Ausbildung Jeder Zwanzigste bricht die Schule ab

Wer was weiß, streckt. Schule kann spannend sein, aber auch langweilig. Viele junge Menschen brechen ihre Schulausbildung ab.
Wer was weiß, streckt. Schule kann spannend sein, aber auch langweilig. Viele junge Menschen brechen ihre Schulausbildung ab. © Foto: dpa
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 11.10.2017
Die Wirtschaft sorgt sich um den Nachwuchs. Walter Dörings Weltmarktführer-Akademie und die PH Weingarten arbeiten an einer gemeinsamen Studie.

Wir müssen an die Elternhäuser ran“, sagt der Haller Walter Döring, einst Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg. Diese Erkenntnis sei zwar vorläufig, doch einiges deute darauf hin, dass sich die Zahl der Schulabbrecher senken ließe, wenn Väter und Mütter für das Thema sensibilisiert sind.

Dörings Akademie deutscher Weltmarktführer und die Pädagogische Hochschule Weingarten warnen vor den Folgen, die hohe Schulabbrecher-Quoten haben. Gemeinsam arbeiten sie an einer Studie zu diesem Thema.

In dieser Studie sind die Auswirkungen einer hohen Abbrecherquote auf Wirtschaft und Unternehmen deutlich formuliert:  Nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit könnten bis 2030 durch die Verringerung der Abbrecherzahlen zwischen 75 000 und 150 000 Fachkräfte gewonnen werden. „Die Abbrecher sind von vornherein ohne Perspektive auf dem Arbeitsmarkt, damit frühzeitig die Verlierer in unserer Leistungsgesellschaft mit verheerenden Folgen sowohl für sie selbst, als auch für unsere Gesellschaft so Professor Cordula Löffler und Walter Döring in einer gemeinsamen Erklärung.

Mehr als 5 Prozent aller Schüler im Landkreis Schwäbisch Hall brechen die Schule ab (Stand 2015). Das ist jeder Zwanzigste. Damit ist diese Quote nur ganz knapp besser als der Landesdurchschnitt. Beruhigend ist das nicht, denn eine andere Zahl alarmiert: Der Anteil der Schulabbrecher stieg im Vergleich zu 2014. Aktuellere Zahlen weisen darauf hin, dass sich der Trend verstärkt. Im Schuljahr 2015/2016 schmissen 5,9 Prozent der Schüler in Deutschland ihre Ranzen endgültig in die Ecke.

„Die hohen Schulabbrecherzahlen von rund 50 000 pro Jahr sind eine Katastrophe für die betroffenen jungen Menschen, ein Schaden für die Gesellschaft und die Wirtschaft sowie ein Armutszeugnis für den Bildungsbetrieb in Deutschland“, lassen sich die Hochschule sowie Walter Döring zitieren.

Walter Döring erklärt, dass er für die Studie die Daten aller Kultusministerien gesammelt habe. In der Analyse wird deutlich, wo es gut und weniger gut läuft. So beträgt die Abbrecherquote in der Universitätsstadt Heidelberg 2 Prozent, in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) mehr als 26 Prozent.

In Baden-Württemberg beenden in Esslingen die wenigsten Schüler ihre Schullaufbahn ohne Abschluss – 3,6 Prozent. Dagegen brechen im Landkreis Ravensburg 9 Prozent aller Schüler ihre Schulausbildung ab.

Ziel der Studie ist es, den Gründen für die vielen Schulabbrüche auf die Spur zu kommen und Maßnahmen zu entwickeln, damit diese Zahl reduziert werden kann.

Es dauert wohl noch Monate, ehe die Daten wissenschaftlich ausgewertet und begründete Vorschläge zur Veränderung erarbeitet sind. Deshalb ist Walter Döring zurückhaltend, er spricht von „vorsichtigen, ersten Erkenntnissen“. Neben der Rolle des Elternhauses vermutet der ehemalige Wirtschaftsminister, dass es an den Schulen mehr Lehrer als Kümmerer geben müsse. Auch klarere und strengere Regeln sollten aufgestellt werden. Um Frust und Versagenserlebnisse zu reduzieren, könnte Schülern Erfolg durch Verantwortungsübertragung ermöglicht werden. Außerdem, so der ehemalige Gymnasiallehrer Döring, dürfe die Verantwortung für Schülerlaufbahnen nicht alleine bei der Kultusverwaltung gesehen werden, sondern konkret vor Ort.