Für den Gemeinderat kam das Thema recht überraschend. Erst kürzlich hat er beschlossen, die beiden Höfe Avenmühle und Kreidelhaus mit einer Druckleitung an das Abwassersystem anzuschließen, von einer umfassenden Modernisierung der Abwasserentsorgung war aber nicht die Rede. Das hat sich inzwischen geändert. Vor allem die beiden Teichkläranlagen in Halden und Fronrot arbeiten laut Landratsamt nicht gut genug. Sie sollten nach Meinung der Fachbehörde stillgelegt und das Abwasser zentral in Bühlertann gereinigt werden. Matthias Strobel, Experte für Abwassertechnik, erklärte dem Gremium die Schwachstellen der bisherigen Abwasserreinigung. Die Reinigungswirkung der Klärteiche entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen. Dazu komme, dass der Sauerbach und der Avenbach als natürliche Vorfluter für den Abfluss aus den Teichanlagen zu schwach sind.

Austausch dringend nötig

Die 1999/2000 sanierte Kläranlage in Bühlertann stoße bei der biologischen Reinigung an ihre Grenze. „Mit dem neuen Gewerbegebiet Hag würde die Kläranlage gerade noch reichen, mit der Erschließung des Baugebiets Lichse müssen wir die Kläranlage aber ohnehin erweitern“, so Dambacher. „Nach 17 Jahren müssen auch bestimmte Teile wie Pumpen, Mess- und Steuertechnik und Sandfang ausgetauscht werden“, erklärte Strobel.

Der Ingenieur soll für die Gemeinde ein Gutachten erstellen, das verschiedene Möglichkeiten aufzeigt, die Abwassersituation und damit die Belastung der Gewässer und des Grundwassers zu verringern. Voraussetzung dafür sind zunächst ökologische Untersuchungen von April bis Juni am Avenbach und der Bühler jeweils vor und nach dem Zufluss aus der Kläranlage. Dabei wird unter anderem der Gehalt an Kleintieren und Kieselalgen untersucht, beides sind Indikatoren für die Wasserqualität.

Ausgehend von den Ergebnissen vergleicht Strobel die Investitions- und Betriebskosten folgender Varianten: Erweiterung oder Neubau der Kläranlagen in Halden und Fronrot plus Erweiterung der Kläranlage (KA) Bühlertann; als zweite Alternative eine gemeiname KA für Halden und Fronrot plus Erweiterung der KA Bühlertann und drittens eine zentrale Lösung, für die beide KA in den Teilorten stillgelegt werden, das Abwasser nach Bühlertann geleitet und dort in einer entsprechend erweiterten KA gereinigt wird. Außerdem fordert das Landratsamt, einen möglichen Anschluss des Heuhofs und der Vetterhöfe zu prüfen und gemeinsame Lösungen mit Nachbarkommunen zu betrachten.

„Das Land favorisiert Zusammenschlüsse, weil die Betriebssicherheit von größeren Anlagen höher ist und weil eine spätere Aufrüstung wegen gestiegener Anforderungen an einem Standort günstiger ist“, erklärt Strobel.

Einige Gemeinderäte sind angesichts dieser unvorhergesehenen Aufgaben recht erschrocken, zumal Dambacher klarstellte, dass Investitionen im Abwasserbereich schnell in die Millionen gehen. Aber das Land fördere solche Maßnahmen mit bis zu 80 Prozent“, beschwichtigte er. Auch beim Gutachten übernimmt das Land voraussichtlich die Hälfte der Kosten von 32 256 Euro.

Laut Landratsamt wird ein Strukturgutachten mit gewässerökologischen Untersuchungen meist dann erstellt, wenn die Hauptkläranlage wie hier in Bühlertann erweitert werden soll. Dazu müssen auch die Kläranlagen der Teilorte bewertet werden. Hintergrund ist, dass vor allem kleine Gewässer mit wenig natürlichem Abfluss (Ergänzung der Redaktion: wie etwa der Avenbach) nicht den guten Zustand haben, wie es die Europäische Wasserrichtlinie fordert. Das Strukturgutachten soll die wasserwirtschaftlich beste und wirtschaftlichste Lösung aufzeigen. Solche Gutachten wurden und werden auch in Wallhausen/Satteldorf, Gaildorf/Sulzbach/Laufen, Ilshofen und Kreßberg erstellt. Teilortkläranlagen wurden etwa in Braunsbach, Untermünkheim und  Michelbach/Bilz im Zuge von Kläranlagenerweiterungen stillgelegt.

Mindestanforderungen der Abwasserverordnung


Die Einleitungswerte aus Kläranlagen in Gewässer legt der Bund fest. Das sind Mindestanforderungen. Weitergehende Anforderungen können sich aus den gewässerökologischen Untersuchungen ergeben. In der Regel immer dann, wenn das Verhältnis der Abwassereinleitung zum natürlichen Abfluss im Gewässer sehr hoch ist.