Crailsheim Irischer Songwriter Mighty Stef röhrt in der Crailsheimer 7180-Bar

Crailsheim / ANDREAS DEHNE 04.11.2014
Er ist wirklich ein "Big Boy", wie er sich mit seiner Lidl-Einkaufstüte zwischen die abgefahrenen Kulissen der kultigen 7180-Bar in Crailsheim schiebt, um in aller Ruhe seine CDs und seine Platten zum Verkauf aufzubauen.

Unter den leblosen Augen eines ausgestopften Wildschweins mit Aloah-Kette um den Hals und dem Totenkopf-Banner des FC St. Pauli an der Wand ist "der irische Rock n Roll-Pirat", wie er genannt wird, mit sich, seinem Bier und der wenigen Technik beschäftigt, die ihn für seinen Solo-Auftritt umgibt.

Aus Dublin kommend, trifft er mit dem Zug aus Düsseldorf direkt vor seinem inzwischen dritten Auftritt in der seit sechs Jahren bestehenden Bar ein. Das ist echter Rock n Roll. Erst fallen ein paar Scheinwerfer um, dann fehlt ein Bier. Aus der Musikbox im Hintergrund, in der sich noch echte Schallplatten drehen, dröhnt plötzlich ein Hit.

Doch irgendwann ist es so weit. "Dublins finest RocknRoll-Songwriter" greift zur Gitarre. Und sofort wird klar, warum Stefan Murphy als The Mighty Stef unterwegs ist. Mit tiefer und markanter Stimme, machtvoll und kräftig, präsentiert er die Songs seiner neuen CD "Year oft the Horse" sowie viele seiner zahlreichen älteren Songs.

Knapp zwei Stunden lang begeistert er in der Wohnzimmeratmosphäre der Kultbar mit Leidenschaft und Inbrunst die zahlreichen Zuschauer. Seine eingängigen Songs lassen sich kaum einer musikalischen Stilrichtung zuschreiben. Solo und mit Gitarre glaubt man an diesem Abend oft den späten Bob Dylan zu hören ("Stella") oder Nick Cave ("The Days of Wine and Roses"). Dazwischen harmonische Balladen ("Sunshine Serenade").

Die durchweg melodiösen Lieder von The Mighty Stef nähern sich bisweilen so sehr einigen Originalen an, dass man hin und wieder den Eindruck hat, statt der Eigenkomposition eine Cover-Version zu hören - was aber dem sehr guten Gesamteindruck nicht schadet.

Der Dubliner, der seit vielen Jahren nahezu pausenlos unterwegs ist, kann das Publikum vollkommen überzeugen. Zumindest diejenigen, die zum Zuhören gekommen sind. Einige unterhalten sich so lautstark, dass selbst der mächtige Gesang von Stefan Murphy sie nicht zu übertönen vermag. Erst auf nachdrückliches Eingreifen von Harald Haas, dem Betreiber der Bar, wird es ruhiger. Ein Problem, das häufiger aufzutreten scheint: "Bitte Ruhe während dem Konzert" ist auf einem großen Schild über der Theke zu lesen. Mit handschriftlicher Ergänzung der Genitiv-Version.

The Mighty Stef nimmt die Störung gelassen. Er bestellt sich noch ein Bier und spielt wunderschön "Simple Twist Of Fate". Ist das nun echt irisch oder doch die Cover-Version vom Altmeister Dylan? Nicht wichtig. Ganz in RocknRoll-Manier bestellt man sich noch ein Bier und genießt The Mighty Stef unplugged. Cover hin - Cover her.

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