Rosengarten Kein Gefallen für die Bären

Er ist schon ein putziges Kerlchen, der Waschbär. Doch er kann auch nerven. In Rosengarten warnt man jetzt vor ihm.
Er ist schon ein putziges Kerlchen, der Waschbär. Doch er kann auch nerven. In Rosengarten warnt man jetzt vor ihm. © Foto: Archiv
Rosengarten / Norbert Acker 08.06.2018
In Rosengarten wird auf Waschbären aufmerksam gemacht, die innerhalb der Ortschaften nach Nahrung suchen. Sie sollen davon abgehalten werden, innerorts sesshaft zu werden.

In den vergangenen Wochen hat Thomas Herkle, Gemeindevollzugsbediensteter und Umweltwart der Gemeinde Rosengarten, vermehrt Anrufe bekommen: Bürger berichteten, dass sie Waschbären gesehen haben. „Auch innerorts sind die Bären schon anzutreffen“, sagt Herkle auf Nachfrage. Zurzeit hätten die Tiere, die ursprünglich aus Nordamerika stammen und seit den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch in Deutschland anzutreffen sind, Nachwuchs. Sie seien daher verstärkt auf der Suche nach Nahrung. „Sie haben gelernt, dass der Tisch in Siedlungen reichhaltig gedeckt ist“, so Herkle. Die Tiere suchen Essbares in Mülltonnen, durchsuchen draußen gelagerte Gelbe Säcke und bedienen sich bei Hunde- und Katzennahrung, die im Freien steht. „Immer öfter klettern sie auch Balkone hinauf“, so Herkle. „Sie können nicht nur gut klettern. Sie sind einfach clever, die Jungs.“

Warnung im Amtsblatt

Das alles hat er zum Anlass genommen, die Bürger über das Amtsblatt der Gemeinde noch einmal für das Thema zu sensibilisieren. Es soll verhindert werden, dass die Tiere dauerhaft in Siedlungen sesshaft werden. Das täte ihnen auch nicht gut. „Ich habe schon sechs oder sieben verunglückte Waschbären von der Straße klauben müssen“, sagt Herkle, der seit sechs Jahren als Rosengartens Umweltwart tätig ist. Er erinnert sich an einen anderen Fall vor zwei Jahren. Damals seien am Kreisverkehr in Uttenhofen vermehrt Jungfüchse überfahren worden. Herkle fand heraus, dass sie von Menschen gefüttert worden sind. „Damit tut man den Tieren keinen Gefallen“, stellt er fest. Um so etwas bei den Waschbären zu vermeiden, warnt er jetzt und ergänzt: „Innerhalb von Ortschaften dürfen Waschbären nicht erlegt werden, hier ruht die Jagd.“ Außerhalb der Aufzuchtzeit der Jungtiere dürfen sie nämlich gejagt werden. „2015 und 2016 sind 104 Waschbären im Landkreis erlegt worden“, zitiert Herkle aus den entsprechenden Jagdberichten. Innerorts dürften sie außerdem nur durch Berechtigte in Fallen gefangen werden.

Das verstärkte Auftreten der Raubtiere registriert man seit Jahren auch beim Umweltzentrum Schwäbisch Hall. „Die Tiere sind schon am Stadtrand von Schwäbisch Hall angekommen“, erklärt Martin Zorzi. Ihm seien die Bären auch schon zwischen Tullau und Steinbach begegnet. Er berichtet außerdem von einem Nachbarn, dem regelmäßig ein Waschbär am Haller Stadtrand über den Weg läuft. „Wie die Füchse sind sie dabei, locker bewohnte Gebiete zu besiedeln“, so Zorzi. Es sei allerdings mehr als schwierig, eine konkrete Populationszahl zu nennen. Eines stehe für ihn aber fest: „Wir werden mit ihnen leben müssen.“

Der Naturschützer beobachtet das Anwachsen der Waschbärenpopulation im Landkreis Schwäbisch Hall mit gemischten Gefühlen. „Einerseits freue ich mich darüber, aber andererseits müssen wir auch beobachten, welche Beeinträchtigungen damit verbunden sind und wie wir in bestimmten Fällen darauf reagieren“, so Zorzi. Der Waschbär mache eben auch manchmal Ärger. Problematisch sei es auch, wenn er leer stehende Gebäude in Beschlag nimmt. Und auch wenn die Tiere noch so putzig aussehen, sollte man davon absehen, sie anzufassen. „Er ist halt ein Kleinbär“, so Zorzi. „Er will sich nicht fangen lassen.“

Waschbären sind übrigens vor rund 20 Jahren das erste Mal im Landkreis Hall beobachtet worden.

Mülltonnen müssen sicher sein

Um Waschbären davon abzuhalten, sich in Ortschaften anzusiedeln, empfiehlt Rosengartens Umweltwart Thomas Herkle: „Keine Hunde- oder Katzennahrung über Nacht im Freien stehen lassen.“ Außerdem sollten Mülleimer und -tonnen gegen Öffnen und Umfallen geschützt werden sowie Gelbe Säcke nicht draußen gelagert werden. Darüber hinaus sollten leer stehende oder selten genutzte Gebäude öfter kontrolliert werden. noa

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