Das Werkhof-Team ist schnell und präzise: Bereits um 10 Uhr zeugt nur noch der Stumpf im quadratischen Beet, dass dort bisher eine mächtige Kastanie stand. Die zwischen 60 und 70 Jahre alte Rosskastanie ist in wenigen Stunden gefällt. Zwei weitere Kastanienbäume verbleiben vorerst auf dem Platz. Ihr gefallener Gefährte soll bereits am heutigen Freitag durch eine rund 4,5 Meter hohe Winterlinde ersetzt werden.

Als Grund für die Fällaktion nennt Robert Gruner, Pressesprecher der Stadtverwaltung, "Vitalitätsschäden und Wuchsprobleme". Zwei Fachagrarwirte für Baumpflege, die beim städtischen Werkhof beschäftigt sind, hätten zu diesem Schritt geraten. Die Stadt habe die Pflicht zur "Verkehrssicherheit". Der Wurzelstumpf, so unabhängige Experten, habe allerdings keine Anzeichen einer Erkrankung erkennen lassen. Robert Gruner bestätigt, dass man die Kastanie auch noch hätte stehen lassen können.

Zuletzt hatte der Baumexperte Dr. Lothar Wessolly im März 2013 die Bäume auf dem Sparkassenplatz auf ihre Standfestigkeit untersucht. Einzelne Stützmaßnahmen, so Gruner, seien daraufhin vorgenommen worden. Doch vor allem die verdichtete Bauweise des Platzes, benachbarte Kabelschächte und das Pflaster hätten den Baum in seinem Wachstum gestört. Diese Sorge hatte der inzwischen verstorbene SPD-Stadtrat Dieter Vogt bereits 2006 beim Umbau des Platzes geäußert. Aufgrund der Tiefbauarbeiten drohten die Kastanien abzusterben. "Man muss sich energisch und intensiv darum kümmern, dass diesen Bäumen nichts passiert", so Vogt damals, "das wäre sonst eine Katastrophe für den Platz".

Weitere Fällaktionen in der Innenstadt sind in der nächsten Woche geplant. Dann sollen auf dem Parkplatz vor dem Solebad rund 50 Bäume dem geplanten Neubau eines Ärztehauses weichen.