Schwäbisch Hall Flugzeugunglück: Identität der Piloten geklärt

Experten untersuchten gestern die Wracks.
Experten untersuchten gestern die Wracks. © Foto: Tobias Würth
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 17.04.2018
Ein 76-Jähriger aus Heilbronn und ein 74-Jähriger aus Stuttgart sterben bei dem Zusammenstoß zweier Flugzeuge am Sonntag. Unfall-Experten aus Braunschweig nennen noch keine Ursache.

Ein Mann in weißem Schutzanzug hebt einen Teil der Heckflosse hoch. Sein Kollege setzt ein liegengebliebenes Wrackteil daran. Vier Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sicherten am Montag am Unglücksort Beweise. Auf dem Feld stehen über hunderte Meter rot-weiße Hütchen als Markierung. Bis zur Absturzstelle der zwei Hobbyflugzeuge führt eine Spur von Wrackteilen.

„Beide  Flugzeuge waren am Sonntag im Landeanflug. Warum es genau zu dem Unglück kam, können wir noch nicht sagen“, berichtete am Montag Polizeisprecher Holger Bienert. Die Ermittler gehen bisher davon aus, dass die beiden Piloten starben, nachdem sich ihre Maschinen in der Luft berührten und abstürzten. Beim Piloten  im Ultraleichtflugzeug soll es sich um einen 76-Jährigen aus dem Kreis Heilbronn, im Sportflugzeug um einen 74-Jährigen dem Raum Stuttgart gehandelt haben. Der 74-Jährige startete wohl von Stuttgart aus, der 76-Jährige in Regensburg. Zu 100 Prozent stehen die Identitäten aber noch nicht fest.

„Der Tower hatte Funkkontakt zu beiden“, berichtete Bienert. Beide wollten auf dem Adolf-Würth-Airport landen. Die Absturzstelle liegt 600 Meter von dem Beginn der Landebahn entfernt. Bienert stellte klar: „Die Piloten müssen eigenverantwortlich auf Sicht fliegen.“ Im Luftverkehr gilt generell die Regel, dass bei „mehreren einen Flugplatz gleichzeitig zur Landung anfliegenden Luftfahrzeugen das höher fliegende dem tiefer fliegenden Luftfahrzeug auszuweichen“ habe. Die Flugleitung in Schwäbisch Hall gibt den Piloten lediglich Hinweise über Funk.

Ein Defekt am Flugzeug, menschliches Versagen, schlechte Sicht beim Anflug gegen eine tiefstehende Sonne, Missverständnisse:  Weder Polizei noch Flugplatzleitung oder die externen Experten aus Braunschweig wollten die laufenden Ermittlungen durch öffentliche Äußerungen belasten. Spielte das alter der Piloten eine Rolle? „In acht Wochen werden wir einen Zwischenbericht abliefern“, teilte Germout Freitag von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig mit.

Ultraleichtflugzeug und Kleinflugzeug

Bei der „Fascination d4B“, der Maschine, die aus Regensburg anflog, handelt es sich um ein Ultraleichtflugzeuge (UL). Die dürfen eine Abflugmasse von 472,5 Kilogramm nicht überschreiten. Sie gelten nicht als Flugzeug, sondern als Luftsportgerät.

Bei der anderen Maschine, einer Cirrus SR 20 aus Stuttgart, handelt es sich um ein Leichtflugzeug. Damit werden Kleinflugzeuge bis zu 5,7 Tonnen Abfluggewicht bezeichnet.

Beide Maschinen verfügen über einen Gesamtrettungssystem, bestehend aus einer Rakete, die einen Fallschirm öffnet. Der lässt das Luftfahrzeug samt Insassen zu Boden schweben, kam aber im aktuellen Fall nicht zum Einsatz. tob