Schwäbisch Hall Wielandsweiler - Dorf ohne Internet

In Wielandsweiler gibt es keine Internetverbindung (Symbolbild)
In Wielandsweiler gibt es keine Internetverbindung (Symbolbild) © Foto: dpa
Wielandsweiler / Oliver Färber 06.09.2018
Die rund 100 Einwohner des Dorfs sind vom weltweiten Datennetz abgehängt. Von Stadtverwaltung und Dienstleistern fühlen sie sich alleine gelassen.

Wut und Enttäuschung kommen derzeit in Wielandsweiler zusammen. Das 100-­Seelen-Dorf gehört zwar zu Schwäbisch Hall, aber die Einwohner fühlen sich von der Stadt und den Telekommunikationsanbietern im Stich gelassen. Denn das Alltagsleben wird ihnen schwer gemacht: Es gibt dort derzeit keine Möglichkeit, eine zuverlässige Internetverbindung aufzubauen.

„Bei der Telekom heißt es klar, in Wielandsweiler gibt’s kein Internet“, berichtet Daniel Ebert. Er war beim Treffen am Montagabend in der Gaststätte Sonne, wo die Bewohner ihrem Ärger Luft gemacht haben. Denn die einzige Möglichkeit, doch noch Netz zu bekommen, sei vor Kurzem weggefallen. Das hätten einige Bürger zuvor noch über den Anbieter Vodafone geschafft.

„Im Shop hat man die Antennen damals herausgegeben mit dem Hinweis, dass man den Vertrag auf eigenes Risiko abschließe“, sagt er. Diese Lösung übers sogenannte LTE, also das Handyfunknetz, habe zumindest gereicht, um E-Mails oder Textseiten abzurufen. „Natürlich konnte man keine Filme anschauen“, fügt er hinzu. Mit dieser Lösung wären die Wielandsweiler Anwohner zumindest vorerst zufrieden gewesen. Schließlich gehe es ihnen um den Empfang der elektronischen Post und darum, dass Kinder und Jugendliche für ihre Hausaufgaben und Projekte im Internet recherchieren können.

„Doch Vodafone hat die Versorgung eingestellt“, berichtet Ebert. Lediglich an einer Stunde am Tag sei der Empfang ausreichend, damit er „ein bissle Internet“ habe.

Für Mails 500 Euro im Monat

Sein Schwiegervater betreibe im Ort ein Baugeschäft. Internet gehöre zum Arbeitsablauf dazu. Doch die Firma müsse tief in die Tasche greifen, damit sie mit der Außenwelt in Kontakt bleiben kann. Für eine monatliche Gebühr von mehr als 500 Euro habe sich der Betrieb eine Standleitung legen lassen. „Und das nur, damit sie E-Mails bekommen können. Das muss man sich einmal vorstellen“, so Ebert weiter. Vorher sei die Verbindung sehr unzuverlässig gewesen. Kunden hätten sich immer wieder gemeldet und gefragt, warum sie auf ihre elektronischen Anfragen keine Antwort erhalten hätten. Es sei bei einer Überprüfung dann festgestellt worden, dass der E-Mail-Verkehr mehr als vier Tage lang nicht richtig funktioniert habe.

Die Bürger hätten schon bei diversen Internetanbietern nachgehakt, um diese doch noch zu einem Ausbau zu bewegen. Für die sei der Anschluss des Netzes bis Wielandsweiler nicht lukrativ. Etliche verwiesen auf die Kommune, die doch mit einem Zuschuss die klaffende Wirtschaftlichkeitslücke schließen solle.

Bei der Stadt Schwäbisch Hall seien, so ist es bei der Besprechung am Montagabend in der Sonne herausgekommen, die Bittsteller aus dem Ort auf vielfältige Weise vertröstet worden. Zum einen sei darauf verwiesen worden, dass die Telefonanschlüsse in Wielandsweiler ja zum Ortsnetz Oberrot zählten. „Aber wa­rum sollte die Gemeinde Oberrot bei uns ausbauen? Die haben doch nichts von uns Haller Bürgern“, berichtet Ebert.

Stadt fühlt sich nicht zuständig

Andere Anrufer erhielten die Auskunft, sie müssten selbst auf die Internetanbieter Druck ausüben und mit ihnen eine Lösung finden. Die Stadt sei dafür nicht zuständig. In ihrer Not wandten sich die Internetlosen auch an Damian Komor, den Bürgermeister der Nachbargemeinde Mainhardt. Doch auch der musste abwinken. Über ein Leerrohr bis zum letzten Gehöft auf der Gemarkung Mainhardt, auf dem Menschen leben – darüber hätte man reden können. Das reicht den Wielandsweilern aber nicht.

Besonders stieß ihnen eine Aussage des Haller Oberbürgermeisters Hermann-Josef Pelgrim auf, die an diesem Abend im Raum stand. „Er hat wohl gesagt, in Wielandsweiler investiert die Stadt nichts mehr“, so Ebert. Besonders den Gewerbetreibenden – von den 100 Einwohnern seien zehn selbstständig – war dies ein Dorn im Auge. Man denke da­rüber nach, die Gewerbesteuerzahlung einzustellen, oder die der Grundsteuer. „Denn wir können unsere Häuser und Wohnungen hier auch nicht mehr vermieten. Als Erstes wird oft nach Internet gefragt“, weiß Ebert – und bei einem Achselzucken sagten Inte­ressenten ab.

Nun wurde ein Ausschuss gebildet, der sich intensiv um das Thema Internet kümmern will. Sowohl Angebote der Internetversorger sollen nochmals geprüft als auch „massiver Druck“ auf die Stadtverwaltung ausgeübt werden.

Die will laut Pressesprecherin Franziska Hof auf jeden Fall noch eine Stellungnahme dazu abgeben. Allerdings habe die Zeit, um Fakten auf den Tisch zu legen, bis Redaktionsschluss nicht gereicht.

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