Deutschland liegt, was schnelles Internet anbelangt, im Ranking der Industrienationen auf einem der hinteren Ränge. Auch in Hall gibt es Versorgungslücken, etwa im Nordosten, Richtung Solpark und Tüngental.

Nun gibt es für einige Anwohner und Betriebe dort gute Nachrichten. Denn der Anschluss an das schnelle Datennetz kommt. Die Haller Stadtwerke, die von der Stadt mit dem Glasfaser-Ausbau beauftragt sind, haben einen positiven Förderbescheid erhalten. Baden-Württemberg unterstützt landesweit 112 Projekte mit einem Volumen von 33,4 Millionen Euro. In Hall kommen davon 1,79 Millionen Euro an, wie Ale­xander Liedtke aus der Kommunikationsabteilung der städtischen Tochter schreibt.

Das entspricht etwa 40 Prozent der geplanten Aufwendungen für die Anbindung von Wolpertsdorf, Otterbach, Matheshörlebach, Altenhausen, Veinau, Ramsbach und Bühlerzimmern. Stadtwerke-­Abteilungsleiter Martin Menschl hat nun den Bescheid bei Digi­talisierungsminister Thomas Strobl in Stuttgart abgeholt. Bedingung für die Förderung war, dass die derzeitige Bandbreite unter 30 Megabit pro Sekunde liegt.

Geplant ist ein sogenanntes Backbone zwischen Hall und den Orten. Zudem soll Glasfaser bis in die Häuser verlegt werden. Da der Bund bereits im Mai eine Förderung von 50 Prozent der Gesamtkosten von 4,48 Millionen Euro bewilligt hat, müssen die Stadtwerke nur noch für zehn Prozent aufkommen.

Die Stadtwerke rechnen damit, dass der Bau mindestens zwei Jahre dauert. Später werden technisch Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich möglich sein. Das Tempo hängt aber vom Tarif des künftigen Telekommunikationsunternehmens ab, das das Netz betreibt. Aktuell läuft laut Stadtwerke eine Ausschreibung.

Mindestens 30 Prozent der Unternehmen müssen Glasfaseranschluss von Vodafone nehmen

Im Gründle und Solpark hat sich bereits ein Betreiber positioniert. Vodafone – zum Konzern gehört auch der Kabelnetzbetreiber Uni­tymedia – plant, 120 Unternehmen an das Glasfasernetz anzubinden. Das geschieht so, wie die Stadtwerke das mit „Fibre to the Building“ planen, also mit direkter Anbindung zum Gebäude (siehe Info). „Damit der mehrere Millionen Euro teure Ausbau wirtschaftlich vertretbar ist, müssen mindestens 30 Prozent der erreichbaren Unternehmen einen Glasfaser-Anschluss von Vodafone wählen“, schreibt der Düsseldorfer Konzern als Bedingung. Die Vermarktung habe begonnen und der Partner Omrex habe die Unternehmen angeschrieben. Ziel sei, noch dieses Jahr mit dem Ausbau zu beginnen.

Klaus Lindenmayer, städtischer Wirtschaftsförderer, begrüßt die Vorhaben. „Jeder Meter Glasfaser, der verlegt wird, ist ein richtiger Schritt Richtung Zukunft.“ Die Telekom habe vor einigen Monaten ein solches Vorhaben im Industriegebiet in Sulzdorf gestartet und dabei ebenso eine Mindestzahl von 30 Prozent gefordert – mit Erfolg. Anders im Gewerbegebiet Kerz. „Da wurde das Quorum von der Telekom nicht erreicht“, so Lindemeyer. Das Bonner Unternehmen plane noch ein weiteres Ausbauprojekt in Hessental, auf dem Areal der Krone, wo Wohnbebauung vorgesehen ist.

Zur Kritik der Unterversorgung sagt der Wirtschaftsförderer, dass die Sache „relativ“ sei. Der Solpark etwa sei kein weißer Fleck. „Die Grenze liegt bei Anschlüssen bei 30 Mbit für Privathaushalte und 50 Mbit bei Unternehmen.“ Es genüge, knapp da­rüber zu sein, um keine Förderung mehr zu erhalten. „Der Solpark ist daher eigentlich ein grauer Fleck.“ Dort sei an manchen Stellen bereits über die Telekom möglich, Business-Verträge mit höheren Bandbreiten abzuschließen. Dass nun Vodafone vorprescht, sei ein „begrüßenswerter, normaler Wettbewerb“.

Weiße Flecken gibt es auch auf der anderen Stadtseite, Richtung Wielandsweiler und Sittenhardt, die aber auch bald verschwinden sollen. Die Haller Stadtwerke haben laut Lindenmeyer bereits ein Glasfasernetz gebaut. Nun sei es an der Telekom, den Betrieb aufzunehmen.

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Schwäbisch Hall

Anschlüsse sollen bis in das Haus gelegt werden


Vodafone plant den Netzausbau nach dem Prinzip „Fibre to the Building“ (FTTB). Dabei wird Glasfaser bis in das Haus gelegt. Bei DSL dagegen wird der letzte Abschnitt vom Verteiler bis zum Haus über Kupferkabel zurückgelegt. Bei FTTB kann der Nutzer die Bandbreite komplett abschöpfen, während bei DSL die Bandbreite mit den Verbrauchern in der Nachbarschaft geteilt werden muss. Im Solpark will Vodafone zunächst Leitungen mit 500 und 1000 Megabit anbieten, später auch mehr. Möglich seien symmetrische Anschlüsse mit gleicher Geschwindigkeit für das Hoch- und Runterladen. thumi