Wenn sie aus ihrem Leben erzählte, dann in flotten und anschaulichen Sätzen. Ihre Hände waren stets in Bewegung und die Lachfältchen um ihre Augen zeugten von ihrem fröhlichen Wesen, mit dem sie die Menschen für sich einnahm: Katharina Hartmann. In den vergangenen Monaten war es ruhiger um die sonst so umtriebige Braunsbacherin geworden. Als vor etwa einem Jahr eine gute Freundin starb, mit der sie sich immer austauschte, habe sie das schwer getroffen, berichtet Katharina Hartmanns Tochter Monika Eisenmann traurig. Ihr sei es manchmal so vorgekommen, als ob ihre Mutter den Lebensmut ein wenig verloren habe, ihre Kräfte ließen nach. Aber nicht ihre Dankbarkeit für ein erfülltes Leben – das sei auch in den letzten Tagen spürbar gewesen. Katharina Hartmann ist am vergangenen Donnerstag, 5. März, im Alter von 87 Jahren gestorben.

Ihr Leben lang hat sich Katharina Hartmann vom christlichen Glauben getragen gefühlt. Geboren wurde sie am 13. August 1932 in Zulb in Südmähren. Sie erlebte eine unbeschwerte Kindheit. „Vom Kriegsgeschehen haben wir wenig mitbekommen“, erzählte sie einmal. Doch 1945 musste sie mit ihrer Familie die Heimat verlassen. Auf der Flucht durch Österreich sei ihr 13. Geburtstag „mit Pellkartoffeln und Schwarztee“ gefeiert worden, erzählte sie. Im Frühjahr 1946 kam die Familie ins Kochertal und bei Bauern in Orlach unter. Schließlich ließ sich die Familie in Braunsbach nieder.

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Als junge Frau hat Katharina Hartmann gemeinsam mit ihrer Schwester in Braunsbach eine kleine Näherei angefangen. Ihren Mann Heinz lernte sie 1956 in Winnenden kennen. Er kam nach Braunsbach, baute am Hang zum Schaalhof das Haus, in dem vier gemeinsame Kinder aufwuchsen. Heinz Hartmann war Autor Hunderter Bergromane. Von ihm habe sie die korrekte Rechtschreibung erlernt, erzählte sie 2014 als Talkgast bei den Braunsbacher Wintergesprächen. Apropos Kinder – mit ihnen konnte Katharina Hartmann schon immer gut umgehen. Das war vor vielen Jahren auch dem katholischen Pfarrer aufgefallen: Ob sie Religionsunterricht halten wolle, fragte er. Sie zögerte, aber dann absolvierte sie, die eigentlich gar keinen richtigen Schulabschluss hatte, ein Theologie-Fernstudium und bestand als Beste. Generationen Braunsbacher Grundschulkinder gingen zu Katharina Hartmann in den Religionsunterricht. Sie unterrichtete auch in Gottwollshausen, Michelfeld, Bibersfeld und in der Haller Waldorfschule.

Zudem war sie die „Mutter“ der Braunsbacher Sternsinger. Vor fast 50 Jahren hat sie den Brauch im Kochertal eingeführt und wurde nie müde, sowohl Kindergartenkinder als auch Teenager dafür zu motivieren. Auch den ökumenischen Kirchenchor in Braunsbach hat sie mitgegründet. Überhaupt lag ihr die Ökumene immer sehr am Herzen.

Als Katharina Hartmann ins Rentenalter kam und die erwachsenen Kinder aus dem Haus waren, stieß sie vor fast 30 Jahren auf die Grünen Damen im Diak, die ökumenische Krankenhaushilfe. Ihre Erfahrung mit den Patienten: „Die Leute haben oft niemanden, der ihnen zuhört, aber ich habe Zeit dafür.“ Bis Ende 2017 war sie dort ehrenamtlich aktiv. Für ihr Engagement hat sich auch die Martinus-Ehrennadel der Diözese Rottenburg-Stuttgart erhalten.

Ihren Mitmenschen begegnete Katharina Hartmann stets mit einem Lächeln – und mit viel Verständnis. Ihr Frohsinn war ansteckend. Aber sie musste auch Schicksalsschläge verkraften – der frühe Tod eines Sohns und einer Enkelin. Wenige Monate vor ihrem 80. Geburtstag starb ihr Mann Heinz. Doch Katharina Hartmanns christlicher Glaube, ihre tief empfundene Religiosität gaben ihr Halt, Trost und Kraft.

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Den Mitmenschen zugewandt

Ihre positive Art, ihre Fähigkeit, vorbehaltlos auf andere Menschen zuzugehen und niemals nachtragend zu sein, das hat auch Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch tief beeindruckt: „Sie hat ihren christlichen Glauben im Alltag wirklich gelebt.“ Er hat die frühere Religionslehrerin kennengelernt, als er jemanden suchte, der die Geschichte vom „Mädchen von Orlach“ für die Bühne aufbereiten kann – und so stieß er auf Katharina Hartmann. Geschrieben hat sie quasi schon immer: biblische Rollenspiele für Kinder, Erinnerungen an ihre Heimat. Und dann eben auch Bühnenstücke. Sie wurde als Autorin, unter anderem von Stücken wie „Der Ölfund von Döttingen“, „Jungferngift“ oder „Die Trutzige“, und als Regisseurin zu einem wichtigen Motor der Braunsbacher Theatergruppe. Und sie habe es geschafft, die unterschiedlichen Charaktere in der Gruppe miteinander zu verbinden, sagt Harsch dankbar – „eine eindrucksvolle Persönlichkeit und ein absolutes Vorbild“.

Info


Die Trauerfeier für Katharina Hartmann ist am Freitag, um 14 Uhr in der katholischen Kirche in Braunsbach.