Schwäbisch Hall Studienförderung: keine Superbegabung notwendig

Wenn Hannes Frenz auf Heimaturlaub in Hall ist, hält sich der Medizinstudent gerne in der Stadtbücherei auf.
Wenn Hannes Frenz auf Heimaturlaub in Hall ist, hält sich der Medizinstudent gerne in der Stadtbücherei auf. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Von Sonja Alexa Schmitz 16.05.2018
Studieren mit Geldnöten? Das muss nicht sein. Der Haller Hannes Frenz ist im siebten Semester Medizinstudent und hat einen Förderer: das Evangelische Studienwerk Villigst.

Begabtenförderungswerk“ nennt sich das Evangelische Studienwerk Villigst – und genau vor diesem abschreckenden Wort möchte Hannes Frenz die Angst nehmen. „Es gibt eine große Hemmschwelle, sich als Stipendiat zu bewerben“, beobachtet er. Als müsse man „hyperbegabt“ sein. Stimmt nicht, sagt Frenz. Man muss allerdings schon etwas sein, nämlich in irgendeiner Weise gesellschaftlich engagiert, und für sein Fach sollte man auch eine Grundmotivation mitbringen.

Diese müsse man sich bei der Bewerbung um ein Stipendium von einem Lehrer bestätigen lassen. Gesellschaftlich engagiert kann man in vielerlei Art sein. Hannes Frenz war es als Stufensprecher am Schulzentrum West in Schwäbisch Hall, wo er vor vier Jahren Abitur gemacht hat. Außerdem ist er ein Aktiver in der Kirche. Mit der Gemeinschaftsgemeinde Glocke geht er als Betreuer auf Jugendzeltlager und hat bereits Kinderkirche und Jugendarbeit gemacht. Mittlerweile ist der 22-Jährige im siebten ­Semester in Tübingen. Er studiert Humanmedizin. Dass es wirklich sein Beruf werden sollte, überprüfte er beim Freiwilligen Sozialen Jahr auf einer Intensivstation im Allgäu. Er wollte sicher sein, dass er bei einem medizinischen Beruf, wie ihn auch seine Eltern ausüben, richtigliegt. „Die Berufswahl ist schließlich eine Lebensentscheidung.“

Das Leben in der begehrten Stadt am Neckar, in der rund jeder dritte Einwohner Student ist, kostet laut Hannes nicht wenig. Sechs Semester konnte er im Wohnheim ein Zimmer anmieten. Das war für 270 Euro zu haben. Jetzt wohnt er in einer Wohngemeinschaft. Für ein Zimmer in Tübingen müsse man mit 300 bis 550 Euro rechnen.

Das Evangelische Studienwerk Villigst fördert ihn und weitere 1300 Studenten deutschlandweit mit bis zu 649 Euro monatlich plus einer Studienkostenpauschale von 300 Euro. Der Betrag ist vom Bafög abhängig. Für Aufenthalte im Ausland kann zusätzliche finanzielle Unterstützung in Anspruch genommen werden.

Über Geld redet Hannes wenig. Er betont vor allem die weiteren Vorteile der Villigster. Sie böten den Stipendiaten ein Netzwerk, in dem sie sich austauschen können, einander in allen Fragen und Bedürfnissen weiterhelfen können, zum Beispiel bei der Suche nach einem Praktikumsplatz.

Auch ehemalige Villigster bleiben dabei und können als Arbeitende weiterhelfen. Regelmäßig gibt es Treffen, bei denen Studenten aller Fachrichtungen zusammenkommen und vom Austausch profitieren. Dort finden sich nicht nur Studenten von Hochschulen, auch Fachhochschüler können vom Evangelischen Studienwerk Villigst unterstützt werden.

Keine Studentenverbindung

Hannes hat an Seminaren der Sommeruniversität teilgenommen. Dort gibt es Fortbildungen zu jeglichen Themen, wie Umwelt oder Kunst. Auch fachspezifisch – so war er zum Beispiel auf einem Seminar zur Digitalisierung in der Medizin.

Die Villigster seien weder wie eine große Familie zu verstehen, in der sich alle lieb haben, noch wie ein elitärer Kreis, erst recht keine Studentenverbindung, betont Hannes.

Im Leitbild des Evangelischen Jugendwerks kann man lesen: „Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich mit den modernen gesellschaftlichen Fragestellungen und Wissensentwicklungen ethisch reflektiert auseinanderzusetzen. Wir fördern junge Menschen, die bereit sind, sich im Geist protestantischer Tradition diesen Zukunftsherausforderungen auf allen gesellschaftlichen Gebieten zu stellen.“ Bin ich das? Kann ich das? Reicht mein Glaube und meine Einstellung? Das fragen sich viele Jugendliche.

Hannes ermutigt: „Jeder sollte sich trauen. Mit einer Bewerbung hat man nichts zu verlieren.“ Er hat dadurch nur gewonnen.

Zum Studium nach Tübingen

Hannes Frenz (22) ist gebürtiger Haller und hat am Schulzentrum West Abitur gemacht. Für ein FSJ ging er ins Allgäu. Dort arbeitete er auf einer Intensivstation, bevor er sein Studium der Humanmedizin in Tübingen aufnahm. Gerade ist Hannes im siebten Semester.

Nebenbei arbeitet er als Assistent im OP und bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation. Wenn er Zeit findet, treibt der Triathlet Sport.

Das Evangelische Studienwerk wurde im Jahr 1948 unter anderem als Reaktion auf den Nationalsozialismus gegründet, um die Bildung der künftigen Akademikerinnen und Akademiker mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verknüpfen. Mehr Informationen zum Studienwerk gibt es auf der Internetseite www.evstudienwerk.de. sasch