Schwäbisch Hall Kinder fürs Netz sensibilisieren

Schwäbisch Hall / SYBILLE MUNZ 06.11.2014
Nicht nur im realen Leben gibt es Mobbing und Machtspiele. Auch das Internet bietet eine geeignete Plattform dafür. Wie Kinder fürs Netz sensibilisiert werden können, erfuhren Besucher bei einem Vortrag.

Medien spielen im Alltag von Kindern eine zentrale Rolle, soziale Netzwerke sind nahezu immer und überall präsent. Damit ein angemessener und werteorientierter Umgang mit diesen erfolgt, rät Prof. Dr. Oliver Zöllner von der Hochschule der Medien in Stuttgart Eltern, das Gespräch zu suchen: "Treten Sie mit ihren Kindern in einen Dialog." Mehr als 350 Besucher kommen auf Einladung der Initiative "Gewaltfrei zum Erfolg" zum Vortrag "Whatsapp, Facebook und Co." ins Schulzentrum West.

Annähernd zwei Stunden tummeln sich Studien zufolge 16- bis 18-jährige Jugendliche täglich in digitalen Netzwerken. "Das Internet wird als sozialer Lebensraum immer wichtiger. Wer keine Möglichkeit hat, in die virtuelle Welt einzutauchen, nutzt soziale Netzwerke über seine Freunde. Bereits Sechsjährige verfügen über Smartphones", bemerkt Zöllner.

Soziale Netzwerke, auch Social Networks oder Online Communities genannt, sind bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt: 78 Prozent der 12- bis 19-Jährigen und bereits 39 Prozent der 6- bis 13-Jährigen nutzen Facebook, Whatsapp oder ähnliche Seiten.

Was bietet das Netz? Welche Bedeutung und aus Auswirkungen haben Medien? Und wo liegen die Gefahren? "Der Raum, in dem Menschen Konflikte austragen können, hat sich durch das Internet erweitert", sagt der Kommunikationswissenschaftler. "Die Möglichkeiten, andere Personen an einen digitalen Pranger zu stellen, hat sich enorm vergrößert. Beleidigende oder bedrohende Äußerungen verletzen dabei die Integrität des Menschen und beschädigen sein soziales Ansehen in der realen Welt. Dies ist unvereinbar mit dem Werte- und Würdeprinzip unserer Gesellschaft und kann die Verhinderung eines gelingenden Lebens für den Betroffenen darstellen", gibt Zöllner zu bedenken.

Um Kinder vor solchen Übergriffen zu schützen und ihnen einen respektvollen Umgang mit Medien zu vermitteln, sollten sie für die Verletzbarkeit im Netz sensibilisiert werden. "Online-Mobbing ist ein Machtspiel. Wer gehört dazu und wer nicht? Online-Verletzungen sind von Zeit und Raum unabhängig und können nahezu unbegrenzt in sozialen Netzwerken geteilt werden", erklärt der Professor. Für Kinder ist es daher wichtig, die Rollen und Motive in einer Konfliktsituation zu erkennen und zu thematisieren. Wer sich mit moralischen Grundprinzipien auseinandersetzen kann, der entwickelt nicht nur im virtuellen Lebensraum einen Ethos für Fairness und Respekt.

"Ermuntern Sie Ihre Kinder zu mehr Zivilcourage. Hinterfragen Sie, warum es so lustig ist, wenn der Dicke aus der Schulklasse gehänselt wird und dies im Internet zu sehen ist. Lassen Sie Ihre Kinder erzählen und wecken Sie deren moralisches Empfinden", rät Zöllner. "Empathie ist antrainierbar. Verantwortung, Fürsorge und Achtsamkeit können Kinder erlernen. Dann ist es möglich, einem Betroffenen zu helfen, auch wenn es leichter wäre, einfach wegzusehen. Wecken Sie den Anspruch Ihrer Kinder, Konflikte selbst zu lösen." Generell empfiehlt er, die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen altersgerecht zu begleiten und eine Vorbildfunktion einzunehmen. "Reglementierung macht erst Sinn, wenn Regeln verstanden werden", betont Zöllner.

Info "Gewaltfrei zum Erfolg" ist eine Initiative des Gesamt-Eltern-Beirats der Haller Schulen, der Polizei Schwäbisch Hall, des Regierungspräsidiums Stuttgart, der Sparkassen-Stiftung und engagierter Eltern. Weiteres auf www.handysektor.de; www.telekom.de/kinderschutz; www.jugendschutzprogramm.de und www.klicksafe.de

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