Sackpfeifertage Internationale Klangweisen

Referentin Katharina Dustmann zeigt der Gruppe das Rahmentrommelspiel im Kaisersaal der Comburg.
Referentin Katharina Dustmann zeigt der Gruppe das Rahmentrommelspiel im Kaisersaal der Comburg. © Foto: Hans Kumpf
Hans Kumpf 13.02.2018

Nein, die Schotten haben den Dudelsack nicht erfunden. Vielmehr brachten einst römische Legionäre das näselnde Instrument, in dem mit feinen Doppelrohrblättern die Luftsäulen in Schwingungen versetzt werden, aus dem arabischen Raum gen Norden. Auch in Irland wird die „Bagpipe“ bekanntlich gerne traktiert. In der Musik des Mittelalters spielte der Klangerzeuger mit den fortwährenden Borduntönen eine wesentliche Rolle, und bei so manch volkstümlichen Festlichkeiten wie beim Markgröninger Schäferlauf erschallt hierzulande ein solches Instrument.

Seit 1996 werden auf der Comburg regelmäßig die „Schwäbisch Haller Sackpfeifertage“ durchgeführt, inzwischen getragen von einem gemeinnützigen Verein. Der Gründungsvater Achim Hoyer erinnert sich, dass zuvor lehrreiche Meetings auf dem Einkorn, in der Grundschule Gottwollshausen, im Haller Hotel Goldener Adler und in der Jugendherberge stattgefunden haben. Auch Mit­initiator Hermann Rieth ist bei den Sackpfeifertagen im vormaligen Benediktinerkloster immer noch dabei.

Mittelalter und Renaissance

Neun praktisch-theoretische Workshops standen zur Auswahl. Da wird schon bei dem Begriff „Sackpfeife“ sehr differenziert. Einen Anfängerkurs für „Hümmelchen“ (Instrument bis zwei Bordune) und „Dudey“ (Instrument ab drei Bordune) führte Sandra Distler aus Nürnberg durch. Der Karlsruher Leonhard Bock bot währenddessen eine Fortbildung auf der „Gaita Gallega“, der Sackpfeife aus dem nordspanischen Galicien, an. Die Themen der Ensemblekurse lauteten „Bordunmusik des Mittelmeerraums“, „Mittelalter am Mittelmeer“, „Renaissancemusik – italienische und spanische Musik des 16. und 17. Jahrhunderts“ sowie „Moresco – Noblesse und Groteske im Renaissancetanz“. Schließlich wurde noch spezieller Gesang und die Kunst der Rahmentrommel unterrichtet.

Den festlichen Musikantenabend zum Schluss des lehrreichen Treffens konzipierte man als interne Veranstaltung – die breite Öffentlichkeit wurde hierzu nicht eingeladen. Im historischen Kaisersaal erfolgten die Darbietungen in heiterer Atmosphäre. So herrschte der Schalmeien-­Sound in vielen Varianten vor. Die iberischen „Gaitas“ erklangen zusammen mit schlagkräftigen Rahmentrommlern. Noch zögerlich intonierte zuvor eine Anfängergruppe kanonlos „Bruder Jakob“. Der jüngste Teilnehmer war zehn, der älteste über 80 Jahre alt. Lernbegierige Liebhaber von Bordunmusik und Alter Musik reisten aus ganz Deutschland, England und der Schweiz an.

Relativ nah hatte es da Friedhelm Schneidewind aus Hemsbach (Rhein-Neckar-Kreis). Der Experte für Arbeitssicherheit erschien zum Abschlussabend rustikal kostümiert – aber ohne irgendein Dudelsack-Instrument. Schneidewind bläst neben zahlreichen Flöten vor allem das mittelalterliche Gemshorn und singt. Schon zum fünften oder sechsten Mal sei er auf der Comburg, seit 2009 komme er im Schnitt alle zwei Jahre, erklärt der bärtige Herr.

Faschingsgefühle kommen auf

Auf der Comburg waren nicht nur Sackpfeifen zu hören. Präsentiert wurden auch mancherlei Block- und Traversflöten, Streich- und Zupfinstrumente und im absoluten Miniformat ein Orgel-Portativ. Und passend zum karnevalistischen Treiben erklang ein spanisches Trinklied. Die Kursteilnehmer wechselten oft die Rollen zwischen flinken Akteuren und ergebenem Publikum.

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