Schwäbisch Hall Kinderchöre St. Michael zeigen Singspiel "Die Kinder von Bethlehem"

MAYA PETERS 09.12.2015
"Manchmal sind wir brav und manchmal unbequem", singen die Kinder von Bethlehem im gleichnamigen Singstück. Die Chöre der Singschule an St. Michael zeigen es vergangenen Samstag in Sankt Michael. Mit Bildergalerie.

Im Gegensatz zu ihren Eltern hören die Kinder von Bethlehem auf die Stimme des Herzens und lassen sich nicht von Geld, Macht und Erfolg verführen. "Seid ihr schon wieder beim Kindererziehen?", fragt der römische Zenturio spöttisch die Bürger beim Vorlesen des neuesten Erlasses des Kaisers Augustus: den Aufruf zur Volkszählung. Sofort sehen die Erwachsenen den Profit. "Ich mach' einen Stand mit gebratenen Heuschrecken", ruft ein Vater, eine Mutter will in den Stall ziehen, um den so frei werdenden Wohnraum zu vermieten.

Gut 50 Sänger, Instrumentalisten, Schauspieler und Sprecher führen am vergangenen Samstag das einstündige Stück (entstanden 1994, überarbeitet 2014) von Michaelskantor Kurt Enßle auf. Ursl Belz-Enßle leitet die Große Kurrende und Jugendkantorei an Sankt Michael, Regie führt Dorothea Staudenmaier.

Die jungen Solisten sind textsicher und stimmstark

"Die Kinder von Bethlehem" ist ein Singspiel von der Volkszählung, der Suche nach einer Herberge für Maria und Joseph, der Geburt Jesu im Stall bis hin zur Huldigung durch die drei Weisen. Erzählt ist es jedoch aus der Perspektive der bisweilen kritischen Kinder. Die Kostüme und Requisiten sind liebevoll kunsthandwerklich gestaltet. Die altersgemischten Kinder und Jugendlichen meistern gekonnt die Soli vor den mehreren hundert Zuschauern. Ihre Aufregung überspielen sie schnell, sie sind ziemlich textsicher und stimmstark. Reibungslos wechseln sie zwischen Bühne und Chor und zeigen, was sie seit September in der Singschule geübt haben.

Das Singspiel ist eine kurzweilige Mischung aus Instrumentalmusik (Klarinette: Sophia Mittelbach; Violine: Johanna Boyny; Violoncello: Jakob Boyny; Tasteninstrumente: Kurt Enßle), dem vielstimmigen Chor und Sprechtheater.

Die Handlung wird in unsere Gegenwart tranferiert

Bethlehem wird von Enßle als "ganz normales Dorf" charakterisiert. "Schwanger und nicht verheiratet" oder "Arme können wir hier nicht gebrauchen": die Beurteilungen der geschäftstüchtigen Eltern gegenüber den bedürftigen Außenseitern sind harsch.

Ihre Kinder sind jedoch voll Mitgefühl und helfen Maria und Joseph mit Materiellem aus. "Ich hab' noch 'ne Barbiepuppe", ruft eines der Mädchen gar und erntet raunendes Schmunzeln aus dem Publikum.

Auch die eingängigen Melodien und Abzählreime transferieren die Handlung bis in die Gegenwart. "Das erste Weihnachten auf Erden - das ist eine ganz besondere Nacht", heißt es nach der Geburt des Kindes, das laute "Gloria" vom Chor bekräftigt die Stimmung.

Und Joseph, ganz der moderne Vater, wiegt das Kind mit in den Schlaf, begleitet vom Lied "Schlaf nun ein". Die Ankunft der drei Weisen mit ihren Gaben öffnet auch den Erwachsenen die Augen und lässt sie über das Weihnachtswunder staunen.

Zum Abschluss packen die Kinder ihre Taschentücher aus und singen winkend der Heiligen Familie auf dem Weg nach Ägypten das Segenslied. Der Applaus ist kräftig und langanhaltend.