Django Bates Trio in der Hospitalkirche Jede Menge Taktwechsel im zarten Kerzenschein

In stilvollem Ambiente mit Kerzenschein lässt der Pianist Django Bates mit seinem Trio raffinierte Jazzmusik erklingen.
In stilvollem Ambiente mit Kerzenschein lässt der Pianist Django Bates mit seinem Trio raffinierte Jazzmusik erklingen. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / Hans Kumpf 02.11.2018
Das „skandinavische“ Trio des englischen Pianisten Django Bates beeindruckt in der Haller Hospitalkirche.

Die aktuellen britischen Kulturwochen und die Reihe Jazztime unter der Organisation von Kulturbüro und Jazzclub machten in der Hospitalkirche wieder gemeinsame Sache. Ein Abend von kulturell hoher Güte – bedauerlich, dass sich nur etwa 50 Zuhörer eingefunden hatten.

Der 1960 in Beckenham geborene Leon „Django“ Bates wurde in Deutschland 1993 mit seinen großorchestralen Auftritt beim Jazzfest Berlin bekannt. Seine Performance in der Philharmonie verband musikalische Komplexität und Intelligenz ideal und locker mit Humor. Zu alten Zeiten setzte der gewiefte Keyboarder noch ein Tenorhorn ein.

Gewitzte Ansagen

In Schwäbisch Hall beschränkte sich Django Bates nun auf den Flügel. Ein stilvolles Ambiente mit flackerndem Kerzenlicht: schon gefühlter vierter Advent oder eine Huldigung an Halloween? Der Brite hat seinen Schalk nicht verloren, was sich zudem in seinen gewitzten Ansagen niederschlug.

Seine Kompositionen sind freilich akribisch ausgetüftelt. Bei „Slippage Street” beispielsweise notiert Django Bates als variable Metren direkt hintereinander triolisch einen 9/16- und 6/4-Takt. Entsprechend sind bei mannigfach inszenierten Temposchwankungen auch die Harmonien und die Melodien komplex und reizvoll zugleich. Und wenn einmal amerikanische Entertainment-Weisen ansatzweise zitiert werden, geraten diese Einsprengsel keinesfalls zur Geschmacklosigkeit. Sinn und Verstand sind stets dabei, tonale Fixpunkte geben bei gelegentlichen Avantgarde-Ambitionen wieder Orientierung. Eine Darbietung voller Eleganz und Raffinesse, wobei Intensität nicht mit Lautstärke gleichgesetzt wird.

Das klassische Jazz-Klaviertrio hat Bates individuell renoviert: keine überkandidelte Soloextravaganzen, sondern stets ein gemeinsames Vorgehen. So praktiziert es auch das polnische Marcin Wasilewski Trio, das ebenfalls bei Manfred Eichers Label „ECM“ unter Vertrag steht.

Mit Motiven von Charlie Parker

Das jüngste von Bates veröffentlichte Album nennt sich „The Study Of Touch“, und sein internationales Trio heißt „Belovèd“. Musikalisch inniglich liebt Django Bates den Bebop-Pionier Charlie Parker. In sein Repertoire integrieren sich etliche Stücke vom legendären „Bird“ – wie etwa „Passport“ oder der Ohrwurm „Now’s The Time“. Allerdings sind auch diese modernen Standards ideenreich arrangiert und wirken bei Live-Auftritten außerordentlich frisch.

Das Kleinensemble von Django Bates ist präzise aufeinander abgestimmt. Über ein phänomenales Gedächtnis verfügt der aus Göteborg stammende Kontrabassist Frans Petter Eldh, der die Noten im Kopf hat – und nicht den Kopf in den Noten. Außerdem bewährt er sich mit zielgenauen Pizzicato-Aktionen als zuverlässiger Improvisator. Erstaunlich filigran behandelt der Däne Peter Bruun sein spartanisches Drumset: fein ziseliertes Spiel der „sticks auf brushes“ auf den Cymbals, sporadisches Handwerk auf den Trommelfellen. Beim Haller Konzert streut der Bandleader gerne Blockakkorde ein. Und wiederholt meinte man, vom Steinway grazile Glockenklänge zu vernehmen.

Kunstvoll verwobene Linien

Alle drei Instrumentalisten bildeten kurzfristig einen wortlosen Background-Chor. Auch dies kein bloßer Gag, sondern musikalisch bereichernd. Harmonische Friedfertigkeit und kunstvoll verwobene Linien sind Kitschigem abhold. Die Musiker ernten nach jedem Stück freundlich-herzlichen Beifall und bedanken sich mit einer Zugabe.

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