Schwäbisch Hall Kaufland schließt Stadt-Filiale - Nachmieter wird gesucht

Die Kaufland-Filiale von der Heimbacher Gasse aus gesehen.
Die Kaufland-Filiale von der Heimbacher Gasse aus gesehen. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / THUMILAN SELVAKUMARAN 18.11.2014
Der Neckarsulmer Konzern Kaufland will seine Filiale in der Haller Innenstadt Ende Januar 2016 ersatzlos schließen. Den 50 Voll- und Teilzeitkräften sollen alternative Stellen angeboten werden.
Kaum zwei Monate ist es her, da hat die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe im Steinbeisweg einen neuen Vollsortimenter auf rund 6000 Quadratmetern eröffnet und das bestehende Kaufland-Gebäude gegenüber verkauft. Nun kündigt der Konzern an, den Markt in der Johanniterstraße in der Haller Innenstadt Ende Januar 2016 zu schließen. Der Mietvertrag endet einen Monat später.

"Eingehende Prüfungen haben gezeigt, dass eine Weiterführung dieses Standortes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf Dauer nicht möglich ist", teilt Konzernsprecherin Christine Axtmann auf Nachfrage mit. "Die bestehende Filiale erfüllt nicht mehr unsere aktuellen Anforderungen, um unseren Kunden eine attraktive und moderne Einkaufsstätte bieten zu können." Die Entscheidung sei "vollkommen unabhängig von den Maßnahmen im Steinbeisweg" getroffen worden, so Axtmann weiter. Bereits im Sommer hatten sich entsprechende Hinweise verdichtet. Kaufland wollte diese aber bislang nicht bestätigen und erklärte nur so viel: Nach der Neueröffnung im Steinbeisweg solle "die Ausrichtung am Standort Schwäbisch Hall in der Gesamtheit" betrachtet werden, so Axtmann im Juni.

Jetzt wird die Entscheidung auch öffentlich gemacht. "Die rund 50 Mitarbeiter bekommen, entsprechend ihren bestehenden Arbeitsverträgen und Vereinbarungen, Arbeitsplätze in den umliegenden Kaufland-Filialen angeboten", versichert Axtmann.

Die Mitarbeiter treffe diese Entscheidung hart, sagt der Heilbronner Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Müssig. Noch am Donnerstag habe er bei einer Veranstaltung in Hall Oberbürgermeister Pelgrim um Aufklärung bei den kursierenden Schließungsgerüchten gebeten. "Irgendwie wissen alle Bescheid außer den Beschäftigten", schimpft Müssig.

Erst im April habe sich ein Betriebsrat in der Johanniterstraße formiert. Für kommende Woche war ohnehin eine Betriebsversammlung geplant gewesen, um über mögliche Aktionen zu diskutieren. Skeptisch sieht Müssig das Angebot mit Ersatz-Arbeitsstellen in umliegenden Filialen. "Die passen nicht immer, etwa wenn ein Kollege in Vollzeit woanders nur Teilzeit arbeiten kann."

"Wir stochern im Nebel"

Bei der Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) laufen bereits Gespräche für die künftige Nutzung. Die städtische Tochter hatte das Marktgebäude mit einer Gesamtfläche von 3270 Quadratmetern im Jahr 2000 zunächst für Tengelmann bauen lassen. Nach der Absage des Vertragspartners war Kaufland eingesprungen. Auch nach dem Auszug wünscht sich Wolf Gieseke, GWG-Geschäftsführer, "innenstadtrelevanten Handel mit Anspruch". Das könnten neben einem Vollsortimenter auch ein Mode- oder Sportgeschäft sein. "Jetzt stochern wir im Nebel. Es kann in jegliche Richtung gehen."

Unzufrieden ist Gieseke mit dem Hof auf der Gebäuderückseite. Der Platz wird von der Trinkerszene genutzt. Der komplette Bereich müsse neu konzipiert und vielleicht umgebaut werden. "Dies ist aber nicht nur Aufgabe der GWG, sondern auch die der Stadt." Auch in Richtung Heimbacher Gasse könnten Anpassungen nötig werden. Der Bereich wird von kommender Woche an zur Fußgängerzone umgestaltet.

Die Kaufland-Beschäftigten wollen kämpfen