Schwäbisch Hall Kantorei an St. Michael führt Werke von Komponistinnen auf

Schwäbisch Hall / BLO 21.11.2013
Beim Konzert am Ewigkeitssonntag in der Haller Michaelskirche haben die Frauen das Sagen: Aufgeführt werden Werke von Fanny Hensel und Lili Boulanger. Die Leitung hat ebenfalls eine Frau: Ursl Belz-Enßle.

Bach, Beethoven, Mozart, Mendelssohn - bekannte Komponisten sind meist Männer. In der Haller Michaelskirche wird am Sonntag, 24. November, ab 18 Uhr aber der Blick auf zwei Komponistinnen gelenkt: Fanny Hensel-Mendelssohn (1805 - 1847) und Lili Boulanger (1893 - 1918). Ursl Belz-Enßle - sie und ihr Mann Kurt Enßle sind Kantoren an St. Michael - hat Werke der beiden Frauen für das Konzert am Ewigkeitssonntag ausgewählt. Auf dem Programm stehen das "Oratorium nach Worten der Bibel" von Fanny Hensel, die eingerahmt werden von Vertonungen zum 130. und 24. Psalm der Französin Boulanger.

Solisten, Chor und großes Orchester werde zum Einsatz kommen. Neulich sei sie nach dem Probenwochenende in die Kirche geeilt und habe die Stühle aufgestellt - "ob wir auch alle Platz haben", erzählt Ursl Belz-Enßle lachend. Immerhin sind mehr als 40 Instrumentalisten und rund 100 Chorsänger beteiligt. Seit gut drei Monaten wird in der Kantorei für das Projekt geübt. Intensive Endproben stehen noch bevor.

Die beiden Werke in einem Konzert erklingen zu lassen, darauf freut sich die Haller Kantorin: "Das ist unglaubliche Musik, ganz intensiv." Und es werde spannend. Denn die Frauen und ihre Werke seien sehr unterschiedlich. Ursl Belz-Enßle liebt es, sich in der Vorbereitung auch in die Lebenswelt der Komponistinnen einzufühlen.

Fanny Hensel stand stets im Schatten ihres erfolgreichen Bruders Felix Mendelssohn. Es schickte sich nicht für eine Frau, als Komponistin öffentlich in Erscheinung zu treten oder Werke drucken zu lassen. Fanny Hensel komponierte für Aufführungen im Privaten. Das "Oratorium nach Bildern der Bibel" entstand 1831 im Gedenken an die Toten einer Cholera-Epidemie. "Sie muss es ganz schnell geschrieben haben, quasi innerhalb eines Monats", sagt Belz-Enßle. Die Texte zu dieser Trauerkantate stammen vor allem aus dem Alten Testament.

Lili Boulanger stammte aus einer Musikerfamilie und gilt als eine der ersten emanzipierten Komponistinnen. 1913 nahm sie am Wettbewerb um den Grand Prix de Rome teil - und gewann. Sie erhielt einen Aufenthalt in der Villa Medici in Rom. Außerdem schloss sie einen Verlagsvertrag ab, der ihr ein jährliches Gehalt sicherte. Im Alter von 24 Jahren starb sie an einem Lungenleiden.

Im Konzert in Hall erklingen ihre Kompositionen über die Psalmen 130 ("Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir") und 24 ("Machet die Tore weit"). Die Ausführenden sind Dorothee Tsalos (Sopran), Sophia Maeno (Alt), Johannes Kaleschke (Tenor), Thorsten Hülsemann (Bass), die Kantorei St. Michael und ein symphonisches Projektorchester in großer Besetzung. Und am Pult steht natürlich eine Frau: Ursl Belz-Enßle. Info Karten gibt es bei Musik an St. Michael unter Telefon (0791) 7483. Die Abendkasse ist ab 17 Uhr geöffnet. www.musikanstmichael.de

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