Reges Gewusel herrscht am Montagmorgen entlang der Neuen Straße in der Haller Innenstadt – vor allem im Bereich Grasmarkt, wo Modegeschäfte, Drogerie, Apotheke und Bäcker Kundschaft locken. Hinter der Henkersbrücke und dem Kaufhaus Woha, gerade mal 100 Meter entfernt, scheint es aber eine imaginäre Grenze zu geben. Insbesondere ins Ritter-Areal, in dem bis 2016 Kaufland eine Filiale betrieben hat, verirren sich kaum Kunden.

Die Fläche des einstigen Vollsortimenters wurde durch die städtische GWG so umgebaut, dass Platz für drei mittelgroße Läden besteht. Seit November 2017 nutzt der Filialist Biomammut den mittleren Teil und bietet auf 600 Quadratmetern 9000 Produkte. Zwei Mitarbeiter füllen an diesem Morgen Regale auf, sortieren, putzen. Kundschaft kommt aber nur gelegentlich vorbei – so geht es den ganzen Tag. Geschäftsführer Roland Harter ist am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Nebenan, im Schnäppchenmarkt Tedi (seit 2018), ist zwar etwas mehr los. Von geschäftigem Treiben kann aber auch dort keine Rede sein.

Kommentar Thumilan Selvakumaran zur Beteiligung externer Experten Später, aber richtiger Schritt

Schwäbisch Hall

Kombination mit Gastronomie

Wieso kommen aber weniger Kunden? „Ich finde es schade, dass es hier keinen Lebensmittelmarkt mehr gibt“, sagt etwa Waltraud Tauberschmidt (68) aus Rosengarten. „Das trifft vor allem die vielen Senioren, die in der Innenstadt wohnen.“ Sie schätze zwar das Angebot des Biomammut, einen Großeinkauf würde sie dort aber nicht tätigen. Unter anderem die Preise schreckten manche Kunden ab. „Außerdem fehlt es hier an Geschäften.“

Versuche der GWG, weitere Mieter für das Gebäude in der Innenstadt zu finden, sind bislang gescheitert. Nun hat sich die städtische Tochter Hilfe von außen geholt. Zusammen mit der RetailGroup aus Stuttgart sei ein „nachhaltiger Mietermix“ erarbeitet worden, erklärt GWG-Sprecher Marius Schell auf Nachfrage. Für die freie, 800 Quadratmeter große Fläche liefen finale Gespräche mit einem Anbieter. Unmittelbar nach der Vertragsunterzeichnung würde die Fläche an den Händler übergeben. Das könnte in den nächsten Wochen passieren, so Schell. Geplant seien außerdem „neue, hochwertige Konzepte aus Einzelhandel und Gastronomie mit Nutzern, die bislang nicht in der Haller City vertreten waren“. Drei bis vier zusätzliche Anbieter könnten den Vorkassenbereich sowie eine freie, 40 Quadratmeter große verglaste Ladenfläche beleben.

Bei der Retail-Group handelt es sich um das Unternehmen von Falko Streber, der die GWG bereits bei der Erstvermietung des Kocherquartiers unterstützt hat. „Und dort hat es im Kernbereich seit der Eröffnung 2011 keinen Mieterwechsel gegeben“, berichtet Streber über den Erfolg. Zu seinen Referenzen gehören in Stuttgart unter anderem das Gerber, der Kronprinzbau und das Postquartier, außerdem der Junghof in Frankfurt sowie das Quartier Unterlinden in Freiburg.

Experte sieht Potenzial

„Wir haben uns die Struktur in Hall angeschaut“, so Streber. Die Neue Straße verlaufe gerade durch die Innenstadt und führe vom Marktplatz bis hin zum Ritter-­Areal. Hall mit 40.000 Einwohnern biete ausreichend Potenzial für eine 400 Meter lange Fußgängerzone. Das Ritter-Areal sei „grundsätzlich geeignet“ und könne zusätzlich zum Kocherquartier funktionieren. „In Stuttgart haben wir mit dem Milaneo eine andere Situation. Wer dort einkauft, fehlt auf der Königsstraße. Wer aber im Kocherquartier einkauft, für den ist das Ritter-­Areal nicht weit.“

Voraussetzung sei ein passender Mietermix. Neben Biomammut und Tedi fehle ein Händler „mit starker Magnetkraft“. Dieser sei nun gefunden und biete „Waren des täglichen Bedarfs“, so Streber, der weder Namen noch Branche nennt. Nur so viel: „Es wird kein Discounter, sondern ein bekannter Anbieter mit qualitativen Produkten, der ein neues Konzept ausrollen will.“

Es gebe zudem mehrere Interessenten für die kleineren Flächen. Möglich sei eine Bewirtung in der Vorhalle sowie im Außenbereich. Aber erst mit dem unterschriebenen Vertrag des großen Anbieters könne es in die konkrete Planung der Kleinflächen gehen. „Wenn es mit dem Ankerkonzept nicht klappt, verhungern sie an dieser Stelle“, so Streber.

Region

Hoffnung nicht aufgegeben

Tatjana Mamaev hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass irgendwann wieder mehr Menschen ins Ritter kommen. „Als der Kaufland noch da war, war bei uns immer etwas los“, sagt die Betreiberin des Tabak- und Zeitschriftengeschäfts. „Jetzt spüren wir den Rückgang doch deutlich.“ Sie hat durchgehalten. Anders die Betreiber der Metzgerei und des Friseursalons, die noch vor Eröffnung der Biomammut-Filiale das Ritter-Areal verlassen haben.

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