Feste Jakobimarkt, Regionaltag und Goethe-Sommerfest könnten Massen anlocken

Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 24.07.2014
Zwischen 10.000 und 15.000 Besucher bevölkern das Kuchen- und Brunnenfest. Jakobimarkt, Regionaltag und Goethe-Sommerfest könnten es nun auf 25.000 bringen. Hall steht ein Mega-Festwochenende bevor.

Werkhofmitarbeiter stecken eine Bühne im Hof der Hospitalkirche zusammen, zwei Arbeiter schleppen schwere Bauteile für das Fahrgeschäft "Space Party" über die Kocherwiese, in der Zeitung wird eine Verkäuferin für Schokofrüchte an einem Stand gesucht: Hall bereitet sich auf das Fest-Wochenende vor. Von 25. bis 28. Juli könnten so viele Besucher wie noch nie in diesem Jahr an einem Wochenende nach Hall kommen: Jakobimarkt, Regionaltag, Sommerfest des Goethe-Instituts, 25-Jahr-Jubiläum der Städtepartnerschaft mit dem polnischen Zamosc und ein verkaufsoffener Sonntag stehen an.

Falschparker von der Kocherwiese vertreiben, Helfer koordinieren, Ansprechpartner für Krämer sein: Bei Robert Spoden vom Eigenbetrieb Touristik und Marketing der Stadt laufen die Fäden zusammen. Im Team mit vielen Beteiligten bewältigt er die Vorbereitungen.

Nervös? "Nein, alles im grünen Bereich", sagt Robert Spoden und lacht herzlich in den Telefonhörer. Es sehe gut aus: Der Aufbau schreite voran, für vier Händler des Krämermarkts, die gestern kurzfristig abgesprungen sind, wurde schnell Ersatz gefunden. Auf die 90 Helfer des SC Steinbach, die rund um das Fest Autofahrern Parkplätze zuweisen, sei Verlass.

"Wenn man alles zusammenzählt, werden mehr Besucher kommen als zum Kuchen- und Brunnenfest", sagt der erfahrene Festorganisator aus Hall. Allein in das große Bierzelt auf der Kocherwiese passen 2500 Menschen. Von Freitagnachmittag, 16 Uhr, bis in die Nacht auf Dienstag wird man dort bedient. "Rechnet man die Gäste im Biergarten und die Besucher der Fahrgeschäfte dazu, kommt man über die Tage schnell auf 15000." Für den Regionaltag "Festival der Vielfalt", der am Sonntag von 12 bis 18 Uhr im Kocherquartier 60 Infostände samt bäuerlichem Genießermarkt bietet, werden mehr als 10000 Gäste erwartet. Zudem kommen wohl hunderte Besucher zum Sommerfest des Goethe-Instituts. Es startet am Samstag um 18 Uhr im Hospitalhof. Auch die Folkloregruppe "Zamojszcznznaist" aus Zamosc könnte im Rahmen des Partnerschaftsjubiläums am Samstag um 18 Uhr im Neubau-Saal viele Gäste anlocken.

Neu in diesem Jahr: Der Große Siedershof eröffnet den Jakobimarkt um 19 Uhr im Festzelt. Darauf freut sich Robert Spoden schon. Von einer anderen Neuerung hat er persönlich gar keinen Nutzen. Sie heißt "The King", sieht wie eine Krake aus und schleudert die Fahrgäste mit einem langen Greifarm durch den Haller Nachthimmel. Dieses spektakuläre Fahrgeschäft wird Robert Spoden nicht betreten: "Nein, nein, nein - da gehe ich nicht rein."

Info Übersicht über die Feste samt Programm und Fahrplan des Buspendelverkehrs morgen im HT.

Seit 800 Jahren wird in Hall an Jakobi ein Markt abgehalten

Tradition Der Jakobimarkt ist der einzige mittelalterliche Markt Halls, der die Zeiten überdauert hat. Er wurde nach dem Apostel Jakobus benannt. Der soll in Santiago de Compostela begraben sein. Die Stadt in Spanien ist das Ziel des Jakobswegs, der übrigens auch durch Hall führt. Der Jakobstag (25. Juli) ist dem Apostel gewidmet.

Ungewissheit Das Entstehungsdatum des Jakobimarktes ist unbekannt, schreibt die Stadtverwaltung in einem Infoblatt zur Geschichte des Festes. Die Stiftung des Markts könnte mit dem Bau der Jakobskirche - die heute nicht mehr existiert - zusammenhängen. Die erste Erwähnung der Kirche, aus der auch das Bestehen des Marktes geschlossen werden kann, stamme aus dem Jahr 1236, als sie dem Franziskanerorden übergeben wurde. St. Jakob ist offenbar etwas älter, denn der Chor der Kirche kann auf etwa 1200 datiert werden. Die Kirche fiel dem Stadtbrand von 1728 zum Opfer; auf ihren Fundamenten entstand das heutige Rathaus.

Bedeutung Ein Entstehen von Kirche und Markt in dieser Zeit passt zu dem Entwicklungsschub, den das 1204 erstmals als Stadt bezeichnete Hall damals machte. Der Markt bestand weiter und kann somit auf eine etwa 800-jährige Tradition zurückblicken. Er diente nicht nur dem Handel, sondern war auch ein Fest insbesondere der hällischen Landbevölkerung, die diesen Tag mit Musik, Tanz und ausgiebigen "Lustbarkeiten" feierte. Seine große Beliebtheit und Anziehungskraft nutzte der Schwäbisch Haller Reformator Johannes Brenz, um an Jakob 1523 seine erste bekannte Predigt im reformatorischen Sinn zu halten, die sich gegen die Heiligenverehrung richtete.

Freudenfeier Ein launiger Bericht über den Jakobimarkt im 19. Jahrhundert erschien 1847: "Hier wird der Tanzlust bis zur Übersättigung gefrönt, die Liebenden bewirten sich gegenseitig oft mit sehr bedeutendem Aufwand, und Scharen ländlicher Schönen wogen die Stadt auf und ab."

SWP

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