Umweltschutz Urteil: Bußgeld für Kahlschlag am Ziegeleiweg

Der Eigentümer der Wiese neben dem Wohngebiet Langenfelder Ziegelhütte ließ zehn Bäume fällen, da sie seiner Ansicht nach morsch waren. Das empörte Anwohner. Er würde das Gelände am liebsten verkaufen.
Der Eigentümer der Wiese neben dem Wohngebiet Langenfelder Ziegelhütte ließ zehn Bäume fällen, da sie seiner Ansicht nach morsch waren. Das empörte Anwohner. Er würde das Gelände am liebsten verkaufen. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 18.07.2018
Der Eigentümer einer Wiese muss nach der Rodung zehn Bäume pflanzen. Er prangert Fehler der Stadtverwaltung beim Ökoausgleich an.

Der Fall ging durch die Medien: Im ausgehenden Winter letzten Jahres wurden im Haller Gebiet Ziegeleiweg/Leghornhof zehn alte Obstbäume gefällt. Nach Ansicht von Naturschützern handelte es sich um eine alte Streuobstwiese. Der 63-jährige Eigentümer des betreffenden Grundstücks hatte um keine Genehmigung nachgesucht. Zuerst empörten sich die Anwohner, deren Häuser an das betreffende, nun kahl geschlagene Hanggrundstück reichen.

Der 63-jährige Vellberger wurde daraufhin von Naturschutzverbänden als Umweltfrevler gebrandmarkt. Die betreffende Fläche neben den Neubauten ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Das Haller Landratsamt, in diesem Fall das Bau- und Umweltamt als untere Naturschutzbehörde, leitete ein Bußgeldverfahren ein. Die Haller Stadtverwaltung schaute zu, obwohl sie, glaubt man dem betroffenen Grundstückseigentümer, in diesem Fall eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Seine Argumente hat der 63-jährige Vellberger jetzt in einer Verhandlung vor dem Schwäbisch Haller Amtsgericht vorgebracht. Der Termin folgte auf seinen Einspruch gegen den vom Landratsamt erlassenen Bußgeldbescheid über 950 Euro. Der Vellberger bestreitet nicht, dass er die zehn Bäume fällen ließ. Aber er sagt: „Die Bäume haben weder getragen noch wurden sie genutzt.“

Ausgleich auf privatem Grund

Und er holt weiter aus: Die Stadtverwaltung von Schwäbisch Hall hätte vor mehr als zehn Jahren, als an zwei Seiten seiner Grundstücksfläche eine private Bebauung genehmigt worden sei, Ausgleichsflächen schaffen müssen. Er selbst habe seinen Grund und Boden der Stadt zum Kauf angeboten, aber keine Reaktion bekommen.

Stattdessen werde er in die Pflicht genommen, für den entsprechenden Öko-Ausgleich zu sorgen: „Die Anwohner sehen das als Grünfläche, die sie nutzen können.“ Im Winter würden Kinder auf dem Gelände rodeln und skilaufen. Die Bäume seien morsch gewesen und hätten eine Gefahr dargestellt.

Sachbearbeiterin Simone Harms vom Haller Bau- und Umweltamt hat die Baumstümpfe fotografiert. Als sie die Bilder in der Verhandlung der Richterin Nicole Reichstädter vorlegt, kommentiert Harms: „Ich geh’ davon aus, die zehn hätten alle noch Jahre weiterleben können!“

Der Eigentümer aus Vellberg sieht das anders: „Die letzten Bäume waren vollkommen überaltert, Kronen kaputt, von Misteln befallen, von innen her verfault.“ Auch Richterin Reichstädter bezweifelt, dass es sich bei dem Zehn-Bäume-Grundstück um eine besonders geschützte Streuobstwiese gehandelt habe. Allerdings seien die Vorschriften für ein Landschaftsschutzgebiet zu beachten.

Als Zeugen hört Reichstädter den ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten des Haller Landkreises Manuel Braunger an. Er betrachtet die Fotos: „Einige Bäume waren gesund!“ Etwa 50 Prozent aber seien „erkennbar schlecht“ gewesen.

Am Ende reduziert die Richterin das verhängte Bußgeld von 950 Euro um mehr als die Hälfte: 400 Euro soll der Vellberger wegen der illegalen Baumfäll-Aktion bezahlen. „Schweren Herzens“, sagt sein Anwalt Wolfgang Gschwinder aus Schwäbisch Gmünd werde man diesen Betrag akzeptieren.

 Die Affäre um den Kahlschlag ist aber noch nicht zu Ende. Das Landratsamt verlangt von dem Vellberger, dass er zehn neue Bäume pflanzt. Damit ist der 63-Jährige nicht einverstanden. Nach wie vor hofft er, dass er mit der Haller Stadtverwaltung  ins Gespräch kommt, bevor über weitere Maßnahmen entschieden wird.

An anderer Stelle für Ausgleich gesorgt

Da Fledermaushabitate beim Bau des Wohngebiets unterhalb der  Bausparkassenzentrale gestört wurden, legte das Landrats­amt der Stadt Hall auf, einen Ausgleich zu schaffen. Nicht irgendwo, sondern direkt vor Ort. Das Problem nur: Die Stadt besitzt dort keine geeigneten Flächen. Statt das Grundstück von dem nun beschuldigten Vellberger abzukaufen, entschloss sich die Stadtverwaltung Hall, seine privaten Flächen als Ausgleichsflächen zu definieren. Der Mann reklamiert: Es wurde nicht mit ihm gesprochen. Dem widerspricht die Verwaltung. Doch nun erfolgte ein Umdenken. Der Ausgleich wird in Abstimmung mit der Umweltbehörde des Landratsamts an anderer Stelle geschaffen, steht in einer Antwort von Baubürgermeister Peter Klink auf eine Anfrage der Grünen am 21. August 2017. tob

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