Naturschauspiel „Astro-Alex“ Gerst und ISS ziehen Blicke vom Blutmond weg

Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 03.08.2018
Zum vermeintlichen Spektakel sind am Freitagabend rund 150 Menschen zur Sternwarte des Gymnasiums bei St. Michael gekommen: Sie wollten die seltene Mondfinsternis erleben. Erstmal heißt es warten.

Das besondere Naturschauspiel wurde in den Medien groß angekündigt. So eine Konstellation gebe es nur alle 105.000 Jahre: roter Vollmond, nahe am Mars, in einer warmen Sommernacht. Logisch, dass da alles auf den Beinen war, hinauf zu streben an einen Platz, an dem die Verfinsterung des Mondes gut zu sehen ist.

150 Menschen an der Sternwarte

In Schwäbisch Hall suchten dafür gut 150 Leute die Sternwarte auf dem Dach des Gymnasiums bei St. Michael auf. Die kam mit dieser Besucherzahl an ihre Kapazitätsgrenze. Wer bei Traugott Hald durch das Teleskop gucken wollte, brauchte Geduld. Eng standen die Besucher auf der Plattform rund um die Kugel, die die Ereignisse im All unter die Lupe nimmt. Im Klassenzimmer eine Etage drunter konnten die Mondsüchtigen durch ein etwas kleineres Teleskop dem Mond ein Stück näher kommen.

Schön luftig und weniger gequetscht stehen die Besucher auf der zweiten Plattform auf dem Dach. Hier erklärt Jürgen Gradenegger von der Sternwarte den erwartungsvollen großen und kleinen Zuschauern, die sich um 21 Uhr zusammengefunden haben, dass man noch etwas Geduld haben müsse. Da, wo der Mond als erstes zu sehen ist, verdecken Wolken die Sicht auf ihn. Aber wenn er höher steigt, dann wird er sichtbar werden. Das wird dann so gegen 21.45 Uhr sein.

Matthias Zimmer, Lehrer an St. Michael, hält sein Smartphone gen Himmel. Mit einer App sieht er welche Position der Mond derzeit hat. Andere suchen den Mars, der ja in dieser besonderen Nacht ganz nah am Mond dran sein soll. Kinder, die an diesem Abend extra lange aufbleiben, rennen umher und spielen fangen, werden mit Keksen abgelenkt und einige Familien gehen bald wieder. Menschen treffen sich zufällig, man plaudert mit Bekannten und Fremden. Wartezeit. „Schön wäre jetzt ein Cocktail und ein Mars-Riegel“, findet eine Mondguckerin.

Plötzlich kommt der Mars

Es geht los. Ein schwacher Mond kommt hinter den Wolken hervor. „Der Schleier auf ihm, das sind keine Wolken, das ist schon der Kernschatten der Erde“, erklärt Jürgen Gradenegger. Alle schauen hin. Die „Ah“ und „Oh“-Rufe bleiben aus. Das angekündigte Spektakel ist nicht wirklich spektakulär. Aufmerksamer werden die Sternenbeobachter als plötzlich der Mars sichtbar wird. Ein heller Punkt, rechts unterhalb des Monds.

Um 22.31 Uhr fährt die ISS vorbei

Die Nacht hält noch eine Überraschung bereit. Die ISS, in der der Künzelsauer Astronaut Alexander Gerst sitzt, kommt um 22.31 Uhr am Himmel entlanggefahren. Sichtbar ist die Raumstation, weil ihre Sonnensegel vom untergehenden Sonnenlicht reflektiert werden.

Es ist soweit. 22.30 Uhr. Die Besucher drehen dem Mond den Rücken zu und suchen die Raumstation. „Da kommt die ISS“, sagt Gradenegger und die Köpfe gehen nach links. Ein heller Punkt bewegt sich in zügiger Geschwindigkeit durch das Himmelsschwarz. Beeindruckend! Da sitzen Menschen drin? Einer aus Künzelsau!?

Hellrot mit schwarzem Nebel drüber

Die Besucherblicke gehen wieder in Richtung Mond. Der ist jetzt deutlich zu sehen, in seinem hellrot mit schwarzem Nebel darüber, so als hätte man ihm schwarzen Tüll umgelegt. Viele Leute haben jetzt genug gesehen, steigen die Treppen hinunter und fahren heim.

Hoffentlich wohnen sie außerhalb der Stadt. Denn dort ist plötzlich das zu sehen, was man sich auf der Sternwarte erhofft hat: ein roter Mond, klar gezeichnet, faszinierend. Und dann, als der Mond aus dem Kernschatten hinauswandert, leuchtet der Vollmond Stück für Stück, dreiviertel-, halb-, viertelbeschattet und ist so ein echter Hingucker.

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Ansturm auf dem Einkorn

Um die Mondfinsternis am Freitag gut zu sehen, hatten Viele dieselbe Idee und zwar auf den Einkorn hinaufzufahren. Kurze Staus bei der Zufahrt auf den Parkplatz waren gegen 22 Uhr die Folge. Einige hundert Menschen haben sich Decken und Kameras geschnappt, um den Blutmond nicht zu verpassen. „Ein bisschen klein“, merkt einer der Besucher auf dem Einkorn etwas enttäuscht an. Zu sehen war er anfangs nur leicht, ein bisschen trüb aber dann erstrahlt er in Kupferrot. Südöstlich des Mondes ist nach einiger Zeit auch der Mars klar und hell zusehen. Ein außergewöhnliches Spektakel. Gegen 23.30 Uhr leeren sich Einkorn und Parkplatz dann langsam. kv

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