Weltwerkstatt Kinder erforschen „wo die Schokolade wächst“

Der erste Kurs in der neuen Weltwerkstatt: Drittklässler der Grundschule Am Langen Graben stehen auf einer ausgerollten Weltkarte und schauen zu Claude Keil. Der Referent erforscht mit den Kindern, woher Kakao kommt. Er lässt eine Kakaoschote herumgehen.
Der erste Kurs in der neuen Weltwerkstatt: Drittklässler der Grundschule Am Langen Graben stehen auf einer ausgerollten Weltkarte und schauen zu Claude Keil. Der Referent erforscht mit den Kindern, woher Kakao kommt. Er lässt eine Kakaoschote herumgehen. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 02.07.2018
Der globale Lernort im Haus der Bildung ist eröffnet. Es geht um Themen wie Bildung und Klimaschutz. Drittklässler starten mit dem Thema Kakao.

Rund 25 Drittklässler von der Grundschule Am Langen Graben trippeln schon vor der Türe. Drinnen läuft noch der offizielle Teil zur Eröffnung der Weltwerkstatt, die für sie gedacht ist. Vorbei. Nichts wie rein und der erste Kurs startet. Eine große Weltkarte wird ausgebreitet und Referent Claude Keil fragt: „Woher kommt der Kakao?“ Ein Thema, das auch mit Hall zu tun hat, denn viele Waren der globalisierten Welt sind im Alltag der Kinder zu finden. Aus Kakao wird Schokolade gemacht, es geht darum „wo die Schokolade wächst“.

Der Vorsitzende vom Freundeskreis Afrika lässt eine Kakaoschote herumgehen. Die Kinder riechen und klopfen daran. Kakao wurde erstmals vor 3000 Jahren in Mittelamerika angebaut, mit der Idee sie zu zermahlen und ein Getränk daraus zu machen. „Wo ist Mittelamerika auf der Karte?“, fragt Keil. Ein Junge läuft auf der Karte entlang. Gemeinsam entdecken die Kinder dabei Afrika und Europa, finden Mittelamerika.

Gegen Rassismus

Während die Kinder in der Weltwerkstatt schon voll in Aktion sind, unterhalten sich die Erwachsen draußen vor einer Pinnwand mit Postkarten über Ziele für nachhaltige Entwicklung. Der Impuls kommt von Sandra Wallrapp vom Büro Bildungsregion, das den neuen globalen Lernort mit auf den Weg gebracht hat. „17 Ziele für eine gerechte Welt. Was möchtest du verändern?“, lautet die Frage auf der Karte. Lehrer, Erzieher und andere sind mitten in der Diskussion zu Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung wie „keine Armut“, „keinen Hunger“, „Gesundheit und Wohlergehen“ oder „hochwertige Bildung“.

Zuvor hörten die rund 25 Gäste den Erläuterungen von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und Sigrid Schell-Straub vom Entwicklungspädagogischen Zentrum bei der offiziellen Eröffnung zu.

Besonderer Moment

Pelgrim machte auf Themen wie globale Warenbeziehungen, ungleichen Ressourcenverbrauch in der Welt und Verantwortung aufmerksam. „Vielleicht ist die neue Weltwerkstatt ein Impuls für junge Menschen für Vielfalt und Offenheit und damit gegen Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“, sagte Pelgrim. Für Schell-Straub ist die Eröffnung der Weltwerkstatt in Hall „ein ganz besonderer Moment“. Die Kocherstadt kommt als 13. außerschulischer Lernort in Baden-­Württemberg dazu. Die stehen für das Ziel „hochwertige Bildung“. Für Schell-Straub ist Hall „vorbildlich und einzigartig“, weil es die einzige Stadt ist, „die einen außerschulischen Lernort mit der Bildungsregion verknüpft hat“. Ihre Prognose: Weitere Akteure wie Menschenrechtsgruppen werden mitmachen, viele Gäste sich im globalen Klassenzimmer inspirieren lassen, die Welt ein klein wenig besser machen.

Kleines Theaterstück: Wenn „ein Wassertropfen auf Reise geht“

Für wen ist die Weltwerkstatt im Haus der Bildung gedacht? „Das Angebot ist vor allem für Kinder und damit für Lehrer, Erzieher interessant“, antwortet Sandra Wallrapp vom Büro Bildungsregion im Haus der Bildung. Das Büro hat das neue Angebot mit Volkshochschule, Mehrgenerationentreff, Klimaschutzbeauftragtem, Freundeskreis Afrika und Eine-Welt-Laden entwickelt. Der Raum ist donnerstagnachmittags mit einem Monat Vorlauf buchbar. Das Angebot wird variiert und richtet sich auch an Jugendliche und Erwachsene.

Wallrapp gibt ein Beispiel. Für Grundschüler wurde gemeinsam mit dem Klimaschutzbeauftragten Stefano Rossi die Geschichte „Ein Wassertropfen geht auf Reise“ entwickelt. In dem kleinen Theaterstück geht es auch ums Zähneputzen. Kinder erfahren spielerisch, was es im Kontext nachhaltiger Entwicklung bedeutet, wenn sie das Wasser einfach so laufen lassen oder einen Becher benutzen.

Das Angebot kostet pro Kind einen Euro. Meistens für eineinhalb Stunden wird ein globales Thema erläutert und erforscht. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Referenten in Kindergärten oder Schulen kommen, aber „der Grundgedanke ist, dass die Kinder an einem außerschulischen Lernort sind“, erläutert Wallrapp. Die Kinder bekommen beispielsweise ein großes Weltpuzzle zum Lösen oder eine Kakaoschote in die Hand, um spielerisch zu begreifen.

Die Stadt Schwäbisch Hall unterstützt die Weltwerkstatt mit 15 000 Euro in 2018 und in der Folge mit 5000 Euro pro Jahr. Mit dem Geld wurden Umbauarbeiten im Raum im Haus der Bildung finanziert. Zudem fließt es in Öffentlichkeitsarbeit und in einen Teil der Dozentenhonorare. cus

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