Kirche Investitur von Pfarrer Thomas Hertlein in voll besetzter Stiftskirche St. Nikolaus

Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 06.10.2015
Thomas Hertlein ist nun leitender Pfarrer der katholischen Gesamtkirchengemeinde von Hall und Umgebung. Mit einem imposanten Gottesdienst auf der Comburg wurde er vom Weihbischof in sein Amt eingesetzt.

Auf die Frage, mit der er seine Predigt beginnt, raunt es in den Bänken. Die Zuhörer scheinen die Frage zu kennen, oder die Antwort, oder finden es passend, dass gerade Thomas Hertlein, neu eingesetzter Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde, sie stellt: "Wann ist man angekommen?" Anlass dazu ist sein Umzug, der Wechsel an einen neuen Wohnort. Der 47-Jährige war die vergangenen zwölf Jahre Pfarrer in Crailsheim. "Ist man angekommen, wenn die Wohnung eingerichtet ist? Wenn man sich ohne Stadtplan auskennt? Freunde gefunden hat?", fragt er sich.

Natürlich bleibt es nicht auf der banalen Ebene eines Wohnortswechsels. Wohin sind wir eigentlich im Leben unterwegs? Was ist das Ziel, an dem wir irgendwann ankommen wollen? Der Pfarrer schaut hinauf zum Radleuchter der Stiftskirche auf der Comburg. Der mit Kerzen bestückte Radleuchter wurde zu Beginn des Gottesdienstes unter dramatischem Orgelklang hinaufgezogen.

"Alle warten auf dich wie auf den lang ersehnten Messias"

Er erinnere uns daran, wo unser Zielort ist: Gott. Den Weg dorthin zu finden, sei nicht leicht. Aber er will ihn ebnen und den Gläubigen drei Eigenschaften mit auf den Weg geben, die er als neuer Pfarrer seiner Kirche in die Geschäftsordnung aufnehmen möchte: demütig, friedfertig und geduldig sein.

"Alle warten auf dich wie auf den lang ersehnten Messias", habe man zu ihm gesagt in Erwartung seiner Investitur. Der sei er nun wirklich nicht, sondern ein Mensch, der auch Fehler hat. Und gleich nennt er ein paar. In Crailsheim kenne man ihn als Workaholic, als Macher und Schaffer. Er mache es seinen Mitmenschen manchmal schwer, weil er gerne Dinge auf den allerletzten Drücker erledigt und - mit Gottes Hilfe zur Gelassenheit - auch mal ganz spontan seine unfertige Predigt beim Predigen zu Ende bringt. So habe er heute kurzfristig und spontan dem Pastoralteam die Fürbitten aufgetragen. "Aber ich gelobe Besserung", verspricht er.

Auch wenn Thomas Hertlein sich sehr persönlich und menschlich gibt, der Gottesdienst ist sehr gehoben und feierlich. In einem langen Gefolge zieht er mit Weihbischof Thomas Maria Renz in die Kirche ein. Die Gemeinderäte sowie die Pfarrer der fünf katholischen Gemeinden sind dabei und eine Schar von Messdienern. Sie tragen Kerzen und schwenken Weihrauchgefäße. Es spielt der Posaunenchor Altenmünster. Die Kirche St. Nikolaus ist so voll wie an Festtagen - die Stimmung ist ähnlich.

Katholische Gesamtkirchengemeinde hat wieder ein Oberhaupt

Es wird das Ernennungsschreiben mit den wohlwollenden Worten des Bischofs von Rottenburg-Stuttgart vorgelesen. Der Weihbischof legt Thomas Hertlein die Stola um. "Lieber Thomas", beginnt er und trägt Stationen aus dem Leben des gebürtigen Mulfingers vor. Dieser beginnt mit einer Ausbildung als Industriekaufmann, setzt sich mit dem Theologiestudium fort und brachte ihn 2003 an seine erste Pfarrstelle nach Crailsheim.

Gut gelaunt schreitet Hertlein ans Mikrofon und trägt mit seiner klaren, angenehmen Stimme, im Duett mit Pastoralreferentin Kerstin Schelkle "Lobe den Herrn meine Seele" vor.

Es ist ein Festtag - sein Festtag. Die katholische Gesamtkirchengemeinde hat, nach der zweijährigen Vakanz, die Dekan Giancarlo Aldrighetti hinterließ, wieder ein Oberhaupt - in Form eines leitenden Pfarrers. Das wird auch noch nach der fast zweistündigen Messe in der Max-Kade-Halle gefeiert, wo Thomas Hertlein sich freut, mit möglichst vielen Leuten ins Gespräch zu kommen. "Ich bin ein kommunikativer, umgänglicher Mensch. Ich komme auf Sie zu", sagt er.

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