Schwäbisch Hall Jazz-Band Das Kapital spielt in Hall kratzbürstige Adventslieder

HANS KUMPF 11.12.2013
Mehr als ein Dutzend Weihnachtslieder - nicht rührselig und verkitscht, sondern recht kratzbürstig und amüsant. Dies beschert die internationale Band Das Kapital einem aufmerksamen Publikum.

Es begab sich aber zu der Zeit, als die Tonträger noch auf Vinyl gepresst wurden, dass es eigentlich nur Oldtime-Bands wagten, wohlige Weihnachtslieder swingend zu vermarkten. Mittlerweile intonieren moderne Jazzer gleichfalls global gängige Xmas-Songs. Auch Das Kapital möchte damit Kasse machen - nicht das Buch von Karl Marx, vielmehr die gleichnamige Band des Saxofonisten Daniel Erdmann. Anstatt umgemodelter Musik von Hanns Eisler jetzt also mehr oder weniger klerikale Jahresendzeitklänge der hochkünstlerischen Art.

Hasse Poulson, der seine Gitarre mit einem Tonabnehmersystem versehen hat, präsentiert aus seiner dänischen Heimat "Juletraeet med sin pynt" und zitiert dabei frivol etwas "I cant get no satisifaction" der Rolling Stones. Daniel Erdmann freilich ist mit seinem von John Coltrane inspirierten Sopransaxofon der Hauptsolist bei dem choralhaften Schlager über den geschmückten Christbaum.

Metall subtil traktiert

Ansonsten bläst Erdmann überwiegend Tenor und intoniert international bekannte Weisen. Die walzerselige "Stille Nacht" wird da rotzig-rockig in den Viervierteltakt transformiert, "White Christmas" muss sich eine schräg-dissonante Verhöhnung gefallen lassen. Und "Jingle Bells" überrascht als eine Paradenummer für den aus Frankreich stammenden Schlagwerker Edward Perraud, der zur teils geruhsamen Schlittenfahrt nicht Klingelglöckchen, sondern eine tibetanische Klangschale und anderes Metall subtil traktiert.

Mit im Programm ist auch das traurige Liebeslied "Last Christmas", welches ja Dank der Zeitangabe irrtümlicherweise als weihnachtlich gehandelt wird und so über die Maßen kommerziell erfolgreich ist. Das Kapital, das inzwischen zwölf Jahre auf dem Band-Buckel hat, hält sich bei seiner rein instrumentalen Interpretation ziemlich eng an die melodisch-harmonische Vorlage der Gruppe Wham. Bluesig und rhythmisch akzentuiert kommen "Hark! The Herald Angels" angeflogen, bei Georg Friedrich Händels Hymnus "Joy to the World" werden intensiv die ersten vier Takte wiederholt und variiert.