Kreis Hall Keine Katerstimmung bei der Kammer

Der Baubranche geht es gut. Das zeigen nicht nur viele Baustellen, sondern auch die Umfrageergebnisse.
Der Baubranche geht es gut. Das zeigen nicht nur viele Baustellen, sondern auch die Umfrageergebnisse. © Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Kreis Hall / Frank Lutz 18.05.2018
Trotz leichter Eintrübung zeigt sich die große Mehrheit der regionalen Betriebe bei der IHK-Umfrage zufrieden. Beim Blick in die Zukunft sind sie sogar etwas optimistischer als im Vorquartal. Größtes Geschäftsrisiko bleibt der Fachkräftemangel, auch die drohenden Handelskonflikte mit der USA machen sich bemerkbar.

Die „Partystimmung“, die Dr. Detlef Schulz-Kuhnt, Leiter der Kommunikationsabteilung bei der IHK Heilbronn-Franken bei der letzten Konjunkturumfrage verkündete, ist vorerst verflogen: Die Lagebeurteilung der 414 Unternehmen, die sich an der aktuellen Umfrage beteiligt haben, mit insgesamt 84.800 Beschäftigten, hat sich leicht eingetrübt. Von Katerstimmung ist bei der Kammer trotzdem keine Spur: „Wir können derzeit noch nicht sagen, dass es holprig wird. Dazu bewegen wir uns nach wie vor noch auf einem zu hohen Niveau“, gab der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Dr. Helmut Kessler gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse im Heilbronner Haus der Wirtschaft Entwarnung.

Von Krise keine Rede

Und tatsächlich sind es gerade einmal zwei Prozent weniger, die ihre aktuelle Geschäftslage als gut einschätzen: Der Wert ging von 61 Prozent im Endquartal 2017 auf 59 Prozent zurück. 37,5 Prozent bewerten ihre Situation aber nach wie vor als befriedigend. Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen liegt bei komfortablen 54,5 Prozent und damit nahe des Allzeithochs von 61 Prozent aus dem Vorquartal.

Darauf, dass derzeit von einer Krise nicht die Rede sein kann, deuten auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate hin: 35 Prozent der Betriebe – immerhin ein Prozent mehr als im Vorquartal – gehen davon aus, dass sich ihre Geschäfte noch positiver entwickeln werden, nur fünf Prozent zeigen sich hier pessimistisch. Die breite Mehrheit von 59,5 Prozent erwartet, dass sich das Niveau hält. Am zufriedensten präsentieren sich erneut die Baufirmen: 78 Prozent halten ihre Geschäftslage für gut, kein einziger Betrieb ist unzufrieden. Dass im Vorquartal noch sieben Prozent mehr von einer guten Situation sprachen, fällt für IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring kaum ins Gewicht: „Das ist leicht schlechter, aber es gibt nur einen Wechsel von ,gut’ zu ,befriedigend’.“ Ähnlich in der Industrie: Hier wurde mit 74 Prozent bei den guten Einschätzungen der Vorquartalswert zwar um fünf Prozent verfehlt, doch nur ein Prozent der Unternehmen zeigt sich unzufrieden.

Auch die leichte Eintrübung im Dienstleistungssektor – hier ist der Zufriedenheitssaldo von 83,5 auf 33 Prozent zurückgegangen – ist für Döring „kein Grund zur Sorge“. Schließlich rechnen 32 Prozent für die nahe Zukunft mit besseren und 61 Prozent mit gleichbleibenden Geschäften. Im Einzelhandel liegt der Saldo aus positiven und negativen Lageeinschätzungen bei 26 Prozent und ist damit nahezu identisch mit dem Vorquartal.

Einen neuen Rekordwert gibt es im Großhandel: 70 Prozent der befragten Betriebe – zehn Prozent mehr als Ende 2017 – bezeichnen ihre Lage als gut, nur zwei Prozent sind unzufrieden. 37 Prozent blicken auch optimistisch in die Zukunft, während kein einziges Unternehmen eine Verschlechterung der Situation erwartet. Ursache der positiven Stimmung könnte der Auftragseingang sein, der bei 56 Prozent der Unternehmen im Steigen begriffen ist.

Wem es so gut geht, der hat einen erhöhten Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern: Per Saldo plant mehr als ein Viertel aller befragten Unternehmen Neueinstellungen. Doch neue Mitarbeiter sind nach wie vor nicht leicht zu finden: Ähnlich wie bei den vorangegangenen Konjunkturumfragen wird der Fachkräftemangel auch diesmal von fast drei Vierteln der befragten Unternehmen als größtes Geschäftsrisiko in den kommenden zwölf Monaten bezeichnet. Laut Fachkräftemonitor der IHK gibt es derzeit in der Region schon über 300 000 Fachkräfte zu wenig, und das Problem werde sich weiter verschärfen: Bis 2030 werden es über 500 000 fehlende Fachkräfte sein. „Mehr als jede siebte Stelle kann dann nicht besetzt werden“, berichtet Döring.

Andere Risiken werden weit seltener genannt: 43 Prozent fürchten steigende Arbeitskosten, jeweils rund ein Drittel höhere Energie- und Rohstoffpreise sowie eine sinkende Inlandsnachfrage. Ein Viertel bezeichnet die politischen Rahmenbedingungen als größte Gefahr: Hier machen sich die unruhige weltpolitische Lage und vor allem der angedrohte Protektionismus der US-Regierung bemerkbar.

Dass besonders letztere Bedrohung nicht unterschätzt werden sollte, betont Döring: „Die gute konjunkturelle Lage in der Region wird neben der starken Binnenkonjunktur ganz wesentlich von der guten Weltwirtschaft getrieben.“ Handelskonflikte stellten daher derzeit die größten Konjunkturrisiken dar: „Eine Verschärfung des laufenden Handelskonflikts mit den USA bei gleichzeitiger Zunahme weltweiter Handelshemmnisse würde auch unsere regionale Konjunktur spürbar schwächen.“

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Prozent der Unternehmen im Haller Landkreis bezeichnen den Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko – der niedrigste Wert im Kammerbezirk. Am höchsten liegt die Zahl im Hohenlohekreis (82 Prozent).