Schwäbisch Hall Stadtwerke mit Versorgungsprojekt in Indien

Sie wollen das Projekt gestalten (von links): Dr. Albrecht Reuter (Fichtner IT Consulting), Victor Thamburaj (IPlon), Christoph Blaschke (Next Solar Concepts), OB Hermann-Josef Pelgrim, Peter Breuning (Stadtwerke), Isabelle Conrad (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft), Sugandh Rajaram (indischer Generalkonsul), Gebhard Gentner (Stadtwerke Hall).
Sie wollen das Projekt gestalten (von links): Dr. Albrecht Reuter (Fichtner IT Consulting), Victor Thamburaj (IPlon), Christoph Blaschke (Next Solar Concepts), OB Hermann-Josef Pelgrim, Peter Breuning (Stadtwerke), Isabelle Conrad (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft), Sugandh Rajaram (indischer Generalkonsul), Gebhard Gentner (Stadtwerke Hall). © Foto: Sigrid Bauer
Schwäbisch Hall / Sigrid Bauer 19.07.2018
Die Haller Stadtwerke und die Firma IPlon wollen einen indischen Campus zu einem Vorzeigeprojekt für dezentrale Strom- und Wasserversorgung machen.

Jederzeit sauberes Trinkwasser und Strom zur Verfügung zu haben, davon können die Studenten und Mitarbeiter des „Gandhigram Rural Institute“, eine Universität in Südindien, und erst recht die Menschen in den umliegenden Dörfern und weiten Teilen Indiens nur träumen.

Laut Victor Thamburaj haben in Indien mehr als zehn Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und Strom. Der Haller Unternehmer mit indischen Wurzeln, der in Indien wie in Deutschland zu Hause ist, leitet die Firma IPlon India GmbH. Er war schon immer von der hier selbstverständlichen Daseinsvorsorge durch Stadtwerke, also durch kommunale Unternehmen, angetan und möchte solche Unternehmen auch in Indien einführen. „Ich habe zuerst gar nicht verstanden, warum er von den Stadtwerken so begeistert ist“, räumte Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhard Gentner in seinem Grußwort an die rund 50 Teilnehmer der Veranstaltung im Glas­turm an der Limpurgbrücke ein.

Thamburaj hat neben Gentner auch den Haller OB Hermann-Josef Pelgrim von seiner Idee, Stadtwerke nach hiesigem Vorbild in Gandhigram aufzubauen, überzeugt. „Andere Länder kopieren unser Erneuerbare-Energien-Gesetz, warum sollen wir dann nicht auch unsere Stadtwerke-Idee exportieren“, meinte Gentner. Auch der Haller OB ist dieser Meinung, zumal Hall schon kurz nach der Wiedervereinigung seiner Partnerstadt Neustrelitz beim Aufbau von Stadtwerken behilflich war.

Dass das Projekt „Gandhigram“ vergangenen Donnerstag offiziell startete, ist auch der positiv ausgefallenen Machbarkeitsstudie, die die deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft zur Hälfte finanziert hat, zu verdanken.

Eine App informiert

An erster Stelle des Vorhabens steht der Aufbau einer neuen Infrastruktur für Wasser, Abwasser und Stromversorgung über Biogas, Windkraft und Fotovoltaik. Viel Wert wird auf effiziente Energienutzung gelegt: Eine App soll jeden Nutzer über Menge und Kosten von verbrauchtem Strom, Wasser, Wärme und Kälte informieren. Dazu braucht der Campus ein Glasfasernetz, über das sämtliche Kommunikation zwischen Mensch und Technik mit dem Ziel, Ressourcen zu sparen, laufen soll – Schlagwort Smart City. Auf dem Campus sollen nur Elektrofahrzeuge erlaubt sein. Zur Trinkwasserversorgung wird unter anderem ein See angelegt, der den Monsunregen speichern soll.

Victor Thamburaj hat mit den Ingenieuren seiner indischen Firma sämtliche Daten des Campus-Istzustands aufgenommen. Sie sind die Basis für die geplanten Investitionen. Ein kleines Stadtwerk Gandhigram mit fünf Mitarbeitern und Studenten hat er auch schon eröffnet.

Das Projekt „Gandhigram“ soll Keimzelle für weitere dezentrale Versorgungsunternehmen in Indien werden. „In Indien gibt es einen Riesenmarkt für Daseinsvorsorge-Unternehmen, da sind sicher 10 000 Stadtwerke möglich“, machte er den Konferenzteilnehmern Projekte in seinem Heimatland schmackhaft. Es sei sinnvoll, wie die Haller Stadtwerke, die ihre Aktivitäten von Hall aus auf die Region Hohenlohe und auf entferntere Gebiete ausgedehnt haben, auch von Gandhigram aus umliegende Orte in das Versorgungsnetz zu integrieren und weitere dezentrale Versorgungsinseln zu schaffen.

Welchen Stellenwert die Kooperation auf indischer Seite hat, zeigte der Besuch des indischen Generalkonsuls Sugandh Rajaram, der den Konferenzteilnehmern von den immensen Entwicklungen in Indien berichtete.

Projektleitung liegt in Schwäbisch Hall

Partner der Haller Stadtwerke ist die IPlon India GmbH, von der auch die Projektidee stammt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Chennai. Geschäftsführer ist Victor Thamburaj. Gesamtprojektleiter ist Peter Breu­ning, Abteilungsleiter für Netzleittechnik bei den Stadtwerken Hall.

Die Universität Gandhigram Rural Institute gilt als Elitecampus. Das Areal liegt im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Dort leben rund 3000 Studenten und 1000 Uni-Mitarbeiter.

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