Theater Jonathan Messerschmidt spielt in „Dracula“

Schon als Kind wusste Jonathan Messerschmidt, der in „Dracula“ bei den Burgschauspielen Leofels spielt, dass er schauspielern möchte. Der 17-Jährige verkörpert die Rolle des Jonathan Harker.
Schon als Kind wusste Jonathan Messerschmidt, der in „Dracula“ bei den Burgschauspielen Leofels spielt, dass er schauspielern möchte. Der 17-Jährige verkörpert die Rolle des Jonathan Harker. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Sonja Alexa Schmitz 30.06.2018

Während Deutschland sich aus der WM kickt, ist Jonathan Messerschmidt mit seinem Moped auf dem Weg nach Leofels. Er wird heute wieder auf der Bühne stehen, als Etepetete-
Engländer, ein Anwalt namens Harker. Jonathan Harker. „Dschonessen“ ausgesprochen, was ihn von seinem echten Namen zumindest akustisch unterscheidet. Fußball ist ihm gerade egal, „ist ganz gut, dass sie ausgeschieden sind, dann ist das jetzt vorbei.“

„Dschonessen“ Harker erkennt die wahren Begebenheiten auf dem Schloss Dracula. Keiner glaubt ihm. Er, der verschnöselte Rechtsanwalt, kommt in unangenehme Situationen. Er ist der Trottel, über den das Publikum lacht. Dennoch muss Jonathan Messerschmidt nicht den Komiker machen. „Das würde mir nicht liegen.“ Lachen auf der Bühne mit dem Ziel, die Zuschauer zum Mitlachen zu animieren, diese Rolle würde er sich nicht aussuchen. „Ich würde mich dabei irgendwie bloßgestellt fühlen.“

Er schwärmt dagegen von der Rolle als jugendlicher Römer Anastasius im letzten Stück der Burgschauspiele, der „Päpstin“. Da durfte er böse und arrogant sein.

Mit 13 Jahren hat er erstmals bei der Truppe in Leofels mitgespielt. Schon Jahre zuvor, seit er mit acht Jahren beim Krippenspiel eine bedeutende Rolle spielte – und dies wohl recht gut – lag er seiner Mutter in den Ohren, er möchte Schauspieler werden.

In der Technik angefangen

Beim Einkaufen traf diese dann einmal auf die Burgschauspiele-Darstellerin Ingeborg Neber und meldete ihren Sohn unverbindlich an. Er hatte eine kleine Rolle beim Grafen von Monte Christo. Im nächsten Stück, der „Piroschka“, saß er in der Technik und sorgte für das Licht. Bei den „Schwabenkindern“ war er ein ebensolches, es folgte die „Päpstin“ und nun eben „Dracula“, seine bisher größte Rolle mit dem meisten Text. Weil er alles gerne auf den letzten Drücker erledigt, verschob er das Text lernen weiter und weiter. Albträume, in denen er in letzter Minute in Jeans auf die Bühne sprang und seine Rolle kaum konnte, mahnten ihn. In den Osterferien war er in Kroatien, lernte und konnte wieder gut schlafen.

Es sind noch zwei Stunden bis er auf die Bühne muss. Jonathan Messerschmidt ist total ruhig. Lampenfieber gab es in den ersten Aufführungen, jetzt nicht mehr.

Ganz kurz bevor er raus muss vor das Publikum und seinen Harker in allen möglichen Gefühlszuständen gibt, konzentriert er sich hinter der Bühne. Dann zieht er sich kurz von den anderen zurück und beginnt schon mal. Atmet heftig, wenn Harker heftig atmen muss. Macht ein empörtes Gesicht, wenn Harker empört sein soll.

Seine lustigste Szene für das Publikum ist, wenn er in Liebestöter-Leibwäsche total zerstreut auf die Bühne rast. Die lustigste Szene für ihn war die Probe der Liebesszene mit dem schwulen Vampir Pankrazius.

Bei der Probe lacht es sich leicht, auf der Bühne ist der 17-Jährige konzentriert. Da passieren selten Malheure. Nur einmal, da war die Akustik ungünstig, so dass ein Kollege ihn nicht hörte und seinen Einsatz nicht fand und es eine gefühlte Ewigkeit still war. Eine Souffleuse gibt es in Leofels nicht. Wenn es hakt, muss man eben improvisieren.

Noch anderthalb Stunden bis zur Vorstellung. Jonathan Messerschmidt geht in die unterirdische und kühle Garderobe der atmosphärischen Burgruine und wird geschminkt. Grundierung, Lid­strich und die schwarzen Wuschelhaare werden in eine Welle gelegt.

„Hi Johnny“, sagt eine junge Frau in Netzstrumpfhose. Sie wird gleich auf der Bühne als laszive Vampirtänzerin den anständigen Engländer ordentlich verwirren. Und dann freut sich der junge Schauspieler schon auf den Applaus, „unseren Lohn“.

Im echten Leben Bankkaufmann

Jonathan Messerschmidt kommt vom Simmeshof in Lorenzenzimmern, einer bäuerlichen Landwirtschaft mit Schwerpunkt auf der Islandpferdezucht. Er besuchte die Realschule in Ilshofen und begann im September vergangenen Jahres eine Lehre als Bankkaufmann bei der Sparkasse. Als der 17-Jährige noch nicht neun Wochen am Stück täglich Theaterprobe hatte, spielte er gerne Fußball und machte Leichtathletik. sasch

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