Schwäbisch Hall / LAURA ALVIZ Eine Gruppe organisieren, eine Station koordinieren oder den Dienstplan erstellen: Katharina Wirth und Sabine Flinner haben dies und mehr bei ihrer zweijährigen Weiterbildung an der Evangelischen Fachschule gelernt.

"Ich liebe meine Arbeit als Erzieherin, das war mein Kindheitstraum. Meine Kindergärtnerin damals hieß auch Katharina, und sie war mein Vorbild", erzählt Katharina Wirth. Die 27-Jährige leitet den Kindergarten in Untermünkheim. Klar, sie mag ihren Job sehr, aber sie verspürte den Drang, etwas dazulernen zu wollen und freut sich "über die Abwechslung, die eine Führungsposition mit sich bringt".

Ähnlich ging es Sabine Flinner, die nun als stellvertretende Stationsleiterin im Haller Diakonie-Klinikum arbeitet: "Ich wollte zusätzlich zu meiner Ausbildung noch eine Qualifikation in der Hand haben. Eine Freundin machte mich auf den Informationstag hier im Haus aufmerksam. Schließlich entschied ich mich für den Kurs, weil mir Organisation Spaß macht." Ihr Freundeskreis profitiert bereits seit Jahren von ihrem Organisationstalent - etwa bei Geburtstagsfeiern.

Katharina Wirth und Sabine Flinner kennen sich schon länger, seit der Weiterbildung sind sie Freundinnen. "Auch für andere Kontakte aus dem Kurs bin ich sehr dankbar. Wenn ich eine berufliche Frage habe, dann wende ich mich an die Erzieherinnen, die ich bei meiner Ausbildung zur Fachwirtin kennenlernen durfte", erklärt Wirth. Die beiden Frauen haben von 2012 bis 2014 die Weiterbildung an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik im Bereich Organisation und Führung besucht. Seit der bestandenen Abschlussprüfung sind sie "Fachwirtinnen für Organisation und Führung im Bereich Sozialwesen".

Wirth: "Ich hätte mich sonst nicht einmal beworben"

Diese Angebot gibt es dort seit 15 Jahren und steht allen Personen offen, die in den Gesundheits- und Sozialberufen tätig sind. Martin Berger, Leiter des Bildungszentrums, erklärt: "Das Aufbautraining ist mittwochs ab 18 Uhr und freitags ab 15 Uhr. Außerdem beansprucht es in jedem der zwei Jahre zehn Samstage und eine Blockwoche." Derzeit gibt es 14 Kursteilnehmer.

Sabine Flinner wollte mit der Weiterbildung ihr Aufgabenfeld als Pflegerin vergrößern. Mit Katharina Wirth ist sie sich darin einig, dass sie ihre aktuellen Arbeitsstellen ohne die Fortbildung nicht erhalten hätten. "Ich hätte mich wahrscheinlich nicht einmal beworben", räumt die Kindergartenleiterin ein. "Das ist ein weiterer Vorteil des Programms", wirft Martin Berger ein, "die Teilnehmer werden dadurch mutiger". Die beiden Fachwirtinnen bestätigen dies mit vehementem Nicken.

Sabine Flinner hat vor allem gefallen, dass die Weiterbildung freiwillig ist: "Ich hatte Lust auf den Kurs und somit fiel mir das Lernen leichter, als wenn ich von meinem Arbeitgeber dazu aufgefordert worden wäre." Einige Inhalte, die ihr bei der Fortbildung begegneten, kannte die stellvertretende Stationsleiterin bereits aus ihrer Ausbildung. "Pflegetheorien hätte ich nicht unbedingt nochmal wiederholen müssen, aber völlig fehl am Platz war die Einheit auch nicht", meint sie.

Der Anteil der Erzieher und Pfleger sei seit jeher ausgeglichen, sagt Schulleiter Martin Berger und erklärt, wie das Kurssystem für die unterschiedlichen Berufsgruppen funktioniert: "In ihren jeweiligen Berufsfeldern unterrichten wir die angehenden Fachwirte getrennt. Organisation, Führung, Wirtschaft und Recht lernen sie gemeinsam." Er bedauert, dass die Hospitanz im Jahr 2009 angeschafft wurde. Davor war es für die Teilnehmer stets Pflicht, in eine Einrichtung der jeweils anderen Berufsgruppe hineinzuschnuppern.

Sabine Flinner sieht den fächerübergreifenden Ansatz der Weiterbildung als Chance: "Ich war nie besorgt darüber, dass der pädagogische Fokus des Unterrichts gegenüber dem pflegerischen überwiegen könnte." Katharina Wirth ist davon überzeugt, dass Berufstätige den Kurs auch ohne großen Stress meistern können. Allerdings: "Durchhaltevermögen brauchte ich schon", sagt sie, "aber es zahlt sich jetzt und in meiner beruflichen Zukunft aus."

Info Die nächste Informationsveranstaltung zur Weiterbildung ist morgen, Mittwoch, um 19 Uhr in der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Hall. Die Fortbildung kostet etwa 2000 Euro und kann mit Bafög bezuschusst werden.

Zu den Personen

Katharina Wirth ist 27 Jahre alt und lebt in Schwäbisch Hall-Gelbingen. Sie ist ledig und hat keine Kinder. Nach ihrem Realschulabschluss absolvierte sie ihre Ausbildung zur Erzieherin an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik. Zeitgleich mit ihrem Abschluss erreichte sie die Fachhochschulreife.

Sabine Flinner wohnt in Schwäbisch Hall. Die 28 Jahre alte und ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin am Diak besuchte ebenfalls die Realschule. Sie ist ledig und hat keine Kinder. laz