Tourismus Janine Leonberger stellt neue Tourismusstrategie für Hall vor

Eine Siedersmagd plaudert aus dem Nähkästchen, erzählt Schauergeschichten - ein erfolgreicher Baustein im Tourismuskonzept sind Stadtführungen. Es gab 718 im 1. Halbjahr 2015 - 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Archivfoto: Marc Weigert
Eine Siedersmagd plaudert aus dem Nähkästchen, erzählt Schauergeschichten - ein erfolgreicher Baustein im Tourismuskonzept sind Stadtführungen. Es gab 718 im 1. Halbjahr 2015 - 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Archivfoto: Marc Weigert © Foto:  
MARCUS HAAS 06.10.2015
Eigenbetrieb Tourismus und Marketing sowie Kulturbüro haben eine Tourismusstrategie für Hall entwickelt. Eine externe Firma begleitete den Prozess. Fraktionssprecher diskutieren Vorgehensweise und Erkenntnisse.

"Im Schwerpunkt ging es um die Ermittlung und Ausschöpfung der kulturtouristischen Potenziale der Stadt Hall", macht Janine Leonberger im Verwaltungs- und Finanzausschuss deutlich. Die Leiterin der Touristik und Marketing erläutert den Weg zur neuen Tourismusstrategie und den Methodenmix.

Die beteiligten Akteure kommen aus den Bereichen Kultur, Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit und Tourismus. Die Firma Entra hat den Prozess moderiert und begleitet. Einzelgespräche mit zwanzig Kulturschaffenden aus Einrichtungen wie beispielsweise Kunsthalle Würth, Freilichtspiele oder Hohenloher Freilandmuseum wurden geführt, um kulturtouristische Potenziale zu erschließen. Alle relevanten Akteure ermittelten in zwei ganztägigen Workshops unter anderem Ziele, Zielgruppen und definierten Projekte sowie Maßnahmen. Basis bildete dabei eine Situations- und Trendanalyse. Die neue Tourismusstrategie verstehe sich als eine Richtungsstrategie mit Leitliniencharakter. Hauptziel: Steigerung der Wertschöpfung aus dem Tages- und Übernachtungstourismus.

Sechs Handlungsfelder entwickelt

Welche Ergebnisse gibt es? Es wurden sechs Oberziele und damit sechs Handlungsfelder entwickelt. Beispiel Handlungsfeld 1 - Markenstrategie: Es werde mit der Positionierung der Stadt "Schwäbisch Hall als aufstrebende Kulturstadt für die Region der Weltmarktführer" die Richtung für die Tourismusstrategie vorgegeben. Ein Ziel: Etablierung von Hall als genussreiches Kulturkurzreiseziel mit Wiederholungspotenzial. Wie sehen Strategien dabei aus? Konzeptionierung des neuen touristischen Markenauftritts, Weltmarktführer stärker in touristisches Konzept einbinden. Was sind Projekte? Inszenierung von Marke in touristisch relevanten Einrichtungen und der Tourist-Information; Weiterentwicklung Haller Weihnacht, Sommernachtsfest und Wochenmarkt.

"Das ist eine umfangreiche Ausarbeitung. Wir empfehlen zu konzentrieren, eine Auswahl aus dem Bauchladen vorzunehmen, was mit vorhandenen Kräften umsetzbar ist", sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Kaiser. "Es sollte eine Bewertung vorgenommen werden, um zu kanalisieren", so Friedrich Waller (FWV). Tourismus sei ein Nebeneffekt, es gehe vor allem darum, ein gutes Kulturangebot in Hall zu haben, beispielsweise ein gutes Programm der Freilichtspiele, macht Joachim Härtig (Bündnis 90/Die Grünen) deutlich. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Preisendanz sieht die vielen Ideen und Ziele positiv, doch nun sollte priorisiert werden. Dies soll auch der nächste Schritt sein: Maßnahmen der Handlungsfelder priorisieren und dann mit den Beteiligten in die Umsetzung gehen, sagt Janine Leonberger.

Eigenbetrieb Tourismus und Marketing legt Zwischenbilanz vor

Geschäftsjahr Die Gewinn- und Verlustrechnung des Eigenbetriebs Tourismus und Marketing zeigt Ende Juni 2015 einen Verlust von 125991 Euro, informiert Janine Leonberger im Verwaltungs- und Finanzausschuss. Die Leiterin der Touristik und Marketing erläutert, dass sich der Verlust bis Ende 2015 voraussichtlich auf 950000 Euro erhöhen wird. Dies entspreche dem Ansatz im Wirtschaftsplan. "Ohne die Personalkosten finanzieren wir eigentlich alles wieder selbst gegen", sagt Leonberger. Die Personalkosten schlagen mit prognostizierten 793000 Euro zu Buche. Beim Blick auf den Geschäftsbereich Tourismus wird deutlich, dass die Zahl der Gäste zum ersten Halbjahr 2015 um zwei Prozent auf 46860 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 gestiegen ist. Die Zahl der Übernachtungen sank dagegen von 98785 auf 98214. Erst im Juni habe es eine deutliche Steigerung der Übernachtungszahlen von sechs Prozent gegeben. Hauptgrund: Freilichtspiele Schwäbisch Hall und Kunsthalle Würth. Pauschal- und Gruppenreisen brachten im ersten Halbjahr eine Umsatzsteigerung um 16 Prozent auf 324478 Euro. Leonberger hebt im Bereich Stadtmarketing beispielsweise Shopping Night mit Ballonglühen und Haller Frühling hervor.

Investitionen Beim Blick in die Zukunft macht sie deutlich, dass dringend Investitionen notwendig seien, um Mehreinnahmen zu generieren. Beispielsweise soll die Tourist-Information eine verbesserte Warenpräsentation, eine kommunikative Verkaufsraumatmosphäre bekommen. "Wir plädieren dafür, Investitionen vorzunehmen und im Haushaltsplan zu berücksichtigen", unterstreicht Uta Rabe (CDU). Zudem schlägt die Gemeinderätin vor, Mietforderungen bis 500 Euro für Hospitalkirche und Neubau-Saal zu überdenken, mit dem Pächter eine Lösung zu suchen, da die Höhe viele Kunden abschrecke. cus

SWP