Eigentlich ging es nur um eine kleine Ergänzung in der Sportförderrichtlinie. Und eigentlich hätte der Verwaltungs- und Finanzausschuss dieser Formalität nach kurzer Erläuterung durch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim einfach zustimmen sollen – so hatte es sich zumindest die Rathausspitze erhofft. Es stecken aber zu viele Emotionen in der Sache. Die Folge: Das Thema muss nun im Gemeinderat erneut behandelt werden.

Sondertopf für DLRG und ADAC

Aber von vorne: Nach hitzigen Debatten hatte der Gemeinderat im Juli 2017 eine neue Sportförderrichtlinie verabschiedet (siehe Info). Demnach sind in Hall nur noch Vereine förderfähig, wenn sie unter anderem sowohl Mitglied im Stadtverband für Sport als auch Mitglied im Württembergischen Landessportbund (WLSB) sind. Für DLRG und ADAC, die aus den Förderrichtlinien herausfallen, wurde ein Sondertopf eingerichtet, aus dem ein Zuschuss beantragt werden kann.

Nicht bedacht worden sei, so der OB, dass die sieben Vereine im Haller Luftsportverband keine Mitglieder des WLSB werden könnten, da sie in einem Parallelverband organisiert sind. Deshalb soll die Richtlinie dahingehend geändert werden, dass eine Mitgliedschaft im WLSB „oder eines vergleichbaren Dachverbands“ Voraussetzung ist.

Das stößt aber nicht bei allen auf Gegenliebe. „Ich habe mit der Sitzungsvorlage ein paar Probleme“, sagt etwa Rüdiger Schorpp (SPD). Die Änderung sei ein grundsätzliches Thema und müsse im Gemeinderat und nicht nur im Ausschuss behandelt werden. Außerdem sei nicht transparent, welche finanziellen Auswirkungen zu erwarten seien. „Müssen die im Haushalt beschlossenen 260 000 Euro Barzuschüsse an Sportvereine erhöht werden? Wenn ja, um wieviel? Oder bekommen die anderen Sportvereine etwa weniger?“ Bereits jetzt würden an den Luftsportverband jährlich Zuschüsse für „sportnotwendige Flächen“ in Höhe von 1100 Euro und für „Start- und Landebahn“ 1706 Euro bezahlt.

Unklar sei auch, wieso die Luftsportvereine nicht wie die DLRG und der ADAC über den Sondertopf bedient werden. Die dort vorhandenen 15 000 Euro könnten aufgestockt werden. Dann müsste die Richtlinie nicht angetastet werden.

Gemeinnütziger Aspekt

Joachim Härtig (Grüne) ärgert sich darüber, dass DLRG, ADAC und Luftsportverband in einem Atemzug genannt werden. „Die DLRG hat im hohem Maße einen sportlichen und gemeinnützigen Aspekt.“ Was die Akteure können müssen und was sie an Zeit investierten, sei „großartig“.

Härtig ist zudem nicht klar, ob alle Aktivitäten der Luftsport­vereine als Sport definiert werden könnten. Letztlich ginge es bei der Sportförderung doch darum, mit städtischen Mitteln zu unterstützten, „wenn Menschen in Bewegung kommen, in Teams arbeiten“. Bei Segelfliegern mag es einen „meditativen“ Aspekt geben. „Bei den anderen sehe ich ein elitäres Hobby mit geringer Gemeinnützigkeit und hoher Gemeinschaftsschädlichkeit.“

OB fliegt selbst

Der Stadtrat will wissen: „Wie viel Motor ist denn dabei?“ Pelgrim, der selbst seinen Pilotenschein beim Motorfliegerclub erlangt hat, erwidert, dass sich diese Frage ja auch beim ADAC stellen würde. Härtig kontert: „Das ist da genauso unsinnig.“

Der OB erläutert, dass auch Sportwettkämpfe stattfinden, die Segelflieger etwa seien in der zweiten Bundesliga aktiv. Außerdem wurden die Vereine im Luftsportverband, die Teil des Stadtverbands für Sport sind, bereits früher gefördert. Sie seien erst mit der Reform der Sportförderrichtlinie herausgefallen.

Die Förderung über den Sondertopf hält Pelgrim indes für ungeeignet. Bei ADAC und DLRG handle es sich um Abteilungen von regionalen beziehungsweise bundesweit bestehenden Vereinen. Die Mitglieder des Haller Luftsportverbands seien dagegen eigenständige Vereine mit eigenen Kassen und Strukturen, die in Hall verortet sind.

Förderung nicht gedeckelt

Bezüglich der Haushaltsmittel werde es keine Nachteile für die anderen Vereine geben, versichert Pelgrim. Die Förderung sei nicht gedeckelt, sondern berechne sich etwa nach der Zahl der Kinder- und Jugendmitglieder. Ohnehin gehe es im Luftsportverband um wenig Fördermittel, da es kaum minderjährige Mitglieder gebe – lediglich im Bereich Segelflieger „eine Handvoll“. Dort ist das Fliegen ab 14 Jahren erlaubt.

Am Ende gibt es zwar mit neun zu fünf Stimmen eine Mehrheit für die Änderung der Richtlinie. Aber auch Schorpp setzt sich  mit seinem Antrag bei acht zu sieben Stimmen durch, dass der Gemeinderat entscheiden darf.

Sportförderrichtlinie 2017 beschlossen

Die Sportförderrichtlinie wurde 2017 beschlossen. Das Konzept wurde in fünf Workshops mit dem Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung unter Beteiligung von Vereinen, Verwaltung und Stadträten ausgearbeitet. Sportvereine erhalten für Mitglieder zwischen 3 und 18 Jahren einen Zuschuss in Höhe von 60 Euro pro Person und Jahr. Kooperationen mit Kitas und Schulen werden ebenfalls bezuschusst. Die Qualifizierung ehrenamtlicher Übungsleiter sowie die Kosten für hauptamtliches Personal werden ab 1000 Vereinsmitgliedern mit 5000 Euro unterstützt. Außerdem erhalten die Vereine eine Sockelförderung von jeweils 100 Euro. Die von der Verwaltung geplante Mindestmitgliederzahl von 100 wurde gestrichen. Allerdings werden Nutzungsgebühren für Sportflächen erhöht.

Zum Haller Luftsportverband gehören folgende Vereine: Motorfliegerclub, Segelfliegerclub, Paraclub, Ballon­sportgruppe, Hänge­gleiter Flugsportgruppe, Drachen und Ultraleichtfliegergruppe, Modellfluggruppe.

Zur Änderung der Richtlinie wurde wie folgt abgestimmt: 9 Jastimmen, 5 Gegenstimmen (SPD: Helmut Kaiser, Michael Rempp, Rüdiger Schorpp; Grüne: Joachim Härtig; fraktionslos: Damiana Koch); 3 Enthaltungen (Grüne). Die Abstimmung zum Antrag Schorpp: 8 Jastimmen (SPD, Grüne, Fraktionslose); 7 Gegenstimmen (CDU, FWV, FDP); 2 Enthaltungen (CDU: Armin Stutz, Walter Frank). thumi