Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Die Stadtverwaltung gibt dem Projekt nach der Sommerpause eine zweite Chance. Falls sich die Teilnehmerzahl bis zum Jahresende nicht erhöht, droht dem neuen Angebot das Aus.

Schüler hatten 700 Unterschriften gesammelt, um einen Jugendraum einzufordern. Im Zuge des Jugendforums 2017 kam die Idee auf. Der Raum ist nun da. Die Jugendlichen sind weg.

„Im Schnitt wurde der Treff von vier Jugendlichen am Tag besucht“, berichtet Sozialpädagoge David Engelhardt, der als Mitarbeiter der städtischen Kinder- und Jugendarbeit den Raum im Alten Schlachthaus seit dem 18. Mai betreut. Doch an manchen Tagen war der 27-Jährige allein. Null Besucher werden in der Statistik verbucht. An einem Dienstag kamen einmal 20 Jugendliche. Das war Rekord. Zwischen 13 und 16 Uhr herrscht Ebbe. In den Abendstunden bis 22 Uhr waren mehr da. Im Sommer ist der Jugendraum geschlossen. Dann benötigt der Heimbacher Hof alle seine Sozialpädagogen, um die vielen Freizeiten zu leiten.

Der Verwaltungs- und Finanzausschuss in Hall genehmigt mit einer Gegenstimme den Wunsch von Jugendlichen. Im April soll eröffnet werden. Das Kleine Theater Hall hat Bedenken.

An David Engelhardt kann es offensichtlich nicht liegen. Er ist ein freundlicher, aufgeschlossener Sozialpädagoge, der die Zielgruppe kennt. Er würde die Jugendlichen nicht überwachen, ziehe sich eher hinter der Theke zurück, um nicht zu stören. Als Verantwortlicher für den städtischen Jugendraum sei Personal über 18 Jahren nötig. Doch so wild wie befürchtet scheinen die Besucher nicht zu sein. Kein einziges Bier wurde verkauft.

David Engelhardt ist guter Hoffnung, dass nach der Sommerpause mehr Jugendliche kommen. Kurz vor Ferienbeginn hätte sich eine kleine Stammgruppe gebildet. „Die ersten Jugendlichen kamen auch wiederholt. Das ist wichtig, damit das Konzept nicht nur aus Bespaßen und Raumbieten besteht, sondern wir in Beziehung treten können“, sagt er. Damit der Raum bekannt gemacht wird, würde er auch mal eine Runde durch die Innenstadt drehen und Jugendliche ansprechen.

Raum sucht Nutzer

Astrid Winter vom städtischen Fachbereich für Jugend, Schule und Soziales will die Botschaft vermitteln, dass einiges getan werde. „Bis Ende des Jahres sollte der Raum aber angenommen werden“, sagt sie. „Auf Dauer wird es nicht möglich sein, einen Raum für nur vier Jugendliche dauerhaft zu blockieren. Wir erwarten, dass die Jugendlichen Flagge zeigen.“

Die Pächterin des Alten Schlachthauses war sauer, dass ihr ein Raum weggenommen wurde. Lena Neumann schreibt im Internet: „Damit ein paar Jugendliche in einem leeren weißen Raum Platz nehmen können, werden dafür massiv die Möglichkeiten der Gastronomie beschnitten und bisherige zahlungskräftige, langjährige und verlässliche Saalmieter vor die Türe gesetzt.“

Im Kulturzentrum in der Haalstraße soll ein Jugendraum eingerichtet werden. Bisherige Nutzer sehen Konfliktpotential.

FWV-Fraktionssprecher Hartmut Baumann ist einer der „Paten“, der die Jugendlichen und die Vertreter der Stadtverwaltung auf dem Weg zum Jugendraum begleitet hat. Haben die „Paten“ versagt? „Ich war immer skeptisch bei Dingen wie einem Jugendgemeinderat“, sagt Baumann auf Nachfrage.

Das Angebot für Jugendliche sei eben sehr groß in Schwäbisch Hall, wenn man einmal die populären Sommerfreizeiten als Beispiel nimmt. Am Standort Innenstadt könne es nicht liegen: „Das war ja immer der Wunsch der Jugendlichen.“ Er sei nicht überrascht, dass es scheitern könnte. Baumann: „Man hat aber auch nicht viel kaputt gemacht.“ Er vermutet: „Vielleicht ist es das Privileg der heutigen Jugend, dass sie zu allem hingetragen werden will.“ Sozialpädagoge David Engelhardt hat bei den Jugendlichen nachgehakt, warum so wenige kommen. Sie haben ihm geantwortet, dass sie lieber im Freien seien bei der Hitze oder eben im Schenkenseefreibad.

Ab der zweiten Schulwoche nach den Sommerferien wollen die Verantwortlichen dem Raum eine zweite Chance geben. Bei einem Graffiti-Workshop sollen Farben an die derzeit weißen Wände kommen (auf abnehmbare Leinwände). Zudem sollen die Öffnungszeiten angepasst werden, eine Werbeoffensive wird gestartet und der Raum beim nächsten Jugendforum beworben. Und wohl am wichtigsten: Es wird endlich WLAN im Raum geben.

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Auswahlprozess für Schlachthaus-Pächter läuft

Die Wirtin Lena Neumann, die das Alte Schlachthaus seit 2012 betrieben hat, hört Ende September auf. Sie verlässt Schwäbisch Hall. Als Grund gibt sie im Internet an, dass sich Gaststätte samt Kulturzentrum nicht so einfach wirtschaftlich betreiben lassen. „Wir haben das Gebäude daher im Mai neu ausgeschrieben und einige vielversprechende Bewerber für die Gastronomie gewinnen können“, teilt die städtische Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft mit. Sie vermietet das Gebäude. Der Auswahlprozess dauere allerdings noch an. „Genau wie Frau Neumann wird aber in jedem Fall auch der neue Pächter die Saalverwaltung im Auftrag der Stadt mit übernehmen. Der Verzahnung von Kultur und Gastronomie wird an dieser Stelle, wie bisher, eine besondere Bedeutung zukommen.“ tob