„Durch die neuen Baugebiete kommt es zur be­achtlichen Bevöl­ke­rungs­entwicklung. Vor allem junge Familien ziehen her“, erklärt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Deshalb muss die Stadt Hall ihre Betreuungskapazitäten erweitern, um alle Kinder aufnehmen zu können.

Die Schwierigkeit liegt allerdings in der Anwerbung der Fachkräfte. Hall bildet pro Jahr 10 bis 15 Erzieher aus, die Hälfte davon geht danach studieren. Obwohl sich die Zahl der Erzieher in den letzten 20 Jahren im Landkreis verdoppelt hat, reichen die Bemühungen der Stadt nicht aus, um die Kapazitäten zu decken. Etwa 200 Fachkräfte kümmern sich im Auftrag der Stadt um die Kinder. Zehn Stellen sind unbesetzt. Der Hauptfaktor liege laut Pelgrim auf Seiten der Eltern. „Die Anzahl der in Anspruch genommenen Betreuungszeiten wächst beachtlich“, sagt er. Etwa 50 Prozent der Kinder unter drei Jahren seien in Kindertagesstätten untergebracht. Zusätzlich würden Öffnungszeiten verlängert, der Personalbedarf wächst.

Berufserfahrung ist bei der Erzieher-Auswahl zweitrangig

Die Stadtverwaltung schließt sich daher dem Kolping-Bildungswerk an, um gemeinsam Fachkräfte aus Málaga in Spanien zu gewinnen. Durch sie soll der Mangel in Hall behoben werden. Das Vorbild ist Stuttgart: Für die Landeshauptstadt schaffte Kolping vor drei Jahren ebenfalls pädagogische Mitarbeiter heran.

Auch Hall ist auf dem Weg dorthin. „Es haben sich bereits Fachkräfte aus Málaga beworben“, verrät Christoph Klenk, Fachbereichsleiter für frühkindliche Bildung, Schulen und Sport.

Die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt ist schwierig. Es gibt zu viele Bewerbungen auf zu wenig Stellen. Deshalb sei Spanien das optimale Land, Erzieher zu rekrutieren. Zunächst hoffen Klenk und Pelgrim auf etwa 50 Bewerbungen. Nach einem ersten Auswahlverfahren erhält die Hälfte einen Sprachkurs in Spanien, um das B1-Niveau (klare Standard-Sprache, gutes Sprachverständnis) zu erreichen. Danach gibt es ein weiteres Auswahlverfahren. Die ausgewählten Kräfte werden nach Hall eingeladen. „Diejenigen, die wir rekrutieren, haben bereits Vorwissen. In Spanien gleicht die pädagogische Ausbildung einem Studiengang in Deutschland. Sie ist nicht dual, wie bei uns“, erklärt Pelgrim. In der spanischen Werbung, die hauptsächlich über Social-Media-Kanäle verbreitet wird, steht deutlich, dass nach ausgebildeten Kräften gesucht wird. Die Berufserfahrung spiele eine zweitrangige Rolle.

In Deutschland erhalten die neuen Mitarbeiter weitere Sprachförderungen während der Arbeitszeit in den Tagesstätten, sodass sie mindestens das Sprachniveau B2 (komplexeres Sprachverständnis, spontanes, fließendes Sprechen) erhalten.

Steigende Tendenzen

Der Spracherwerb von Kindern ist essentiell für ihre Entwicklung. Das B1-Niveau der Spanier werde der Sprachentwicklung nicht gerecht. Deshalb sei es wichtig, die neuen Arbeitskräfte weiterhin zu fördern. SPD-Stadtrat Rüdiger Schorpp hakte in der jüngsten Gemeinderatssitzung nach: Die Sprache sei bei der Erziehung der Kindergartenkinder besonders wichtig. Daher müssten die Erzieher über „gute Deutschkenntnisse“ verfügen.

„Ich bin der Meinung, dass das ab einem Sprachniveau B2 funktioniert. Die Mitarbeiter sollen den Kindern keine forschungsakademischen Inhalte vermitteln, die rudimentären Sprachkenntnisse sollen weitergegeben werden“, sagt Pelgrim.

Der Oberbürgermeister und Christoph Klenk erhoffen sich am Ende des einjährigen Verfahrens 15 neue Mitarbeiter für die Kindertagesstätten in der Stadt. 73.000 Euro kostet die Dienstleistung des Kolping-Bildungswerks für alle potenziellen neuen Erzieher zusammen. „Das ist ein fixer Preis, den wir zahlen. Die Leistungen sind im Gegenzug aber auch klar definiert“, sagt Klenk. Der Preis schließt die weiteren Kosten noch nicht ein, die in Hall anfallen. „Wir müssen die Fachkräfte natürlich auch unterbringen. Deshalb haben wir im Einzugsgebiet mehrere Kleinraumwohnungen gemietet, die den Erziehern zur Verfügung stehen werden“, erläutert Pelgrim. „Wir haben einen Bedarfsplan erstellt und berechnet, dass in der nächsten Zeit etwa 30 zusätzliche Mitarbeiter in der Raumschaft benötigt werden. Und die Tendenz bleibt so“, erklärt Klenk.

Das könnte dich auch interessieren: