Nahrungsmittelgewerbe Jede Menge freie Plätze

Auch Geschmack ist gefragt: Selbst ausgefallenes wird in der Lebensmittelindustrie der Region ausgebildet. Es gibt sogar Ausbildungsplätze für Süßwarentechnologen.
Auch Geschmack ist gefragt: Selbst ausgefallenes wird in der Lebensmittelindustrie der Region ausgebildet. Es gibt sogar Ausbildungsplätze für Süßwarentechnologen. © Foto: NGG
Landkreis Hall / pm 14.08.2018
Die Firmen in der Region stellt fast 1300 Stellen für künftige Auszubildende. Die Branche bietet auch aktuell noch Angebote für schnellentschlossene Nachzügler.

Die Fakten sind schnell auf den Punkt gebracht: Im hohenlohisch-fränkischen Raum werden in der Lebensmittelindustrie viele Ausbildungsplätze angeboten. Auch  „Last-Minute-Lehrstellen sind noch zu besetzen“. Ähnlich dem klassischen Lebensmittelhandwerk tun sich auch dort die Firmen in der Region schwerer, eine ausreichende Zahl an jungen Menschen für sich zu gewinnen. Die Datenlage ist eindeutig. Zum September, traditionell der Beginn des neuen Ausbildungsjahres, haben die Bewerber eigentlich die Qual der Wahl.

Enormes Spektrum

Bei der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim sind allein für den Landkreis Schwäbisch Hall aktuell über die gesamte Lebensmittelbranche hinweg 863 offene Ausbildungsplätze. Im benachbarten Hohenlohekreis warten weitere 413 Ausbildungsplätze darauf, möglichst schnell besetzt zu werden.

Die Gewerkschaft Nahrung-­Genuss-Gaststätten (NGG) in Heilbronn appelliert deshalb an die derzeitigen Schulabgänger, sich auch in der Lebensmittelbranche umzuschauen. „Vom Industriekaufmann bis zur Getränke-Laborantin – die Ernährungswirtschaft bietet ein breites Spektrum, viele Perspektiven und im späteren Job auch einen überdurchschnittlichen Verdienst“, erklärt NGG-Geschäftsführer Burkhard Siebert.

Gerade auch in der Region ist die Branche mit großen, zukunftsorientierten Unternehmen vertreten, dazu zählen unter anderem Großbäckereien, Milchwerke, Verwerter von Schlachtnebenprodukten, Brauereien  oder Nahrungsmittelhersteller. Mehr als 34 000 Menschen bietet die Lebensmittelbranche zwischen Kocher, Jagst und Tauber eine sichere und zukunftsorientierte Beschäftigung.

Im Kreis Schwäbisch Hall sind laut Arbeitsagentur derzeit noch 84 offene Ausbildungsplätze gemeldet, im Hohenlohekreis bietet das Nahrungs- und Gaststättengewerbe aktuell noch 28 freie Plätze.

Dass viele Betriebe die Plätze nur bedingt besetzen können, hat auch damit zu tun, dass dieser Wirtschaftszweig doch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen hat. Niedrige Bezahlung, fordernde Arbeitszeiten und wenig anspruchsvolle Tätigkeiten. Doch gerade Letzteres stimmte ohnehin nur eingeschränkt und hat sich durch die technologischen Veränderungen obendrein noch zusätzlich stark gewandelt. „Die Lebensmittelindustrie ist in den vergangenen Jahren deutlich attraktiver geworden“, betont deshalb Burkhard Siebert: „Hinter der Tiefkühlpizza und dem Fruchtjoghurt stecken viel Hightech und Know-how.“

Der Gewerkschafter führt zudem auch das hohe Maß an Vielfalt an, das Berufe zusätzlich attraktiv macht. „Eine Fachkraft für Lebensmitteltechnik deckt von der Anlagensteuerung bis zur Produktentwicklung eine breite Palette ab.“ Wie kaum eine andere Branche verändert sich die Ernährungswirtschaft durch die fortschreitende Digitalisierung – von der Produktion über die Lieferkette bis zum Kunden-Feedback über soziale Medien: „Hier sind gerade ,Digital Natives‘ gefragt, die mit dem Smartphone oder Tablet aufgewachsen sind“, lässt Burkhard keinen Zweifel daran aufkommen, dass eine Berufswahl im Ernährungsgewerbe eine gute Entscheidung für die eigene Zukunft ist.

Gefragt sind vor allem junge Menschen mit einer gewissen Affinität zu technischen Prozessen. Neben dem Lebensmitteltechniker suchen die Betriebe nach Angaben der NGG zusätzlichen Nachwuchs in den Berufsfeldern Mechatronik und Informatik. Auch die Bezahlung ist in der Lebensmittelherstellung kein Ausschlusskriterium mehr. Burkhard Siebert: „Wer sich beim Jobstart für die Ernährungsbranche entscheidet, gehört zu den Besserverdienern. So liegt etwa die Vergütung für einen Azubi in der Mineralbrunnenindustrie zwischen 893 Euro im ersten und 1192 Euro im dritten Lehrjahr – und ist damit höher als etwa die Bezahlung während der Ausbildung im stets stark nachgefragten Kfz-Bereich.“

Gute Perspektiven

Auch nach Abschluss der Ausbildung nagen die Fachkräfte nicht am Hungertuch. So kommt etwa ein Brauer-Geselle auf 3492 Euro pro Monat. Außerdem habe die NGG in vielen Betrieben tarifliches Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Zuzahlungen des Arbeitgebers in die betriebliche Altersvorsorge durchgesetzt.

Und auch wer bei seiner Berufswahl nach etwas Originellem sucht, wird in der Lebensmittelindustrie fündig. Denn die Betriebe bilden unter anderem auch Speiseeishersteller oder Destillateur aus.“

Info Näheres zum Thema Ausbildung gibt es auf der Internetseite www.berufenet.arbeitsagentur.de zu erfahren.

5,3

Millionen Menschen beschäftigte die deutsche Lebensmittelwirtschaft. Die Menschen in den 704 533 Betrieben stellen damit rund 12 Prozent aller Erwerbstätigen. Das Bruttosozialprodukt lag bei 193 Milliarden Euro und damit bei rund sieben Prozent der gesamten Wertschöpfung.

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