Jugendarbeit integriert. Das hat Matilde Klink selbst erfahren. Die 18-Jährige zog 2014 mit ihrer Familie von Ravensburg nach Hall. Bald war klar, dass sie sich ehrenamtlich engagieren möchte. Ihre Familie ist gläubig, sie und ihre Geschwister konfirmiert. „Aber streng gläubig sind wir nicht“, sagt Matilde.

Die Mitarbeit im Haller Jugendwerk habe ihr den Neustart in der Stadt erleichtert. „In der Schule habe ich mich anfangs schwer getan“, blickt sie zurück. 2016 startete sie in der Haller Gesamtkirchengemeinde mit dem Trainee-Programm, der einjährigen Jugendleiterausbildung.  Matilde wirkte an Projekten mit, traf sich regelmäßig mit den anderen Teilnehmern und Betreuern, um zum Beispiel biblische Geschichten für Andachten aufzubereiten.

Früh Jugendliche ansprechen

Zur Trainee-Ausbildung gehört auch die Teilnahme an einem zweiteiligen Grundkurs, den jeder, der eine Jugendgruppe leiten möchte, auch gesondert ab circa 14 Jahren machen kann. An zwei Wochenenden geht es unter anderem um Aufsichtspflicht, Spiele, Pädagogik und mittlerweile auch um Prävention von sexueller Gewalt. Seit der Einführung des Bundeskinderschutzgesetzes 2012 ist dieses Thema stärker in den Jugendabteilungen etabliert – nicht nur bei der Kirche, sondern auch im Sport oder der Feuerwehr, weiß Daniel Veit, geschäftsführender Jugendreferent beim Kirchenbezirk Hall.

„Unsere Themen sind aber sonst weitestgehend gleich geblieben. Für uns hat sich aber die Herangehensweise geändert“, so Veit. „Die Jugendlichen, die sich für ein Ehrenamt interessieren, werden immer jünger, deshalb müssen die Themen auch altersgerechter aufbereitet werden“, erklärt Veit. „Die meisten fangen mit 13 oder 14 Jahren, eben nach der Konfirmation, an.“ Viele verlassen nach dem Schulabschluss die Stadt für Ausbildung oder Studium. „Wir versuchen deshalb, die Jugendlichen so früh wie möglich anzusprechen“, sagt Daniel Veit.

Wie ist es denn um die christliche Jugendarbeit in der Haller Gesamtkirchengemeinde bestellt? „Es klappt gut, Jugendliche für den Grundkurs oder das Trainee-Programm zu gewinnen und auch noch danach für einzelne Projekte, aber es ist schwer, jemanden dauerhaft zu binden“, so Veit. Die regelmäßige Verlässlichkeit fehle. „Vielleicht geht der Trend auch einfach dahin, dass es künftig Angebote gibt, die dann nur einmal im Monat stattfinden“, vermutet er.

Matilde hat die Jugendarbeit bisher so gut gefallen, dass sie nach ihrer Trainee-Ausbildung ein Freiwilliges Soziales Jahr in Hall begonnen hat. Träger ist das Diakonische Werk Stuttgart. „Ich fühle mich hier wohl und will mich weiter beteiligen, sagt die FSJlerin. Seit September hat sie drei Einsatzbereiche. Sie hilft weiterhin beim Jugendwerk, aber auch bei der Gesamtkirchenpflege und dem Haller Diakonieverband. Für letzteres steht sie im Brenz-Lädle. „Die Menschen, die zu uns kommen, haben das Bedürfnis, mit jemanden zu reden“, sagt Matilde. Sie hört gerne zu.

Als FSJlerin gestaltet sie auch das Trainee-Programm mit. Für sie war es spannend, die Perspektive zu wechseln und die Autoritätsperson zu sein. „Die Verantwortung tut mir gut. Ich lerne dadurch, selbstbewusster aufzutreten“, sagt Matilde. Es sei auch schön, die Entwicklung der rund zehn Trainees mitzubekommen.

Jeder kann kommen

Auch beim Grundkurs im Januar und Februar ist Matilde als Leiterin dabei, kümmert sich auch um Inhaltliches. Am meisten Spaß hat sie an den Themen Persönlichkeitsentwicklung, Rollenverständnis und Spielpädagogik.

Muss man eigentlich gläubig sein, um am Grundkurs oder dem Trainee-Programm mitmachen zu können? Veit gibt ein klares „Nein“ als Antwort. „Jeder kann kommen, egal mit welcher Religion.“ Aber: „Man muss sich schon bewusst sein, dass man sich mit biblischen Texten auseinandersetzen muss“, stellt Veit klar.

Manche kämen nur, weil ihre Freunde da sind. „Am Ende sind sie so motiviert, dass sich zum Beispiel freiwillig bei Jugendgottesdienstes engagieren“, spricht Veit aus Erfahrung. Auch das kann Jugendarbeit also bewirken.

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Anmeldung zum Grundkurs noch möglich


Der Grundkurs wird jedes Jahr vom evangelischen Bezirksjugendwerk angeboten. Der nächste findet vom 11. bis 13. Januar im Haller Brenzhaus und vom 22. bis 24. Februar im evangelischen Gemeindehaus in Sulzdorf statt. Die Anmeldung ist bis Sonntag, 6. Januar, möglich unter www.ejw-hall.de/2018/10/09/jetzt-zu-grundkurs-anmelden. Das Angebot richtetet sich an Jugendliche ab 14 Jahren.

Wer an dem Grundkurs teilgenommen hat, kann die Jugendleiterkarte, die Juleica, beantragen. Diese gibt es auch nach dem einjährigen Trainee-Programm. Außerdem bekommt man den „Qualipass“, ein Zertifikat des baden-württembergischen Kultusministeriums, das man Bewerbungen beilegen kann. ena