Praktikum Jugendliche aus Namibia machen Praktika in Hall

Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek 05.12.2018
Vier Jugendliche aus Windhoek, Namibia, schnuppern derzeit in Haller Betriebe rein. Darunter Maria Garoes und Festus Garoeb. Sie arbeitet im Hotel Goldener Adler, er in der Kläranlage Vogelholz.

Gut gelaunt bindet sich Maria Garoes ihre Schürze um. Sie beginnt die Salatteller in der Küche des Hotels Goldener Adler mit Sprossen zu dekorieren. Maria ist eine von vier Praktikanten aus der Waldorf School Windhoek in Namibia, die zur Zeit in Betrieben in Schwäbisch Hall hineinschnuppern. „Ich helfe Teller zu dekorieren, habe schon eine Suppe mitgekocht und auch schon Pommes gemacht“, erzählt die 17-Jährige.

Sie lernt seit dem Kindergarten Deutsch. Trotzdem habe sie ein bisschen Schwierigkeiten mit der Sprache. Sie versteht zwar viel, aber die richtigen Worte zu finden, fällt ihr nicht immer leicht. Auch der Wechsel zwischen Deutsch, Englisch, Afrikaans und den Dialekten Damara und Herero macht es für sie nicht einfacher.

Angst vor dem ersten Flug

Aber sie ist begeistert, das erste Mal in Deutschland zu sein und ist froh, dass ihre Schule sie ausgewählt hat. Ein bisschen Angst hatte sie vor ihrem ersten Flug. „Ich war schon mal in einen Autounfall verwickelt“, sagt sie leise. Im Flugzeug habe sie sich wieder wie damals gefühlt, eingeengt in einem kleinen Raum.

Ihr Bruder Festus Garoeb habe keine Angst gehabt. Er macht derzeit ein Praktikum in der Kläranlage Vogelholz. „Ich möchte eine Ausbildung zum Elektriker machen und habe nie daran gedacht, in einer Kläranlage zu arbeiten“, erzählt er. Fasziniert ist er trotzdem. „In Namibia ist die Kläranlage nicht so groß.“ Erstaunt ist der 18-Jährige von der Technologie, die es in Deutschland gibt. „Sie ist eine große Unterstützung, in Namibia müssen wir noch viel mit den Händen machen.“

Dafür seien die Menschen hier zu Lande nicht so fröhlich. „In Afrika grüßen wir immer.“ Sowohl Maria als auch Festus fällt die Stille in Hall auf. „Die Menschen sind so leise hier“, sagen sie übereinstimmend. Bei ihnen ginge es meistens laut und fröhlich zu. So auch zu Weihnachten. Acht Geschwister sind sie und „unsere Oma hat alleine zehn Geschwister“, erzählt Festus. Gefeiert wird jedes Jahr auf einer Farm. Unter einem Plastikweihnachtsbaum aber bei einem großen Festessen. „Wir kochen zusammen und es wird eine Ziege oder ein Esel geschlachtet“, so Maria, die wie ihre Familie dem apostolischen Glauben angehört. Außerdem sitzen sie gemeinsam ums Lagerfeuer und die Großeltern erzählen Geschichten, ergänzt Festus. Aber warum wird an Weihnachten ein Tier geschlachtet? „Das zeigt, dass unsere Familie wohlhabend ist.“ Sie seien zwar nicht reich, schränkt Maria ein, aber sie hätten alles, was sie brauchen.

Beide möchten auch gerne nach dem Praktikum wieder nach Deutschland kommen, um eine Ausbildung zu machen. Maria würde gerne in einem Altenheim arbeiten. Sie hat in einem solchen schon in ihrer Heimat Erfahrungen gesammelt.

Sie vermissen aber die Sonne, das warme Wetter. Festus haben die Mitarbeiter der Kläranlage Vogelholz in eine dicke orange Jacke gesteckt und ihm Handschuhe gegeben, damit er nicht friert. Trotzdem hoffen die Geschwister, in ihren letzten zwei Wochen in Hall das erste Mal in ihrem Leben Schnee zu sehen.

Projektpartnerschaft seit 2015

Seit dem 25. November und bis 15. Dezember machen Maria Garoes (Hotel Goldener Adler), Festus Garoeb (Stadt Hall Kläranlage), Keity Hochobes (Hotel Hohenlohe) und Veka Kahuure (Windmüller Bad und Heizungen) ein Praktikum in Hall. Sie sind untergebracht in Gastfamilien. Die Kooperation zwischen Hall und der Waldorf School Windhoek besteht seit 2015. Jährlich fließt ein Prozent des Gewinns der Haller Beteiligungsgesellschaft in die Partnerschaft. kv

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