Wackershofen Kinder- und Märchentag im Freilandmuseum

Wackershofen / Sonja Alexa Schmitz 26.07.2018
Beim Kinder- und Märchentag im Hohenloher Freilandmuseum versinken Besucher im kreativen Tun und aufmerksamem Zuhören.

Es war einmal ein heißer Sommertag, zumindest war er das, bevor das Gewitter am frühen Mittag losbrach. Viele Familien aus Schwäbisch Hall und Umgebung machten sich auf den Weg ins Freilandmuseum, um dort den Kindern, wiewohl dem Kind im Erwachsenen, eine große Freude zu bereiten.

„Dringender Aufruf“, ruft eine Männerstimme und eine Glocke wird geschwungen, „zum Figurentheater. Schattenplätze versprochen!“ Es ist Bernhard Deutsch, der durchs Freilandmuseum zieht und die Menschen einfängt für die nächste Vorstellung vom Prinzessin-Gisela-Theater.

„Seid ihr alle da?“, ruft der Kasperl, wie er es schon seit Generationen tut. „Jaaaa“, brüllen die fröhlichen Kindermünder. Kasperle sucht den Schatz. Kinder schauen ihm dabei gebannt zu und Eltern schauen verliebt ihren Kindern zu.

In ihre Beschäftigung vertiefte  Kinder gibt es an diesem Kinder- und Märchentag viele. Sei es ins Schablonieren, Stoffebedrucken, Schwerterschnitzen, Buttonsbasteln,  Wäschewaschen, Getreidedreschen, Stockweben. Oder aber sie werden entführt in eine andere Welt, beim Lauschen der sagenhaften Geschichten vom Stuttgarter Märchenkreis.

Romantische Geschichte

Im alten Schulhaus, dort wo einst das Schlafgemach des Lehrers war, sitzt Petra Horter auf einem Stuhl und fasziniert ihre Zuhörer. Einige erwachsene Frauen sind um sie herum und hören zu, wie die Tochter des Kaisers zu einem Bräutigam gelangt. Nur wer ihr eine blaue Rose schenkt, darf um ihre Hand anhalten. Petra Horter spricht mit ihrer wunderbar tiefen, fast rauchigen Stimme, mal laut, mal leise, mit Gesten untermalt, frei und mit Worten aus einer vergangenen Zeit. Und als ob dieser Hörgenuss nicht schon reichen würde, beginnt sie auch noch zu singen. Weil der Spielmann in ihrer Geschichte singt, ein Lied von einem blauen Vogel. Draußen donnert es. Die Atmosphäre in diesem einstigen Schlafgemach mit der blauen Tapete und den roten Geranien vor dem Fenster ist fast magisch.  Die Märchenerzählerin aus Winnenden hat es geschafft, die vor Möglichkeiten lockende Museumsaußenwelt eine Weile vergessen zu lassen und einzutauchen in eine spannende, romantische Geschichte.

Andere brauchen mehr Action. Wilde Jungs sitzen in der Scheune Rath auf einem Schnitzbock und machen aus einem Holzstecken ein Schwert. Die Papas sitzen hinter ihnen, führen die Kinderhand und sind nicht weniger begeistert bei der Sache. Gerhard Machwirth beaufsichtigt das Ganze. Der ehrenamtliche Helfer kommt aus Bühlerzimmern und wohnt zufällig gleich neben dem Platz. wo einst die Scheune Rath stand. Siegfried Siewert ist an seinem Stand umgeben von Blumensträußen, die er gerne verschenkt. Der Ehrenamtliche des Freilandmuseums hat Wiesenblumen, acht verschiedene Arten, an der Böschung der Westumgehung gefunden und gepflückt.

Die Schwestern Sarah (2) und Elena (4) basteln sich am Stand von Carmen Petschl Buttons. Sie malen ihre Namen und Blümchen auf das Papierrund. Sie haben schon eine Tour mit der Pferdekutsche durchs Museum gemacht und ganz lange die Schweine, Kühe und Gänse angeschaut. „Die zwei sind total begeistert“, sagt Mama Julia Humpfer.

„Einen schönen Familiensonntag“ möchte auch Familie Härterich aus Kupferzell hier verbringen. Ihre Söhne Henry und Moritz schrubben Wäsche in alten Blechzubern.

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