger in Hall ein einfacheres Gebührenmodell.

Klack: Die kleine Kugel flutscht an dem Holzschläger vorbei und prallt gegen die Seitenstange. Amos grinst. Der Vierjährige kennt das Spiel gut, ist gegen seine kleine Schwester Jemima (2) in der Kinderversion vom Tischfußball haushoch überlegen. Klar, Amos kann im Kinderhaus Badtorweg fast täglich üben, auch andere Dinge entdecken und mit Kindern spielen. Die Zweijährige Jemima ist im Kinderhaus nur zu Besuch. Erst mit drei Jahren soll sie dort betreut werden, sagt Mutter Katrin Renke (34).

Die Betreuungsgebühr richtet sich in der Einrichtung nach der Anzahl der Kinder in der Familie - und danach, wie viele gleichzeitig den Kindergarten besuchen. Keine einfache Rechnung bei Familie Renke, die fünf Kinder hat. "Wir zahlen den Beitrag ab vier Kindern", erklärt Katrin Renke. Drei von ihnen sind bereits eingeschult. Das vierte Kind besucht den Badtorweg, das fünfte folgt bald. "Für Amos zahlen wir 40 Euro im Monat, für Jemima werden es 25,50 Euro sein." In anderen Einrichtungen gibt es Modelle, bei denen es keine Rolle spielt, ob die Kinder zeitgleich die Einrichtung besuchen.

Martin Bauch schlägt vor: Gebühr je Betreuungsstunde

"Wir sind erst vor kurzem hierher gezogen, weil mein Mann hier eine Stelle als Arzt im Diak hat", sagt Katrin Renke. Die Beiträge der Stadt seien im Vergleich zu Sinsheim günstig. Es bedarf aber Zeit, sich in die komplexe Gebührenstruktur einzuarbeiten. Das liege, so die Stadtverwaltung, an den stetig erweiterten Angeboten und Betreuungszeiten. "Dadurch entstanden im Laufe der Zeit über 30 verschiedene Elternbeitragsentegelte", schreibt die Verwaltung.

Das soll sich zum neuen Kindergartenjahr im September 2015 ändern. Die Stadt hat die Kommunalentwicklung Baden-Württemberg (KE) beauftragt, die Beitragsstrukturen zu vereinfachen. "Die Grundsatzentscheidung dazu haben wir ja schon im Gemeinderat beschlossen. Jetzt geht es um die Feinheiten und Prinzipien", erklärt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim.

Projektleiter der KE ist Martin Bauch, der derzeit mit Vertretern von allen Trägern das neue Modell ausarbeiten möchte. "Er ist ein erfahrener Kindergartengebühren-Entwickler", sagt Bettina Wilhelm, Erste Bürgermeisterin. Hilfe von Außen sei für die Stadt bei der großen Komplexität dringend nötig. Die Gebühren seien vielfältig und nicht miteinander vereinbar. "Wir brauchen hier Gerechtigkeit. Außerdem wünschen sich die Eltern mehr Flexibilität." Wilhelm verspricht ein transparentes Verfahren - alle Träger sollen eingebunden sein.

Bauch hat seine Arbeit kürzlich in einer Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Gemeinderats vorgestellt. Ausgangspunkt für das künftige Modell biete die neue Kindertagesstättenverordnung. "Sie legt den Personalschlüssel anhand von Parametern fest. So kann man auf die Kosten je Platz kommen." Zu den Parametern gehörten etwa Öffnungszeiten, Schließtage, Leitungsanteil, zusätzliche freiwillige Leistungen, Vertretungsregelungen und Verpflegung.

Ergebnisse sollen Anfang 2015 vorgestellt werden

Hall habe ein vielfältiges Angebot und eine "sehr große Ausdifferenzierung bei Ganztagesangeboten", so Bauch weiter. Sein Vorschlag: Die Berechnung der Gebühren nach einem Stundensatz. Das Modell der KE sei in vielen Kommunen bereits im Einsatz, etwa in Konstanz. Dort kostet ab 120 Betreuungsstunden im Monat jede Stunde 1,63 Euro. Für Eltern schaffe das Flexibilität. "Bei Änderung der Betreuungszeit muss nicht ein neuer Betrag ausgehandelt werden."

Nun werden in Projektgruppen Modelle erarbeitet. Die Ergebnisse sollen Anfang 2015 vorgestellt werden. Eine Gebührenanpassung ist wahrscheinlich. "Wenn das System umgestellt wird, dann profitieren welche davon. Andere werden vermutlich schlechter gestellt", so Bettina Wilhelm.

So viel kostet die Betreuung in Schwäbisch Hall

Gesamtkosten Die Betreuung in Kindertagesstätten in Hall kostet jährlich rund 11,6 Millionen Euro, davon tragen 4 Millionen Kirche und freie Träger, 7,6 Millionen die Stadt Hall. Die Elternbeiträge machen je nach Träger 14 bis 18 Prozent aus. Die Stadt bezuschusste den Bereich 2013 mit 6,5 Millionen Euro.

Kinder 853 Kinder besuchen mit Stand Oktober Kindergärten in Hall. Die Stadtverwaltung beschäftigt in ihren Einrichtungen dafür 162 Voll- und Teilzeitkräfte.

Modellrechnung Das Land sieht für einen Regelkindergartenplatz jährliche Kosten in Höhe von 4200 Euro vor. Ein Ganztages-Krippenplatz für unter Dreijährige kostet rund 18000 Euro im Jahr. Die tatsächlichen Kosten lägen häufig höher, teilt die Kommunalentwicklung (KE) mit.

Planungskosten Für die Erstellung des neuen Gebührenmodells zahlt die Stadtverwaltung 15000 Euro an die KE.

SWP